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Tom Cruise „Rock of Ages“ Von wegen - Sex, Drugs und Rock'n Roll

Die tun nur so, als liebten sie Hard Rock im Filmmusical „Rock of Ages“ von Adam Shankman. Sex, Drogen und satanistische Gesten? Fehlanzeige. Hübsch ist einzig und allein Tom Cruise als exzentrischer 80er-Jahre-Rocker mit langen Haaren und knallenger Lederhose.

14.06.2012 08:47
Thomas Klein
Hat viel Spaß: Tom Cruise als Rock-Star Stacee Jaxx. Foto: David James

In „Rock of Ages“ gibt es keine neu komponierten Stücke. Das Filmmusical bedient sich aus einem Repertoire bekannter „Rock Anthems“; die Darsteller singen mal besser, mal schlechter Songs von Journey, Bon Jovi, REO Speedwagon, Foreigner, Starship und Def Leppard. Insofern ist das hier einfach nur eine Art „Mamma Mia!“ mit amerikanischen Stadion-Nummern und Rock-Balladen zum Mitsingen. Vielleicht ist es aber auch Kino-Werbung für die Bühnenversion: Der Regisseur und Choreograf Adam Shankman hat bereits den Musical-Erfolg „Hairspray“ ins Kino gebracht; „Rock of Ages“ könnte seinerseits demnächst in Peking, Köln oder New York City die Großraumhallen bespielen.

Als Film steht das Ganze dem reaktionären „Footloose“-Remake und zahnlosen Teenie-Tanzfilmen wie „Step Up“ deutlich näher als Kinoproduktionen wie „Almost Famous“ oder „This is Spinal Tap“. Rock bedeutete mal Gefahr, Verführung, Aufruhr. Shankman und seine drei Autoren machen daraus trotz aller Koketterie mit den Klischees des Hard Rock einen Kostümfilm vor alter Klang-Tapete für reife Angestellte mit AC/DC-T-Shirt und „Kuschelrock“-Sammler im vorgerückten Alter.

Die Handlung setzt auf Bewährtes

Die Handlung setzt auf Bewährtes: Gegenüber der berüchtigten Rock-Kaschemme Bourbon Club in Los Angeles steigt 1987 die naive Sherrie (Julianne Hough) aus dem Bus, den Koffer voller Rock-LPs und den Kopf voller Träume. Der Koffer wird ihr geklaut, doch die Träume werden schnell wahr. Der nette Barmann und Jung-Musiker Drew (Diego Boneta) gibt ihr einen Job als Kellnerin, und zur Rettung ihres bankrotten Ladens erwarten der Club-Betreiber Dennis (Alec Baldwin) und sein englischer Assistent Lonny (Russell Brand) für ein Benefiz-Konzert bald Sherries Idol: den Rock-Superstar Stacee Jaxx (Tom Cruise). Der ist zwar ein dauerbesoffener Exzentriker mit auf den Unterleib tätowierten Revolvern, geldgierigem Manager (Paul Giamatti) und dressiertem Äffchen, aber irgendwie doch ein guter Kerl. Natürlich gehört etwas Drama ins Rock-Idyll: Drew, der bald auch Sherries Freund ist, wirft alles hin, als er glaubt, Jaxx habe sich Backstage mit der jungen Frau vom Land vergnügt. Anderswo plant die Politikergattin und Sauberfrau Patricia (Catherine Zeta-Jones) auch schon den Abriss des Bourbon Club und das Karriere-Ende des Sex- und-Rock-Gotts Jaxx.

Ein bisschen Guns N' Roses, etwas Motley Crüe

Stacee Jaxx verdankt seinen Look Axl Rose und seinen Namen offenbar dem Mötley-Crüe-Frontmann Nikki Sixx: Der eine veröffentlichte 1987 mit Guns N’Roses „Appetite for Destruction“, eines der erfolgreichsten Rock-Alben aller Zeiten; der andere wäre im gleichen Jahr fast an einer Überdosis Heroin gestorben. Drogen gibt es in „Rock of Ages“ aber nicht. Und auch keinen Sex. Oder Gewalt. Keine satanistischen Gesten, keine Revolte und – abgesehen von Sherries kurzem Abstieg in den von Mary J. Blige betriebenen Strip-Club (verruchte Beleuchtung, bekleidetes Personal) – keine Schwarzen. Stattdessen umso mehr Groschenheftromantik und bemühtes Gekicher.

Dieser Film nimmt nichts ernst

Dieser Film nimmt letztlich nichts ernst, weder das Musikgeschäft noch die Handlungszeit, und auch nicht die Liebe zwischen Dupree und Lonny. Spaß hat und macht hier nur einer: Tom Cruise stürzt sich schmerzfrei und mit dem gleichen komödiantischen Gusto, den er schon in seinem Part als Filmproduzent in „Tropic Thunder“ gezeigt hat, in die Rolle des dauerberauschten Rock-Stars. Das ist hübsch, aber zu wenig, um diesem seltsam sterilen Film Leben einzuhauchen.

Rock of Ages USA 2012. Regie: Adam Shankman, Drehbuch: Justin Theroux, Chris D’Arienzo & Allan Loeb, Kamera: Bojan Bazelli, Schnitt: Emma E. Hickox, Darsteller: Julianne Hough, Diego Boneta, Tom Cruise, Alec Baldwin u. a.; 123 Minuten, Farbe. FSK ab 6.

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