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„The Promise“ Unerfüllte Versprechen

„The Promise“ ist eine tragische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Völkermordes an den Armeniern.

„The Promise“
Tränenumflorter Blick: Charlotte Le Bon in „The Promise“. Foto: Capelight Pictures

Manchmal reicht es, einen Film in einem Satz zusammenzufassen, um sein Dilemma aufzuzeigen: „The Promise“ ist eine tragische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Genozids an den Armeniern. Man kann es auch anders herum versuchen und etwas vorsichtiger formulieren: Regisseur Terry George ruft den Mord an 1,5 Millionen Menschen in Erinnerung, indem er vom emotionalen Zwiespalt eines Mannes zwischen zwei Frauen erzählt, aber viel besser wird die Sache dadurch nicht.

Schon viele Künstler, die sich an Menschheitsverbrechen abarbeiteten, sind dabei schnell an die Grenzen ihrer Kunst gestoßen. Wahrheit und Fiktion sind sich selten grün, weshalb wohl auch so viele Filme über die Shoah ihre Protagonisten in der Wirklichkeit fanden, „Schindlers Liste“ etwa oder „Der Pianist“. Und die wenigsten Filmemacher, die es mit fiktiven Figuren schafften, dieses Themas Herr zu werden, Adrzej Munk („Die Passagierin“) oder László Nemes Jeles („Son of Saul“), setzten ganz auf eine poetische Filmsprache und hüteten sich vor Genrekonventionen.

Denn natürlich gibt es kein Sujet, das sich einer künstlerischen Aufarbeitung grundsätzlich entzöge. Im Gegenteil, man wünscht sich einen großen, wirkungsmächtigen Film über und gegen dieses von der türkischen Regierung geradezu panisch bewachte Tabu. Nur wird alles Triviale dagegen zu schmerzhaften Dimensionen anwachsen. Das ist hier geschehen.

Oscar Isaac spielt einen jungen Apotheker, der sich kurz vor Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg nach Istanbul aufmacht, um Medizin zu studieren. Sein Studium finanziert er mit der Mitgift seiner Verlobten, einer bescheidenen Frau aus dem Dorf, deren Liebenswürdigkeit bei ihm leider nicht automatisch Verliebtheit generiert. 

Das macht ihn freilich in einer Gesellschaft, die arrangierte Ehen zur Norm erhebt, noch nicht zu einem Schuft. Doch wer Charlotte Le Bons Namen auf dem Plakat sieht, ahnt, wohin die emotionale Reise des ehrgeizigen Mannes unweigerlich steuert: Amors Pfeil trifft ihn unerbittlich in Gestalt einer bildschönen, westlich sozialisierten Lehrerin und Künstlerin. Und diese zieht ihn ihrem Freund, einem aufbrausenden amerikanischen Journalisten, augenblicklich vor.

Vorübergehend erwehren sich die beiden noch der Macht der Gefühle, immerhin bricht mit dem Krieg auch das Pogrom aus, dem sich beide Männer beherzt in den Weg stellen.

Wer es gut mit diesem Film meint, rückt ihn in die Gesellschaft seiner offensichtlichen Vorbilder aus der Liebes- oder Abenteuerliteratur, „Doktor Schiwago“ oder „Der Kurier des Zaren“ und ihren schwelgerischen Kinoadaptionen. Und natürlich muss man die Geschichte des armenisch-stämmigen Milliardärs Kirk Kerkorian erzählen, der den Film aus eigener Tasche finanzierte – und kurz vor Fertigstellung 2015 mit 98 Jahren starb. Wie es heißt, war es ihm wegen des Einflusses der Türkei nicht gelungen, einen solchen Film mit dem MGM-Studio zu produzieren, das er 1969 erworben hatte. Vielleicht sieht der Film deshalb so altmodisch aus, ohne freilich je zur Größe eines Klassikers zu finden. Ehrenwert ist auch, dass alle Kinoerlöse an gemeinnützige Stiftungen gehen. Aus einem gut gemeinten Film wird dabei leider noch kein guter.

 

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