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Kolumne Anti-Thilo

Die muslimische „Transferbevölkerung“ sowie „unfähige und faule“ Einwanderer werden Deutschland durch ihr unablässiges Zeugen und Gebären zum Verblöden und Verschwinden bringen. Diese zwischen Buchdeckel gepresste rassistische Wahnvorstellung verkauft sich blendend.

28.09.2010 17:41
Hans-Hermann Kotte
Hans-Hermann Kotte ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau Foto: FR

Die muslimische „Transferbevölkerung“ sowie „unfähige und faule“ Einwanderer werden Deutschland durch ihr unablässiges Zeugen und Gebären zum Verblöden und Verschwinden bringen. Diese zwischen Buchdeckel gepresste rassistische Wahnvorstellung verkauft sich blendend. Thilo Sarrazin dürfte Millionär damit werden, die DVA hat stolze 650000 Exemplare Druckauflage vermeldet. Dass der Bertelsmann-Konzern, der hinter der DVA steht, mit Sarrazins kruden Thesen Kasse macht, ist eine fragwürdige Angelegenheit; immerhin aber rührt sich anderswo im Konzern noch der Menschenverstand. So verschickte die Bertelsmann-Stiftung jüngst eine Pressemitteilung mit dem Titel „Deutschland schafft sich nicht ab“, in der auf die „langlebigen Vorurteile und Legenden“ hingewiesen wird, derer sich Sarrazin bedient.

Auch soll nicht unterschlagen werden, dass Bertelsmann eine Autorin im Programm hat, die die ideale Gegenspielerin zu Sarrazin darstellt: die schwarze Deutsche Noah Sow, deren antirassistisches Buch „Deutschland Schwarz Weiß“ jüngst in einer Hör-Version erschienen ist. Sow macht klar, auf welchen unschönen Traditionen der alltägliche Rassismus basiert. Und wenn dabei von der Angst vor dem Unbekannten die Rede ist und der Ausgrenzung mit Begriffen, muss man an Sarrazin denken. Sow kritisiert, wie im Namen der politischen Inkorrektheit der Rassismus wieder salonfähig werden soll. Nach dem Motto: „Das wurde doch alles schon besprochen – deswegen können wir uns wieder so aufführen wie vor 150 Jahren. Alles ist erlaubt, weil wir so aufgeklärt sind.“

Mit den Schlagworten „mangelnder Integrationswille“ und „Parallelgesellschaft“ werde ein Problemdiskurs aufgebaut und den Migranten die Bringschuld zugeschoben. Besonders gefährlich – so Sow – sei die konfrontative Stimmungsmache: „Die Muslime versus die Deutschen“. Können Muslime keine Deutschen sein, fragt Sow und stellt eine geschichtliche Hausaufgabe: „Wann wurden zuletzt in Deutschland Menschen aufgrund ihrer Religion rassifiziert – und was passierte dann mit ihnen?“ Auch eine Provokation – aber keine, mit der man Auflagenkönigin wird.

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