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„Your Name“ Ein romantischer Körpertausch

„Your Name“ ist nicht nur der bisher erfolgreichste Anime, es ist ein zeitloser Liebesfilm.

Mitsuha
Mitsuha auf dem Weg zur Schule. Foto: Toho Co., LTD./Comix Wave Films Inc.

Jedes Mal, wenn ein neuer herausragender Anime aus Japan kommt, halten Fans den Atem an: Wie lange noch, denkt man dann, wird es die handgezeichnete Form des Animationsfilms geben, die überall sonst auf der Welt schon beinahe ausgestorben ist? Wenn es etwas helfen würde, könnte nicht bitte die Unesco diese einzigartige Kunst zum Weltkulturerbe erklären?

Mehr Einfluss haben freilich die heimischen Kinokassen, an denen noch immer Rekorde mit Animes aufgestellt werden. So jetzt wieder mit „Your Name“, dem jüngsten Werk von Makoto Shinkai, einem Künstler, der in einem ganz anderen Stil arbeitet als Hayao Miyazaki – und der doch als sein legitimer Erbe gehandelt wird. Denn auch diesseits der Märchen- und Naturmythologien des Studio Ghibli verbreiten seine Filme die gleiche zärtliche Anmut und führen ebenso an geheime Türen zwischen Realität und Fantasie. Allerdings, und dies ist kein bisschen wertend gemeint, aus dem Blickwinkel einer sichtlich jüngeren Generation.

In schnellen Schnitten, rasanten Kamerafahrten und zu einem schmissigen Popsong beginnt „Your Name“ so rasant wie sein eigener Trailer – nur um im Verlauf der folgenden hundert Minuten mit der gleichen Leidenschaft sogar in die minimalistische Bildsprache des klassischen japanischen Kinos eines Yasujiro Ozu einzutauchen. Und auf der Reise dazwischen streift er Sehnsüchte und Begehrlichkeiten, die als Filmstoffe fast so alt sind wie das Medium selbst – Körper- und Rollentausch, die Überwindung von Zeit und Raum, die magischen Momente des Erwachsenwerdens und schließlich die Todesnähe und die Suche nach Erlösung in der Liebe.

Es beginnt als Coming-of-Age-Film über das bekannte Motiv des Körpertauschs. Ohne lange Erklärung kommt der Filmemacher sofort damit zur Sache, als wolle er möglichst schnell die Konventionen des Genres hinter sich lassen. Daher der schnell geschnittene Vorspann, in dem wir das Mädchen Mitsuha aus dem Städtchen Itomori und den Tokioter Jungen Taki kennenlernen. Die Teenagerin wünscht sich, in einem späteren Leben ein Junge zu sein. Und der Oberschüler stellt eines Morgens erstaunt fest, dass er im Körper des Mädchens aufwacht.

Sie müssen sich an das Wunder erst gewöhnen

Erstaunt betastet er an sich die ihm unbekannten Brüste, was Mitsuhas kleine Schwester schon ein bisschen komisch findet. War es nicht Woody Allen, der einmal sagte, wenn er eine Frau wäre, käme er zu nichts anderem mehr? In Shinkais Film fehlt dieser Szene, die sich noch ein paarmal wiederholen wird, jede Anzüglichkeit. Es ist eine wunderbare Metapher dafür, dass sich auch in einem Fantasyfilm die Menschen an die Wunder, die ihnen passieren, erst einmal gewöhnen müssen.

Diese erste Filmhälfte, in der „Your Name“ seinen eigenen Weg durch das Teenager- und Body-Switch-Kino findet, streift noch ein weiteres Motiv des klassischen japanischen Films, den Kontrast von Stadt und Land.

Ozus Klassiker „Die Reise nach Tokio“ ist ein sichtbares Vorbild im Ausspielen der wechselseitigen Sehnsucht nach moderner Urbanität und urtümlicher Ländlichkeit. In der japanischen Filmgeschichte diente der Stadt-Land-Kontrast der Vermittlung der radikalen modernen Umwälzungen, denen die eigene Kultur im vergangenen Jahrhundert ausgesetzt war. In heutigen Animes fungiert er als Metapher für die Gegenwart des Urtümlichen in der modernen Gesellschaft.

Eine schöne neue Kino-Idee betrifft den Körpertausch. Er ist zeitlich begrenzt und kündigt sich an mit dem Schlafengehen. Beide Teenager hinterlassen einander Hinweise auf Zetteln oder Handys. So kann Mitsuha in Takis Körper diesem helfen,  bei der umworbenen Arbeitskollegin zu punkten. Wenn diese dem eigentlichen Taki wieder begegnet, ist sie erst einmal enttäuscht: Sie vermisst die weibliche Seite, in die sie sich verliebt hat. Umgekehrt hilft Taki dem Mädchen vom Lande, in ihrer Klasse beliebter zu werden.

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