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Kultursommer Lesetipps für den Sommer

Auch wenn das Wetter hervorragend ist: Schauen Sie nicht direkt in die Sonne, schauen Sie direkt in ein gutes Buch. Hier kommen entsprechende Empfehlungen aus der FR-Redaktion. Dazu wie immer ein paar Filme und Musik.

25.06.2018 10:02
Sommer
Unter freiem Himmel ein Buch zu lesen, ist besonders schön. Foto: iStockphoto

Laut „Musik war das nicht“, schreibt F.C. Delius am Anfang. Und doch wird bald alles Musik in der kleinen Erzählung. Für den jungen Autor, den es 1966 in New York zu einem Auftritt des großen Jazz-Saxofonisten Albert Ayler verschlagen hat, fügen sich die schrägen Töne Musikstück für Musikstück zu einer Symphonie seines bisherigen Lebens. Und in der spielerischen Gleichgültigkeit gegen jede musikalische Konvention zeichnet sich der anti-autoritäre Aufstand des Jahres 1968 mit seinen schönsten Seiten ab. Ein Büchlein, das sagt: Niemand kann politische Geschichte besser erzählen als ein begnadeter Literat.

Bunt Wer den Jazz noch in den Ohren hat und etwas für die Augen sucht, wird in dem Bildband „Imagine“ fündig. Auch hier geht es um „68“ und Umgebung, genauer: um die Jahre von 1960 bis 1969. Die meisten Fotos sind schwarz-weiß, aber so bunt hat man die Welt ohne Farbe selten gesehen. Die Bilder und die klugen, kurzen Texte schauen weit über Europa hinaus und zeigen, wie es das Vorwort verspricht, eine globale Epoche des Aufbruchs.

Tot Wenn ein Autor 29 Tote ihr Kleinstadt-Leben erzählen lässt; wenn es ihm gelingt, den Leser noch mit der banalsten Episode zu berühren, ohne aus der Jenseits-Nummer Kitsch werden zu lassen; wenn er die Biografien Stück für Stück zusammenwachsen lässt und einen Roman daraus macht – dann muss das ein großer Erzähler sein. Seethaler eben.

Schwarz Das Buch ist alt. In den USA erschien es schon 1984, auf Deutsch 2002. Die dunkle Geschichte aus dem kalifornischen Surfer-Milieu gilt als Klassiker des „Surf Noir“. Und jetzt? Sven Regener hat den Roman eingelesen. Surf and Crime meets Bremer Slang. Ein absoluter Hochgenuss! (Stephan Hebel)

Postkarten „Ich bin froh, dass ich nicht dem dicken Krug seine Ohren habe“, schreibt Jurek Becker 1978 aus New Orleans an Ottilie und Manfred Krug. Jede seiner Postkarten, die dieses phantastische Buch versammelt, macht es noch etwas schlimmer, dass Jurek Becker schon lang nicht mehr lebt. Aber jetzt haben wir wenigstens seine Postkarten. 

Postdemokratisch Was Juli Zeh sagt, lässt sich stets hören, und was Juli Zeh schreibt, lässt einen nicht los. Mag sein, dass die Welt untergeht, mag sein, dass wir alle verloren sind. Es ist nicht gerade ermutigend, was dieser Roman für die allernächste Zeit vorhersagt, aber es ist spannend zu lesen, und es könnte uns verdammt noch mal eine Warnung sein, wenn wir verstehen wollten.

Post ab Die beiden Herren müssten eigentlich in die Jahre gekommen sein. Aber wer sie auf dieser DVD wiedersieht, womöglich das erste Mal live seit Sprendlingen vor 15 Jahren – oder waren es etwa 17? –, der erkennt sie wieder. Dieselben Schnodderschnauzen, derselbe groteske Humor, dieselben zwei Typen, die live einfach eine Klapse für sich sind. 

Post-Folk Drei Leute gründen in Australien eine Band nach einer langen Partynacht – kann man machen. Sängerin Julia Jacklin wollte nach Jahren des Folks mal gucken, was passiert, wenn sie ausnahmsweise keine traurigen Lieder zur Gitarre singt, sondern Leute zum Tanzen bringt und dazu, sich gut zu fühlen. Was soll man sagen, es schnarrt, es rumpelt, es funktioniert. (Thomas Stillbauer)

Der Zornige In Europa herrscht Krieg, es wird geschossen und gestorben jeden Tag. In der Ukraine. Und Serhij Zadan erinnert uns daran. So, dass wir es nie vergessen werden. Er war die junge zornige Stimme der ukrainischen Literatur und es lohnt, auch frühe Texte zu lesen („Anarchy in the UKR“). Mit Internat“ erreicht der 44-jährige eine neue Stufe. 

Der Ex-Banker Das Buch für die tropisch heißen, endlosen Sommernächte, die jetzt kommen. Ein ehemaliger Investmentbanker beschreibt, wie diese Form des zynischen Geldverbrennens sich in unser aller Leben hineinfrisst. Und wie die Gesellschaft um das Goldene Kalb des Kapitals tanzt. Der Kern von Alexander Schimmelbuschs böser Satire ist ein Appell: Es braucht eine neue Revolte. 

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