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„The Mechanic: Resurrection“ Arthur Bishop kehrt auf die Leinwand zurück

Jason Statham darf in „The Mechanic: Resurrection“ nicht so zuschlagen, wie er eigentlich könnte und müsste. Das ist im Actiongenre allerdings ein Genreproblem.

Jason Statham als Auftragskiller Arthur Bishop und Jessica Alba als Ex-Soldatin Gina. Foto: epd

Rio de Janeiro. Ein herrlicher Ort. Für die Reichen. Für die Schönen. Für die Bösen. Und also auch für Arthur Bishop. Der Auftragskiller hat sich hierhin zurückgezogen. Zur Ruhe gesetzt. Er lebt auf einem ganz ansehnlichen, aber nicht übertrieben großen Boot.

Doch gerade, als Bishop es sich in der holzgemütlichen Kajüte seiner Jacht bequem gemacht und den kiloschweren Plattenteller seiner High-End-Musikanlage zum Drehen gebracht hat – da droht auch schon neues Unheil. Eine asiatische Schönheit taucht auf, atemberaubend und, wie sich alsbald herausstellt, lebensgefährlich. Sie steht in den Diensten eines mächtigen Dunkelmanns und will den Ruheständler davon überzeugen, wieder zu morden. Viel Geld könnte er dabei verdienen.

Der Regisseur Dennis Gansel macht zu Beginn von „The Mechanic: Resurrection“ alles richtig. Er nimmt sich erst einmal Zeit und stellt uns Rio de Janeiro und Arthur Bishop vor. Das wirkt gerade im Vergleich zum Vorgängerfilm „The Mechanic“ (2011) wahre Wunder, erscheint der auch diesmal von Jason Statham gespielte Auftragskiller doch nicht ganz so steif. Vielmehr umgibt ihn ein Hauch brasilianischer Lebensart, eine tänzerische Leichtigkeit, auch eine kultivierte Eleganz, kurzum jene Klasse, die ihn als Mann von Welt auszeichnet: Bishop wird zwar „Mechanic“ genannt, weil er seine Aufträge mit absoluter Präzision ausführt, doch seine Spezialität liegt darin, die Morde wie Unfälle aussehen zu lassen – für ihn ist das Töten eine hohe Kunst.

Bislang war das jedenfalls so. Der berufsmüde, müßiggängerische Bishop trifft sich mit der asiatischen Schönheit (Rhatha Phongam) in einem Edelrestaurant auf dem Zuckerhut, um den Mordauftrag abzulehnen. Weil die Dame aber keine Abfuhr duldet, hat sie nicht nur eine Pistole, sondern gleich noch ein paar Muskelmänner mitgebracht. Damit findet das besinnliche Luxus-Chichi ein jähes Ende, eine ausgedehnte Schlägerei verwüstet das Etablissement. Alsdann hechtet Bishop vom Balkon des Restaurants auf eine zufällig vorbeischwebende Seilbahngondel und von dort auf einen ebenfalls zufällig vorbeifliegenden Gleitschirm. Toller Abgang. Vor allem aber: Jason Statham hat seinem Ruf als härtester Prügler im Hollywood-Mainstreamkino wieder alle Ehre erwiesen.

Die Eröffnung von „The Mechanic: Resurrection“ zeigt anschaulich, was gute Action ausmacht: knochenbrechender Faustschlag und augenzwinkernde Übertreibung. So hätte es gern weitergehen können. Dass Dennis Gansel weiß, wie sich Geschichten spannend und anspruchsvoll erzählen lassen, hat er in Filmen wie „Napola: Elite für den Führer“ (2004), „Die Welle“ (2008) oder „Die vierte Macht“ (2012) bewiesen.

Doch jetzt, im hollywoodesken Actiongenre angekommen, wirkt der Deutsche verloren: Er will seinen Arthur Bishop nämlich unbedingt als moralisch integren, als „sauberen“ Helden erscheinen lassen und verkennt damit, dass Gewalt in diesem Genre nie nur oder zuerst ein Mittel zum Zweck ist, um Gutes oder Böses zu tun, sondern eine ästhetische Größe.

Für einen ausgewiesenen Gewaltdarsteller wie Jason Statham ist Gansels Regie fatal, weil sie sein ganzes Tun einer umständlichen Rechtfertigungsdramaturgie unterwirft: Gewalt darf unter keinen Umständen ein bloß unterhaltsam choreografierter Selbstzweck sein. Das führt dazu, dass Arthur Bishop sich zuerst einmal unsterblich in die blonde Gina verlieben muss, die einerseits hinreichend wehrlos ist, damit er sie als guter Mensch aus den Klauen eines brutalen Frauenschlägers befreien kann, und die andererseits hinreichend wehrhaft ist, damit sie irgendwie zu ihrem Hardboiled-Retter passt. Eine vollkommen beknackte, ja undankbare Rolle für Jessica Alba, in der sie sich den ganzen Film hinweg nicht zurechtfindet: Sie steht da wie bestellt und nicht abgeholt.

Zu allem Überfluss dient dieser Umstand aber nur dem Ziel, sie, die Wehrlose, von Bishops Erzfeind Riah Crain (eindimensional böse: Sam Hazeldine) entführen zu lassen, so dass er, der verliebte Auftragskiller, erpressbar wird und sich daraufhin bereitfindet, drei Männer zu ermorden, die allerdings verabscheuungswürdige Großkriminelle (Kinder- und Waffenhändler) sind und den Tod ebenso verdient haben wie der sinistre Auftraggeber und Entführer, den zur Strecke zu bringen sie, die eben noch wehrlose Blondine, mit einem Mal tatkräftig, nämlich fuß- und faustschlagfertig unterstützt. Ein irrer Plot, an dessen Happy End ein echtes Powerpaar übrig bleibt: Jason Statham und Jessica Alba, der Allesretter und die Wehrhafte. Moralische Überhelden.

Aber gut, warum nicht? Machen andere Filme ja auch so. Und überhaupt: Werden uns nicht allerlei exotisch Drehorte geboten, außer in Brasilien liegen sie in Thailand, Malaysia, Australien und Bulgarien? Zudem dürfen wir uns an Tommy Lee Jones erfreuen, der einen der zu ermordenden Großkriminellen mit wunderbar schurkischer Grandezza spielt. Und nicht zuletzt schauen wir atemlos dabei zu, wie Arthur Bishop einen der spektakulärsten Filmmorde – gewissermaßen ein Badeunfall – der letzten Jahre arrangiert. Das alles ist toll, aber Gansels moralische Hypertrophie hat ihren Preis: „The Mechanic“ hört genau dort auf, ein guter Actionfilm zu sein, wo er statt knochenbrechender, also „schmutziger“ Nahkämpfe bevorzugt „saubere“, da vollkontaktlose Distanzscharmützel zeigt.

Kurzum: Es gibt hier zu viel Bomben-, Pistolen- und Gewehrballerei. Die damit einhergehende Anonymisierung und Distanzierung der tödlichen Gewalt macht den Actionhelden blass und deshalb den Actionfilm öde. Wer zur Zeit einen guten, geradezu perfekten Actionfilm sehen will, muss sich „Jason Bourne“ mit Matt Damon ansehen.

The Mechanic: Resurrection. USA 2016, Regie: Dennis Gansel. 99 Min.

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