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Weggefährten über Eichinger Von Wüterich keine Spur

Erinnerungen an einen Tabu-Brecher, Visionär und guten Freund: Die Weggefährten Sönke Wortmann, Bruno Ganz, Hans W. Geißendörfer, Regina Ziegler und Wolfgang Petersen würdigen Bernd Eichinger.

26.01.2011 22:56
Eichinger 2008 bei der Premiere seines Films "Baader Meinhof-Komplex" in Berlin. Foto: Getty Images

Sönke Wortmann: Bernd Eichinger hat den deutschen Film in den vergangenen 30 Jahren geprägt. Ich selbst habe ihn kennen gelernt im Zusammenhang mit meinem Film „Allein unter Frauen“ – den haben wir zusammen in Los Angeles angeschaut, danach hat Eichinger seine Leute in München angerufen und die ein bisschen zusammengefaltet: Warum haben wir den nicht? Ich bekam dann einen Vertrag über drei Filme mit der Constantin und habe immer die Kreativität und das Knowhow dort geschätzt. Eichinger hat sich aber nie in den Vordergrund gedrängt, im Gegenteil – er hat mich als Regisseur immer machen lassen, war vielleicht mal zehn Minuten bei den Dreharbeiten dabei – von Wüterich jedenfalls keine Spur. Bei der Drehbucharbeit und beim Schnitt hat er sich stärker engagiert, und da konnte ich wirklich viel von ihm lernen.

Bruno Ganz: Ich bin sehr traurig. Das Kino wird sich mit diesem Verlust noch sehr lange beschäftigen müssen.

Hans W. Geißendörfer: Bernd Eichinger war mit seiner überaus großen Professionalität und Begeisterung für den Film in Deutschland sicher einmalig. Einen wie ihn wird es nicht mehr geben. Für mich war er darüber hinaus stets ein zuverlässiger Freund.

Dieter Kosslick: Mit Bernd Eichinger haben wir einen visionären Produzenten und leidenschaftlichen Filmliebhaber verloren. Mit seiner geballten Kreativität und Energie hat er die Grenzen des Machbaren jederzeit neu definiert – und so die Filmbranche immer wieder Pragmatismus gelehrt und ihr Erfolge beschert. Sein plötzlicher Tod erfüllt uns mit großer Trauer.

Regina Ziegler, eine der erfolgreichsten deutschen Film- und Fernsehproduzentinnen, würdigt ihren verstorbenen Kollegen als „einen der ganz Großen. Er hat die Doppelrolle des Kinos als Wirtschafts- und Kulturgut zur Grundlage seiner Arbeit gemacht“, sagte sie gestern. „Er hat nie klein gedacht. Einen wie ihn haben wir nicht mehr in Deutschland.“ Für den deutschen Film sei sein Tod ein großer Verlust, Eichinger lasse sich nicht ersetzen.

Wolfgang Petersen war in seinem Auto im kalifornischen Santa Monica unterwegs, als er die Todesnachricht erhielt. „Er war wie ein Bruder, ein Freund und ein Partner für mich, der es mit seiner kreativen Besessenheit unglaublich ernst meinte“, sagt der 69-jährige Regisseur. Eichinger hätte immer „sehr riskant“ gelebt, aber gerade in den letzten Jahren, dank seiner „tollen Ehe“ mit der Journalistin Katja Hofmann, „war er endlich zur Ruhe gekommen“, meint Petersen. Eichinger hatte 1977 Petersens Tabu-Brecher „Die Konsequenz“ über eine homosexuelle Liebe produziert. Es folgte 1984 das Fantasy-Märchen „Die unendliche Geschichte“, damals die teuerste deutsche Filmproduktion. „Vielen Produzenten geht es vor allem um die finanziellen Erfolge, aber Bernd war anders. Sein Antrieb war die kreative Unerbittlichkeit. Wir waren damals zwei Profis, die oft aneinander prallten, viele Kräche hatten und genauso viele tolle Sachen erlebten.“

Aufgezeichnet von Frank Olbert und Daniel Kothenschulte / mit dpa

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