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Kritik an Papst Franziskus „Chaot“ und „Populist“

Konservative deutsche Intellektuelle üben harsche Kritik an Papst Franziskus. Der Philosoph Spaemann wirft ihm einen „Kult der Spontaneität“ vor. Der Schriftsteller Martin Mosebach rügt seinen Lebensstil.

Pope Francis walks as he arrives to lead the weekly audience in Saint Peter's square at the Vatican
Hat für die eine oder andere Neuerung ein Ohr: Papst Franziskus. Foto: Reuters

Der Machtkampf im Vatikan gilt als ausgemacht, seit Papst Franziskus in der römischen Kurie 15 Krankheiten – von „geistlichem Alzheimer“ über Geschwätzigkeit und Karrierismus bis zur „Pathologie der Macht“ – diagnostizierte und seiner eigenen Verwaltung damit vor Weihnachten 2014 multiples Organversagen bescheinigte.

Doch äußern sich die Papst-Gegner kaum öffentlich und selten so eindeutig wie der inzwischen entmachtete US-Kurienkardinal Raymond Leo Burke. Dieser sieht die von Franziskus angestoßene Reformdiskussion zu Fragen von Ehe, Familie und Sexualmoral als Angriff auf die „ewig gültige Lehre der Kirche“, die der Papst doch entschieden zu verteidigen hätte. Im staatlichen Kontext würde man dies als Vorwurf des Hochverrats im Amt übersetzen.

Verächter der Theologie

In Deutschland wird der Widerstand gegen das Pontifikat des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio inzwischen vor allem von konservativen Laien intoniert und mit publizistischer Begleitmusik unterlegt. Ein ganzseitiger Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ beschrieb Franziskus unlängst als Pannenpapst und „loose cannon“, ein unsteuerbares Sicherheitsrisiko für die katholische Kirche. Ohne Angabe von Quellen, aber inspiriert von hochrangigen Gewährsmännern im Vatikan kolportierte der Autor die Stimmung dort mit dem Wort: „Das Maß ist voll.“

Jetzt erhebt der Philosoph Robert Spaemann (87) als intellektuelles Schwergewicht die Stimme. Ausgerechnet im demnächst erscheinenden Spezialheft der liberal geprägten „Herder Korrespondenz“ charakterisiert der vielleicht bedeutendste deutsche Konservative nächst dem gleichaltrigen Papst Benedikt XVI. dessen Nachfolger als Chaoten, Populisten und Verächter der Theologie. Franziskus pflege einen „Kult der Spontaneität“ und flüchtiger Symbolik. Mit Theologie habe der Papst „nicht viel im Sinn“.

Dabei habe schon die Bibel gewarnt, es würden „Lehrer kommen, die Dinge sagen, die für die Ohren schön klingen, und die Menschen werden diesen Lehrern folgen“. Angesichts eines ambivalenten Agierens des Papstes hält Spaemann es erkennbar missbilligend für nicht ausgemacht, „was der Heilige Vater nun vorhat“.

Zumindest an dieser Stelle trifft er sich mit Unterstützern des Papstes. Im Dialog mit Spaemann deutet sein Kollege Hans Joas Franziskus’ offene Art der Amtsführung als Versuch, seine Kirche auf die Bedingungen von Globalisierung und Pluralisierung einzustellen. „Die große Gefahr ist allerdings, dass durch die Dynamik, die er entfacht, massive Konflikte losbrechen und ungute Fliehkräfte die Kirche als Ganzes in Gefahr bringen könnten.“

Der Vorwurf planloser Politik

Joas erinnert in diesem Zusammenhang an Michail Gorbatschow und die Perestroika in der ehemaligen Sowjetunion. „Da kommt ein Reformer von oben, und die Veränderungen lassen das ganze Gebäude wanken.“ Das müsse unbedingt verhindert werden. Im Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“ summiert ein dem Papst wohlgesonnener römischer Insider das zweijährige Pontifikat so pointiert wie bekümmert mit den Worten: „Franziskus weiß, was er will, aber er hat keinen Plan.“

Die gleiche Wahrnehmung verdichtet Spaemann – entgegen dem öffentlichen Erscheinungsbild – zum Profil eines autoritären Papstes, der strikt auf der herausgehobenen Stellung seines Amtes bestehe und auf der Möglichkeit, in jedem Bistum der Welt direkt durchzugreifen. „Wenn Benedikt das gesagt hätte, hätte es einen Aufschrei gegeben. Aber bei Franziskus werden die Vollmachten des Papstes wieder stärker betont. Und keine Zeitung echauffiert sich.“

Spaemann münzt seine Kritik auf die Steuerung der von Franziskus einberufenen Familiensynode durch den Papst und dessen Ansprache an die Kurie. Der Papst sei „einer der autoritärsten, die wir seit Langem hatten“.

Ganz ähnlich hatte sich Ende vorigen Jahres schon der Schriftsteller Martin Mosebach eingelassen, wie Spaemann ein Verehrer Papst Benedikts und bekannt als Liebhaber der lateinischen Liturgie im „Tridentinischen Ritus“. Der Papst führe ein autokratisches Regiment. Er halte Sonntagsreden, sei desinteressiert an der kirchlichen Liturgie und setze auf medial wirkungsvolle Äußerlichkeiten. Der „Bergoglio-Style“, also Franziskus’ Verzicht auf päpstlichen Pomp, sei weder asketisch noch bescheiden, sondern bedeute nur „das Herabdimmen auf einen Lebensstil, der sich mit dem der weltlichen Macht von heute deckt“. Auch Milliardäre träten heutzutage im T-Shirt auf.

Die alte Pracht der Kirche dagegen sei eine „Kunst für die Armen“ gewesen. Schwere Brokatmäntel, die – so Mosebach – „die Herrlichkeit des kommenden Christus darstellen, sind sehr unbequem“. Höchste Pracht-entfaltung als vollendete Selbstverleugnung, darauf muss man auch erst einmal kommen.

Herder Korrespondenz Spezial: Phänomen Franziskus. Das Papstamt im Wandel, Ausgabe 1/2015, 64 Seiten, 9,95 Euro.

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