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Archäologie Pharaonische Sensationen

Ägyptens Archäologie macht immer öfter von sich reden und hofft auf mehr Touristen.

Antike Totenstadt in Ägypten entdeckt
Ein Sarkophag liegt in einer kürzlich entdeckten, über 2500 Jahre alten Nekropole auf dem Boden. Foto: Samer Abdallah (dpa)

Stolz und Freude standen Ägyptens Antikenminister Kaled El-Enany ins Gesicht geschrieben. Ein halbes Dutzend Glasvitrinen hatte er in der Wüste aufstellen lassen, um frisch entdeckte Schätze in voller Pracht präsentieren zu können. „Wir werden dem Nahen Osten eine neue archäologische Attraktion hinzufügen“, versprach er den hunderten von Gästen, die nach Oberägypten gekommen waren, um unter dem Schutz bunter Sonnentücher zu staunen. Im Dezember 2017 entdeckten Ägyptens Ausgräber nahe der Stadt Minia eine mehr als 2500 Jahre alte Totenstadt, die Grablegen zahlreicher Priesterfamilien enthält. Vierzig mit Namen beschriftete Sarkophage aus Stein legten die Wissenschaftler frei, hinzu kamen 1000 Statuetten und Alabaster-Gefäße, Keramik und Schmuck. „Das ist erst der Anfang. Wir brauchen mindestens fünf Jahre, um sämtliche Nekropolen dieses Friedhofs zu erforschen“, erklärte Al-Enany. Acht weitere Gräberfelder sind schon ausgemacht, wahrscheinlich gibt es noch wesentlich mehr.

Oberhaupt einer der Familien war der Hohepriester Djehuty-Irdy-Es, der für den Gott Thot zuständig war. Seine noch vorhandene Mumie ist dekoriert mit blauen und roten Perlen sowie vergoldeten Bronzeplatten, die die geflügelte Himmelsgöttin Nut zeigen. Kurz vor Neujahr stießen die Forscher auf ein Amulett mit der Inschrift „Frohes Neues Jahr“ – „ein wunderbarer Zufall und eine Botschaft für uns aus dem Jenseits“, so Chefausgräber und Antikendirektor Mostafa Waziri.

Zwei Drittel des historischen Erbes, so schätzte einmal Waziris Vorgänger, Zahi Hawass, liegen noch unangetastet in ägyptischer Erde. Und so setzen die Ausgräber nicht nur in Minia, auch in Luxor und Kairo auf weitere spektakuläre Erfolge. Denn zum einen möchte die Nation am Nil endlich wieder mehr Touristen anlocken. Zum anderen lenkt das Entdeckerglück – zumindest vorübergehend – ab von der beispiellosen Repression durch das Regime von Abdel Fattah al-Sisi. Denn genau am gleichen Tag, als die Funde von Minia präsentiert wurden, begann der offizielle Wahlkampf für die Präsidentenwahl am 26. März. Bereits vorher ließ der Ex-Feldmarschall sämtliche ernsthaften Mitbewerber aus dem Weg räumen. Nur ein einziger Strohmann, der eigentlich Sisi verehrt, blieb als Gegenkandidat übrig. Auf den Straßen herrschen ängstliches Schweigen und Apathie, während sich die soziale und wirtschaftliche Misere weiter zuspitzt.

Eine wichtige Hoffnung aber bleibt der Tourismus. Nach dem Niedergang von 2011 war das vergangene Jahr mit 8,3 Millionen Besuchern das bisher beste. Zu den 14,7 Millionen Touristen 2010 vor dem Sturz von Hosni Mubarak jedoch klafft immer noch eine gigantische Lücke. Die ersten Buchungszahlen für 2018 zeigen eine weitere Erholung – auch für das Tal der Könige in Luxor, wo die ägyptischen Altertum-Gewaltigen ebenfalls auf eine Sensation hoffen.

Hatte doch der britische Ägyptologe Nicholas Reeves die Fachwelt 2015 in helle Aufregung versetzt mit seiner These, hinter der Nordwand der Tutanchamun-Kammer könne sich das „ungeplünderte Grab“ der Nofretete befinden. Die 1912 gefundene Büste der weltberühmten Schönheit steht im Ägyptischen Museum in Berlin. Das Grab der Gattin von „Ketzerkönig Echnaton“, ihre Mumie und ihre Schätze wurden nie gefunden. Sie sind bis heute eines der großen Mysterien der Ägyptenforschung.

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