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Zack Snyders "Watchmen" Rorschach-Test

Snyder lässt sich Präsident Nixon als Erzhalunken nicht entgehen. Doch er breitet die Comic-Vorlage auf in der zweiten Hälfte zäher werdende 160 Minuten aus. Von Michael Kohler, mit Video

Matthew Goode als Ozymandias (links) und Jeffrey Dean Morgan als TheComedian in dem Actionfilm "Watchmen - Die Waechter" von Zack Snyder. Foto: Warner Bros.

Auf dem Mond weht die Flagge des Musikfernsehens, US-Präsident Richard Nixon erlebt seine vierte Amtszeit, und Amerikas Superhelden haben sich, nachdem sie ihrem Präsidenten den Vietnamkrieg gewinnen halfen, ins Privat- oder Geschäftsleben zurückgezogen. Es ist eine düstere Zeit, die Alan Moore in seinem bahnbrechenden Comicbuch "Watchmen" beschwört, eine verschachtelt erzählte Fantasie darüber, wie die Welt der frühen 1980er Jahre vielleicht aussehen würde, wäre die ihr vorausgegangene Dekade den Gesetzen des klassischen Superhelden-Comics gefolgt.

Nun steht die Uhr auf fünf vor zwölf und Nixon ist drauf und dran, den roten Knopf zu drücken. Soll die liberale Ostküste doch mit den russischen Bomben glücklich werden, lästert er im Führerbunker, und welch ein Glück, dass die atomare Wolke anschließend rasch nach Mexiko weiterzieht.

Watchmen (Trailer)Zack Snyder, 2009

Natürlich lässt sich Zack Snyder in seiner "Watchmen"-Verfilmung Präsident Nixon als Erzhalunken nicht entgehen. Allerdings sind dessen Gegenspieler auch keine Helden der alten Schule mehr.

Nicht ohne Fantasy-Hammer

Gleich zu Beginn wird mit dem "Comedian" ein fröhlich mordender Possenreißer zum Fenster seines hoch über den Straßen gelegenen Alterssitzes herausbefördert und setzt mit seinem spektakulären Tod die Wächter-Geschichte in Gang. Rorschach, ein ähnlich dubioser Rächer, alarmiert die verbliebenen Vigilanten, weil er glaubt, dass es jemand auf sämtliche Ruheständler abgesehen hat. Damit liegt er zwar gründlich daneben, doch was soll's, der falsche Verdacht führt geradewegs ins Herz der Superhelden-Finsternis.

In diese hat sich Moore so weit vorgewagt wie nicht einmal Frank Miller, und Snyder breitet beinahe sämtliche Motive der mäandernden Vorlage auf stattliche und erst in der zweiten Hälfte etwas zäher werdende 160 Minuten aus. Sein Film ist ein erstaunlich filmisches Puzzle aus Comic- und Kulturgeschichte, in dem neben Nietzsches Übermenschen genügend Platz für William Paleys Uhrmachergott und Friedenspharao Ramses II. bleibt. Dass Snyder deswegen am Ende ein wenig mit dem Fantasy-Hammer philosophieren muss, liegt wohl in der Natur der Sache.

Watchmen - Die Wächter, Regie: Zack Snyder, Großbritannien/USA 2009, 162 Minuten.

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