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Komödie Frankfurt Heinz Erhardt Er muss verrückt spielen

Heinz Erhardts „Das hat man nun davon“ beweist in der Frankfurter Komödie die Aktualität des Wortkünstlers.

16.05.2014 18:14
Christoph Schröder

Heinz Erhardt ist unterschätzt. Vielen gilt er noch immer als der gemütliche Onkel, der das deutsche Wirtschaftswunder mit harmlosen Schelmereien begleitet hat. Dabei sind Erhardts anarchische Wortkunst und Schlagfertigkeit in Wahrheit unerreicht, bis heute. In der Figur des Willi Winzig, des kleinen Beamten im Finanzministerium, hatte Erhardt eine seiner Paraderollen gefunden. Seine Bearbeitung von Wilhelm Lichtenbergs Lustspiel „Wem Gott ein Amt gibt“ wurde 1969 unter dem Titel „Das hat man nun davon“ uraufgeführt und feierte nun in der Frankfurter Komödie eine fabelhafte Premiere.

Das lag nicht nur, aber zum großen Teil an der Leistung von Thorsten Hamer. Hamer trat mit seiner „Heinz-Erhardt-Revue“ bereits als Solokünstler in der Komödie auf. Er hat das Original förmlich in sich aufgesogen, im Tonfall ohnehin, aber auch in Gestik und Mimik, und wer die Aufzeichnung aus dem Jahr 1969 kennt, kann nur verblüfft sein über die Ähnlichkeiten.

Zwar hat Regisseurin Pia Hänggi in ihrer Frankfurter Inszenierung das Stück ins Heute verlegt, aber davon merkt man glücklicherweise, außer einigen recht überflüssigen Anspielungen auf Fußballvereinspräsidenten und Ex-Bundeskanzler, so gut wie nichts. Im Kern ist „Das hat man nun davon“ schlicht und einfach eine wunderbare Komödie.

Willy Winzig sieht die Minister kommen und gehen

Und die geht so: Willi Winzig sitzt seit Urzeiten in jenem Korridor des Finanzministeriums, der direkt zum Minister führt. 17 Minister hat er kommen und gehen sehen („mehr gehen als kommen“), stets ist er ein treuer Beamter geblieben – bis er nun, kurz vor seiner Pensionierung, begonnen hat, missliebige Vorgänge, Mahnungen, und Vollstreckungsbefehle unter den Tisch fallen zu lassen. Als er dann auch noch seinem so strengen wie verknöcherten Chef Dolleschall (wie stets stark: Steffen Wilhelm) die Meinung geigt, als dieser die von Winzig verehrte Tierärztin Dr. Kubin (arg kokett: Verena Wüstkamp) vor die Tür setzt, droht ihm aus disziplinarischen Gründen die Kürzung seiner Altersbezüge. Da kommt der Kollege, der smarte Dr. Senn (Jens Hajek), auf eine Idee: Wenn man Winzig die Zurechnungsfähigkeit abspricht, kann er für seinen Ausraster nicht verantwortlich gemacht werden.

Winzig muss also verrückt spielen, und das beherrscht Thorsten Hamer in Perfektion, und der Rest der Truppe liefert ihm dafür immer wieder wunderbare Vorlagen, zumal auch die Nebenrollen bestens besetzt sind, so René Toussaint als Finanzminister Kuhländer, der von Finanzen keine Ahnung hat, oder Christine Richter als liebestolle Sekretärin Weguscheit. Je durchgeknallter Willi Winzig handelt, umso normaler erscheint er seiner Umwelt. Und umgekehrt: Tut er etwas nach menschlichen Maßstäben Vernünftiges, hält man ihn für verrückt. Rückgrat, so heißt es einmal, benötige man in der Anatomie, aber nicht in der Politik. Am Ende ist „Das hat man nun davon“ der Triumph des kleinen Mannes über die großen Schufte. Dass dem bis heute nichts Populistisches anhaftet, sondern eher etwas Subversives, ist eine echte Leistung.

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