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Kulturpolitik Lichtbrücken des Dialogs

Der letzte Wille des Kulturmanagers Martin Roth hat sich erfüllt, ein Goethe-Zentrum in Baku.

Wo immer auch Geist und Seele des im letzten Jahr so früh gestorbenen deutschen Museumsmannes Martin Roth und zuletzt Präsident des ifa-Instituts jetzt sein mögen, nun hat sich erfüllt, wofür er bis zum Schluss rückhaltlos stritt. Weswegen der energische Schwabe in Berlin sogar angefeindet wurde.

Seit Freitag hat Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans, ein Goethe-Zentrum, somit eine solide Plattform für kulturellen, künstlerischen Austausch, der gerade im politisch schwierigen Kaukasusgebiet ausgedehnt werden soll. Roth, der auf der Kunstbiennale Venedig 2017 noch mit letzten Kräften, die die unheilbare Krankheit ihm ließ, den Aserbaidschanischen Pavillon kuratierte und sich dafür absurderweise von „politisch Überkorrekten“ der Nähe zur autokratischen Regierung in Baku bezichtigen lassen musste, hielt eine solche Kulturinstanz in der ehemaligen arabischen Sowjetrepublik am Kaspischen Meer für unverzichtbar.

Er meinte damit die Diplomatie, den völkerverständigenden Dialog, den Kontakt der Kunst- und Kulturschaffenden, nicht etwa eine Rechtfertigung autokratischer Politik. Ganz im Gegenteil. Ihm ging es immer um die Freiheit der Kreativen, gerade wegen und trotz der vormundschaftlichen Obrigkeit im Erdöl-Staat. Und so war er ein zivilcouragierter Befürworter auch unbequemer und mutiger Kompromisse in schwierigen politischen Gemengelagen. Er wurde ein Mann der Hoffnung für viele in Aserbaidschan. Sein Einsatz war nicht umsonst.

Seit 20 Jahren betreute das deutsche Goethe-Institut von Georgien aus in Baku zumindest einen Lesesaal und seit 2009 ein Sprachlernzentrum. Dieser umständliche Zustand ist nun Vergangenheit. Alfons Hug, ab sofort Leiter des Kultur- und Sprach-Zentrums in Baku, kann endlich planen und arbeiten wie die anderen 159 Goethe-Institute in 98 Ländern der Welt. Der Bundestag setzte für die Zentren in Baku und dem armenischen Jerewan bis 2021 drei Millionen Euro ein.

Zur Eröffnung in Baku – und das hätte Martin Roth gefreut – stand gleichsam parabelhaft Goethes „West-östlicher Divan“ Pate, geht es doch in dem Werk um Liebe, Verständigung, Gleichheit trotz des Anders-Seins. So bespielt der Aserbaidschaner Youssef Limoud das historische Kapellhaus des Goethe-Zentrums Baku und der Deutsche Mischa Kuball baute eine Lichtinstallation ins islamische Heiligtum – die Moschee des Shirwanshah Palastes. Lichtbrücken des Dialogs.

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