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Zum Tod von James Horner James Horner folgte dem Herzschlag der Filme

Hollywood-Komponist James Horner ist im eigenen Flugzeug verunglückt. Der 61-Jährige schrieb unter anderem die Musik zu „Titanic“, „Aliens“ und einigen „Star Trek“-Episoden, die Fans besser im Ohr blieben als andere.

Der Filmkomponist James Horner ist tot. Foto: dpa

Eine in Hollywood geläufige Komponistenweisheit lehrt: Mit guter Musik kann man einen gelungenen Film noch einmal aufwerten, aber einen schlechten niemals retten. James Horner hat in seiner Karriere ersteres oft erreicht und letzteres zumindest höchst ehrenhaft versucht. Seine ersten Filmmusikaufträge bescherten ihm die Billigproduzenten Roger und Julie Corman, denen ihr Gespür für junge Talente immer wieder dabei half, ihre Budgets viel größer erscheinen zu lassen, als sie waren.

James Horners Hollywood-Debüt „Die Frau in Rot“ über das Ende des Gangsters Dillinger bewahrte schon das geradlinige Drehbuch des jungen John Sayles vor dem Scheitern. Doch vom Filmkomponisten erwartete man selbst noch ein wenig kriminelle Energie: Da die Cormans die gewerkschaftlich festgesetzten Gagen nicht bezahlen wollten, musste Horner die Schecks für die Musiker unterschreiben. Und wenn das Piano in den Liebesszenen ein wenig nach Saloon klang und die Bläser etwas schräg, dann passte das umso mehr zu diesem effektsicheren Genrefilm über die frühen 30er Jahre. Horner folgte den Dramaturgien der Genrefilme, für die man ihn vorzugsweise besetzte, so treu wie ein Stummfilmpianist, der keine Stimmungsschwankung unkommentiert verstreichen ließ.

Mächtig und allgegenwärtig

„Meine Arbeit besteht darin sicherzustellen, dass jede Wendung im Film etwas ist, das das Publikum fühlen kann“, sagte Horner 2009 in einem Interview mit der „Los Angeles Times“. „Wenn eine Figur stirbt, wenn jemand gewinnt, wenn jemand verliert, wenn jemand verschwindet – immer halte ich Schritt, unentwegt, mit dem, was das Herz fühlen soll. Das ist meine Hauptaufgabe.“ Und wenn es eine Melodie und eine Textzeile gibt, die dieses Credo unterstreichen, dann wohl die, die ihm einen seiner beiden Oscars eintrug: „My Heart Will Go On“, das unsterbliche Liebesthema aus „Titanic“, das man wohl noch so lange hören wird, wie Tanzkapellen auf Kreuzfahrtschiffen spielen.

Die orchestrale Filmmusik zu James Camerons Katastrophenfilm und Liebesmelodram trug Horner nicht nur einen Oscar ein, der mächtige, allgegenwärtige Soundtrack gab Camerons Spektakel erst den letzten Schliff, indem er ein Stück von der Technik-Schau wegführte, in die gute alte Kinozeit. Denn all die Übertreibungen dieses nah am Wasser gebauten Dramas sind letztlich Rückgriffe auf das Sensationskino der Stummfilmära.

Es war ein weiter Weg von Corman zu Cameron, von den Niederungen des Exploitationfilms in die Höhen der Blockbuster – aber die Rolle der Filmmusik blieb haargenau die gleiche. Camerons Science-Fiction-Filme „Aliens“ (1986) und „Avatar“ (2009), die Horner ebenfalls vertonte, stellten ihr Genre nicht in Frage. Sie trotzten allen ironischen Untertönen der Postmoderne, was im Gegenzug der Filmmusik alle Geradlinigkeit der spätromantischen Tradition erlaubte.

Postmodern war höchstens Horners Liebe zum Zitat. Oder zum Plagiat? Vor allem Prokofjew und Chatschaturjan hatten es ihm angetan, in deren Repertoire er sich mehrfach bediente. Ein anderer Einfluss war irische Volksmusik, unüberhörbar nicht zuletzt in seinem „Titanic“-Thema.

Aber auch außerhalb der Cameron-Filme war Horner ein Meister aller Genres. Die beiden „Star Trek“-Filme II und III sind Fans besser im Ohr geblieben als manche andere Episode; „Braveheart“ und „The Amazing Spider-Man“ verdanken Horner einen Gutteil ihrer Wucht. Schwelgerisch ist seine Animations-Musik für den Westerncartoon „Feivel der Mauswanderer im Wilden Westen“, lyrisch klangen „Field of Dreams“ und „A Beautiful Mind“. Als Sohn des ebenfalls mit zwei Oscars ausgezeichneten, österreichischen Ausstatters Harry Horner lernte er früh, was klassisches Kunsthandwerk in der Filmindustrie bewirken kann. Auch für einen neuen Avatar-Film galt Horners Mitwirkung als gesetzt.

Am Montag stürzte Horners einmotoriges Flugzeug im kalifornischen Nationalpark Los Padres aus bislang ungeklärten Gründen ab, der 61-Jährige war die einzige Person an Bord.

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