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Venedig Hollywoods liebste Schurken

Zwischen Kinoglanz und Netflix: Zum 75. Mal eröffnet Venedig heute seine Filmfestspiele.

Filmfest Venedig
Der geflügelte Goldene Löwe, Symbol der Festspiele. Foto: dpa

Doch die Frage, die Orson Welles schon 1973 mit diesem Film stellen wollte, „Quo Vadis, Cinema?“ ist heute so aktuell wie nie: Was können wir von einem Festival erwarten, deren größte Stars ein rechtsradikaler Politiker, ein toter Regisseur und – im Regiedebüt von Bradley Cooper – eine Popdiva sind? Lady Gaga trauen wir im Musical „A Star is Born“ allerdings genug Leinwandpräsenz zu, wenigstens die Ehre des alten Hollywood zu verteidigen. Doch man kann nicht darüber hinwegsehen: Das Kino erlebt seine schwerste Krise seit dem Triumphzug des Fernsehens in den frühen 60er Jahren. Und die vielen Tausend Filmfestivals, diese Kinder und Kindeskinder von Venedig, sehen sich vor neue Aufgaben gestellt.

Filmfestivalbesucher bringen einen Vorschuss aus Neugier mit und eine höhere Überraschungsbereitschaft. Der Medienwandel hat auch dazu geführt, dass sich das filmische Gedächtnis verkürzt. Filmklassiker sind im Fernsehprogramm kaum noch zu finden, einstmals weltbekannte Regisseure nur noch den älteren Zuschauerschichten bekannt. Repertoirekinos wie das weltbekannte Kino im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt existieren nur noch in wenigen Städten. Ihre schwindende Popularität hat viele Gründe; zum einen hat sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass Filmkunst im allgemeinen Bildungskanon gleichrangig mit Literatur oder bildender Kunst rangiere. An den deutschen Universitäten fristet Filmgeschichte ein Nischendasein und ist durch die sogenannte Medienwissenschaft ersetzt worden. Filmkenntnis droht wieder dorthin zurückzuziehen, woher sie einmal kam: Ins Liebhabertum. Aber sind die ersten Filmfestivals nicht wegen genau dieser Liebhaberei gegründet worden? Man muss sich immer wieder daran erinnern: Als Graf Volpi 1932 das erste Filmfestival in Venedig gründete, stand die künstlerische Anerkennung des Films noch aus. Es war wie ein erster Schritt auf dem Mond.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Filmfestspiele Venedig

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