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Konzert von Tim Bendzko Ich war jetzt schon hier

Das Album "Wenn Worte meine Sprache wären" hat sich mehr als 100.000 mal verkauft: Tim Bendzko und seine Band lassen ihre fast ausverkaufte Tournee in Offenbach beginnen.

17.01.2012 16:24
Grete Götze
Männlich, weiß, heterosexuell: Tim Bendzko. Foto: Getty Images

Um 20.45 Uhr wird zum ersten Mal gepfiffen, um 20.49 Uhr zum ersten Mal gekreischt, und um Punkt 21 Uhr betritt er mit seiner Band endlich die Bühne des ausverkauften Capitols in Offenbach: Tim Bendzko, der 27-jährige Sänger aus Köpenick, der mit seinen deutschen Soul-Balladen „Wenn Worte meine Sprache wären“ und „Nur noch kurz die Welt retten“ überraschend einen Nerv unserer Zeit getroffen hat, die von Geschwindigkeit, Multitasking und Sprachlosigkeit geprägt ist.

Da steht er nun in Jeanshemd und Turnschuhen, der blonde Schwiegermutter-Liebling, der im vergangenen Jahr noch im Vorprogramm von Elton John und Joe Cocker spielte und inzwischen von seinem Debütalbum „Wenn Worte meine Sprache wären“ mehr als 100.000 Stück verkauft hat, und begrüßt sein Publikum: „Herzlich willkommen zu unserem Konzert. Seid ihr gut reingekommen? Schön, dass ihr da seid.“ Und so locker Bendzko inmitten seiner Band zu seinen eigenen Songs wippt, so begeistert sind die Familien und Pärchen am Sonntag in Offenbach beim Auftakt-Konzert zu seiner „Du warst noch nie hier“-Tour.

Bendzko in der Musikmaschine

Erstaunlich ist, dass die zwanzig Lieder, die Bendzko in einem Bühnenbild aus Leuchtlaternen singt, auch dann liebes- und sinnschwanger daherkommen, wenn es wie in „Keine Zeit“ nicht um Liebe geht, sondern darum, einfach mal auszuschlafen. Vielleicht liegt es an der vollen, aber im Grundton klagenden Stimme Bendzkos, die sowohl an Xavier Naidoos als auch an Herbert Grönemeyers musikalische Sinnsuchen erinnert. Es nimmt jedenfalls nicht wunder, dass er nach dem Abitur erstmal Theologie studiert hat, um „die Unordnung“ in seinem Kopf zu bekämpfen.

Der scheint inzwischen ziemlich aufgeräumt zu sein, denn wenn der ehemalige FC-Union-Spieler seinen weiblichen Fans erklärt, dass sie nun ein Fußballlied über sich ergehen lassen müssten, weil ja im Sommer Europameisterschaft sei, lässt das ein eher klassisches Weltbild erahnen. Ebenso wenn Bendzko mit „Sag einfach ja“ seinem Keyboarder Fabian Sennholz zu dessen Hochzeit gratuliert.

Es bleibt zu klären, ob man etwas für sein Publikum kann, in diesem Fall für sein deutsches, liebes, alternativ quer gestreiftes (Frauen) oder kariertes (Männer). Die subjektive Einschätzung folgt prompt: Ja, man kann. Denn so sympathisch die Band ist, so unmittelbar die Texte sind, so schön es sich anhört, wenn 1850 Menschen „Ich habe keine Worte für dich“ singen: So wenig eckt die Musik an, so gut lässt sie sich vermarkten, so geeignet ist sie für den neuen „Twilight“-Soundtrack. Hoffentlich verschluckt sie Bendzko nicht bald, die Musikmaschine, und er lässt wieder ein wenig mehr Unordnung in seinem Kopf zu, die klingt nämlich gut.

Tour-Termine: www.timbendzko.de

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