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Architektur Mosaik der Geschichte

Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt wirft einen Blick auf die georgische Metropole Tbilisi.

Rike-Park
Konzert- und Ausstellungshalle im Rike-Park. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk

Das Gastland der diesjährigen Buchmesse beeinflusst nicht nur die Frankfurter Literaturlandschaft, sondern findet Einzug in alle Bereiche der Kulturszene. Auch das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt wird in den Bann Georgiens gezogen, das gemessen an seiner Größe eine faszinierende und sich stetig wandelnde Geschichte hat. An keinem Ort Georgiens sind die Veränderungen so gut zu sehen, wie in der kaukasischen Metropole Tbilisi. Mit einer Million Einwohnern und Einwohnerinnen ist die Hauptstadt des kleinen Landes nicht nur politisches, sondern auch soziales Zentrum. Hier treffen alle Generationen aufeinander und das Stadtpanorama ist ein Mosaik der Geschichte. Besonders prägend für die Stadt an der Kura sind bis heute die Ereignisse des frühen 20. Jahrhunderts. Nichts beeinflusste die Stadtentwicklung so sehr wie die Zeit in der Sowjetunion und die Anstrengungen nach der Wende. 

Die Ausstellung „Hybrid Tbilisi“ wirft einen Blick auf die Architektur der georgischen Metropole und versucht anhand der Bauten ein zeitgeschichtliches Zeugnis deutlich zu machen. Nicht nur einzelne Gebäude, sondern auch Stadtviertel, Panoramen und kleine Ornamente, etwa Graffitis, stehen im Mittelpunkt. Um die Entwicklung der Stadt visuell festzuhalten, ist der Rundgang aufgeteilt in sechs Zeitabschnitte. 

Eine Collage aus Kupferstichen, Gemälden und ersten Fotografien der Zeit bis 1920 leitet die Ausstellung ein. Das Augenmerk liegt hier vor allem auf den vielen Einflüssen fremder Kulturen, die durch Eroberungen und Raubzüge in die Stadt gelangten. Nennenswert sind orientalische Fremdherrscher, Araber oder Byzantiner vom 6. bis zum 11. Jahrhundert, und Großmächte, das osmanische und mongolische Reich zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert. Durch die immer wieder wechselnden Besatzer und regelmäßige Brandschatzungen sind in Tbilisi kaum zivile Bauten aus der Zeit vor 1790 erhalten. 

Fortgesetzt wird der Zeitstrahl mit frühen Eindrücken aus der Sowjetepoche. Kennzeichnend war der Kampf gegen den so genannten Individualismus in der Architektur. Beispielhaft zu sehen ist dieser Wandel am Regierungspalast, von den Architekten V. Kokorin und G. Lejava zwischen 1946 und 1953 erbaut. Die Fassade aus goldgelbem Tuffstein bildet eine glatte Front ohne jeglichen gestalterischen Aufwand. Das ist umso erstaunlicher, da die Anfangszeit sowjetischer Herrschaft von Schnörkeleien und Prunkbauten geprägt ist, wie etwa der Funicular-Station von Z. & N. Kurdiani aus dem Jahr 1938. Eine langgestreckte Säulenveranda umrahmt eine luftige Halle. 

Wenige Jahre später wird dieser überladene Stil während der Chruschtschow-Ära verdrängt. Zwischen 1955 und 1990 weichen die „überflüssigen Verzierungen“ schlichten Massenbauten. Der immer schneller ansteigende Wohnungsbedarf erforderte funktionale Plattenbauten und gigantische Wohnsiedlungen. Trotz allem entstehen unter dem Einflüssen Moskaus auch einige von Tbilisis beeindruckendsten Bauten. Das wohl bekannteste ist das ehemalige Ministerium für Autobahnbau. Wie ein Jengaturm stapeln sich Betonblöcke in symmetrischer Weise übereinander und geben ein skurriles aber auch faszinierendes Bild ab. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der folgenden Unabhängigkeit Georgiens, fiel das Land in eine schwierige Zeit.

Zwischen 1990 und 2003 kam es immer wieder zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen und die Regierung sah sich konfrontiert mit Korruptionsvorwürfen. So kam es in vielen Stadtteilen zu einer Selbstbetätigung der Bevölkerung in Sachen Bau, und die Nachfrage nach Architekten und Architektinnen sank rapide. Wer es sich leisten konnte, ergänzte seine Wohnung mit nicht genehmigten Anbauten, sogenannten Kamikaze-Loggias. Es entstand ein improvisatorisch aussehendes, aber auch indivduelles Stadtbild – kein Haus glich mehr dem anderen. 

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