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„Whitney – Can I Be Me“ Wer hat Whitney Houston zum Weinen gebracht?

Sie starb im Alter von 48 Jahren 2012. Jetzt will ein indiskreter Dokumentarfilm die tragische Geschichte des Popstars Whitney Houston enthüllen.

Kinostart - "Whitney - Can I be me"
Whitney Houston vor einem Garderobenspiegel, das Datum der Aufnahme ist nicht bekannt. Foto: (Arsenal Film Verleih)

Es war 1999 beim Konzert in Wien, Whitney Houston hatte ihren Auftritt fehlerfrei hinter sich gebracht, wie man in dieser Phase ihrer Karriere schon betonen muss. Sie geht von der Bühne, erschöpft, aber nicht erlöst. Das Publikum tobt, doch die Frau, der die Begeisterung gilt, ist dem Zusammenbruch nah. Sie tastet sich gekrümmt die Stufen hinab, hockt sich zitternd auf einen Schemel. Gerade eben noch hatte sie „I Will Always Love You“ jubiliert, jetzt gibt sie das Bild einer Greisin ab. Das Make-up verwischt, Tränen rinnen über ihr Gesicht. „Was hat dich zum Weinen gebracht?“, fragt eine Stimme aus dem Off. „Die“, sagt die Sängerin. Es klingt nicht freundlich. Sondern feindlich.

Es ist eine Schlüsselszene in dem Film „Whitney – Can I Be Me“, in dem der britische Regisseur Nick Broomfield mit Unterstützung seines österreichischen Kollegen Rudi Dolezal den Untergang der Popsängerin Whitney Houston dokumentiert, die 2012 im Alter von 48 Jahren in Los Angeles starb. Von Dolezal, der mit Musikvideos für Queen und Falco Furore machte, stammen die Aufnahmen von der 1999er Tour, die für einen Film gedacht waren, der nie verwirklicht wurde. Denn schon damals, lange vor ihrem Tod, zeichnete sich ab, dass die Geschichte einer der erfolgreichsten Sängerinnen der Popgeschichte auf einer Lüge basierte. Der Lüge von dem Ghettokind, das es geschafft hat.

Whitney Houston, groß geworden im Schwarzenviertel von Newark, New Jersey, 1967 Schauplatz von brutalen Rassenunruhen, hat es eben nicht geschafft, jemals dem Ghetto zu entkommen. „Ich weiß, was es heißt, schwarz zu sein“, hat sie einmal gesagt, als sie sich der Vereinnahmung durch eine weiße Gesellschaft noch entgegenstellte. Anders als heute etwa Beyoncé, die ohne ein Idol wie Whitney Houston gar nicht denkbar wäre, konnte sich die große Schwester aller heutigen R’n’B-Sängerinnen in ihrem Leben nicht behaupten.

Davon erzählt dieser Film und er tut das mit zweifelhaften Mitteln. Die tragische und irgendwie ja auch typische Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Popstars ist einem gut vertraut, leider, muss man sagen. Hier ist es also Whitney Houston, es könnte auch Amy Winehouse sein oder Michael Jackson. Die Mechanismen ähneln sich. Fremdbestimmung durch überehrgeizige Eltern, Vermarktung als Produkt, Verlust der persönlichen Bindungen, fatale Beziehungen, Drogen, Tod.

Broomfield möchte in seinem Film zeigen, wie es wirklich war mit Whitney Houston, wie sie zugrunde gegangen ist. Aber will man das wirklich wissen? Muss man die Bilder aus ihrem verdreckten, drogenverseuchten Appartement sehen, um zu begreifen, dass es der Frau schlecht ging? Muss man sich das private Video anschauen, auf dem sie sich mit ihren Ehemann Bobby Brown streitet, weil dieser eine abfällige Bemerkung über ihre gemeinsame Tochter gemacht hat („bekommt ein Doppelkinn“)? Was für einen Erkenntniswert hat ein solches Material?

Der Regisseur hat jede Menge privater, halb privater und offizieller Aufnahmen von Houston gesichtet und aneinander montiert, ohne dass man im Film erfährt, von wem sie unter welchen Umständen angefertigt wurden. Der Dramaturgie der Verfallsgeschichte folgend, begegnet einem die Sängerin zunehmend haltlos, desorientiert, krank.

Diese Indiskretion im Bild wird ergänzt durch Auskünfte von Menschen, die Whitney Houston auf verschiedenste Weise nahe gewesen sein wollen: Und nun sitzen sie im Zeugenstand, der Plattenmanager, der Musiker, der Bodyguard, sitzen da und reden über einen Menschen, den sie auf diese Weise erneut zum Objekt einer medialen Ausbeutung machen. Auch das tote Produkt hat seinen Marktwert. Die Spekulation über eine lesbische Beziehung der Sängerin zu ihrer Jugendfreundin und Tourbegleiterin soll diesen dann noch ein bisschen erhöhen.

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