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„Tucker & Dale vs. Evil“ Kopfsprung in den Häcksler

Regiedebütant Eli Craig legt eine amüsante Splatter-Parodie vor: eine Parabel auf die Gefahren, die aus dem Zusammentreffen kultureller Missverständnisse und schlechter Kommunikation resultieren können.

Wie sich die Collegestudentin den Kontakt zum Hinterwäldler vorstellt. Foto: Central Film Verleih

Regiedebütant Eli Craig legt eine amüsante Splatter-Parodie vor: eine Parabel auf die Gefahren, die aus dem Zusammentreffen kultureller Missverständnisse und schlechter Kommunikation resultieren können.

Eine Gruppe fideler Collegestudenten fährt übers Wochenende in die Natur und vertreibt sich die Zeit mit Geschichten über den angeblichen Blutdurst der hier lebenden Hinterwäldler. Bei einem Zwischenstopp scheinen sich die schaurigen Vorurteile zu bestätigen: Ein ungewaschener Bärtiger versucht unbeholfen mit einem der Mädchen anzubandeln und schwingt dabei selbstvergessen die Sense über dem Kopf.

Mit weichen Knien und furchtsamen Erinnerungen an Horrorfilmklassiker wie „Hügel der blutigen Augen“ erreicht die Gruppe einen Campingplatz mitten im Nirgendwo. Wie es sich trifft, jährt sich hier gerade ein grausiger Massenmord an Teenagern, was ihre Nachfolger aber auch nicht davon abhält, nackt in den nächstgelegenen Teich zu springen.

Sobald es junge Reisende über den Horizont des touristisch Erschlossenen hinauszieht, nimmt es mit ihnen im Horrorfilm stets ein böses Ende. Das ist auch in „Tucker & Dale vs. Evil“ so, allerdings mit dem Unterschied, dass die städtische Jugend dieses Mal ihrer überhitzen Fantasie und eigenen Ungeschicklichkeit zum Opfer fällt. Als die blonde Allison beim nächtlichen Bad beinahe ertrinkt und von zwei etwas einfältigen, aber herzensguten Urlaubern gerettet wird, sind die übrigen Studenten gleich davon überzeugt, dass die „Inzucht treibenden Hillbillies“ sie verschleppt haben, um sich mit rostigen Nägeln und ähnlichen Marterwerkzeugen an ihr zu vergehen. Beim ersten Versuch die „Entführte“ zu befreien, kommt es dann zu einigen tödlichen Unfällen, u.a. mit einer Häckselmaschine, was die Überlebenden noch in ihrem Irrglauben bestärkt. Die beiden Titelhelden kommen währenddessen zu dem Schluss, sie würden von einer Selbstmordsekte verfolgt.

Parabel auf Gefahren schlechter Kommunikation

Im Grunde ist das Regiedebüt von Eli Craig eine Parabel auf die Gefahren, die aus dem Zusammentreffen kultureller Missverständnisse und schlechter Kommunikation resultieren können. Die Horror-Fangemeinde dürfte jedoch eher interessieren, wie hier Genreklischees gekonnt gegen den Strich gebürstet werden.

Gemeinsam mit seinem Ko-Autor Morgan Jurgenson schüttelt Craig immer neue Gemeinheiten aus dem Ärmel, um die verhängnisvolle Spirale aus irreführendem Augenschein und hartnäckigen Vorurteilen in Schwung zu halten. Jede mögliche Verständigung wird mit einem ebenso dummen wie fatalen Zufall hintertrieben, bis im Finale das Böse doch noch sein Gesicht zeigt.

„Tucker & Dale vs. Evil“ ist auf diversen Spezialfestivals mit Erfolg gelaufen und bekam dort auch schon ein treffendes Etikett verpasst: „Splatstick“, die Kombination aus Slapstick und Splatter. Tatsächlich fließt eine Menge Blut, aber nicht so viel, dass sanfteren Gemütern das Lachen automatisch vergeht. Craig hat eine gute Mischung aus Komik und Horroreffekten gefunden und mit Alan Tudyk und Tyler Labine ein Komikerpaar zusammengebracht, das gerne wiederkommen darf. Die Teenager wirken dagegen ziemlich austauschbar, was zwar zum Genre passt, aber nicht unbedingt in die Parodie hinübergerettet werden musste.

Tucker & Dale vs. Evil, Regie: Eli Craig, Kanada 2010, 88 Minuten.

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