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„Star Trek Beyond“ Mit Starkstrom ins Jenseits

In „Star Trek Beyond“ will Captain Kirk Schluss machen mit den Weltraumabenteuerquatsch. Der Retro-Appeal schafft Bezüge zu Bekanntem – für „Star-Trek“-Fans ist das ein schöner Trost.

Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg? Nein, Anton Yelchin (l.) als Chekov und Chris Pine als Kirk im Sternenkrieg. Foto: dpa

Ach ja, ein Raumschiffkommandant hat es auch nicht leicht. Vor allem die Pausen zwischen seinen Weltrettungsaktionen setzen James T. Kirk zu. Gähnende Langeweile, öde Bordroutine. Seine „USS Enterprise“ tuckert planmäßig auf Fünf-Jahres-Mission durchs All. Zwei unendlich lange Jahre ist es nun schon her, dass man einem intergalaktischen Terroristen das Handwerk legte und bei der Gelegenheit auch San Francisco ganz ordentlich verwüstete („Star Trek Into Darkness“, 2013). Müde und genervt schlurft Kirk mit einem Kaffeebecher in der Hand durch die Korridore seines Schiffs. Weibliche Besatzungsmitglieder, für die er längst kein Auge mehr hat, himmeln den Helden der Sternenflotte an wie Groupies. In den Kabinen gibt es viel inniges Techtelmechtel und ebenso heftige Zerwürfnisse …

Die Besatzung privatisiert in Ermangelung eines richtigen Gegners so vor sich hin. Der Weltraum und seine unendliche Weiten – sie wecken keine Entdeckerlust mehr, sondern schlagen alles mit Nichtigkeit. Und werfen den Menschen auf sich selbst zurück. Auch Kirk kommt ins Grübeln: Wie soll er die Bodenhaftung behalten, wenn hier oben sogar die Schwerkraft künstlich ist? Auf eben diese eindeutig weltraumphilosophische Fragestellung will „Star Trek Beyond“ eine triftige Antwort geben. Es wird höchste Zeit, schließlich ist der Film bereits der dritte Teil der 2009 neuaufgelegten, bislang allerdings eher kraft- und saftlos dahindümpelnden „Star-Trek“-Kinoserie. Kurzum, die bedrückende Langeweile an Bord der „Enterprise“ spiegelt nur den Zustand des gesamten Projekts.

Regisseur Justin Lin scheint das Problem also erkannt zu haben. Seine Meriten erwarb sich der Amerikaner durch die Arbeit an einigen Filmfolgen der testosterongesteuerten Benzin-Operette „Fast & Furios“ – schnelle Autos, rasende Männer. Etwas mehr Tempo könnte auch unseren Weltraumhelden nicht schaden.

Dafür muss es allerdings erst zu einem bedeutsamen Einschnitt kommen. Und los geht’s: Der auch dieses Mal wieder von Chris Pine überzeugend gespielte Captain Kirk schlurft also mit seinem Kaffeebecher gen Kommandobrücke. Dort angekommen, fläzt er sich auf seinen Chefsessel. Und verschüttet etwas von der braunen Brühe auf seine Hose. Spätestens jetzt wird ihm klar, dass es so nicht weitergehen kann und er sein Leben ändern muss.

Alsbald kommt eine prächtige Raumstation in Sicht, eine interstellare Mega-City mit einer über viele Ringe sich erstreckenden Skyline aus Wolkenkratzern. Hier lustwandeln die Menschen an Wasserspielen vorbei, tragen Geschäftsleute Anzüge mit Schlips und Kragen. Den Ausstattern ist da ein Metropolis gelungen, das sich lustvoll auch bei Fritz Lang bedient. Allein dieses High-Tech-Konglomerat lohnt schon den ganzen Film. Gravitätisch fährt die Kamera übers futuristische Ornament und feiert mit viel Musik diesen Zufluchtsort des Friedens und der Freude. Toll. Inhaltlich fügt es sich ganz wunderbar, dass Kirk hier zu Hause ist, wie er sagt, und als Sternenflottenadmiral eben hier sesshaft werden will. Schluss mit dem pubertären Weltraumabenteuerquatsch, jetzt soll’s ein Bürojob sein.

Dramaturgisch geschickt hat Lin damit eine hinreichend große Fallhöhe erreicht: Nach der öden Routine im All und Kirks noch öderem Berufswunsch kann es jetzt eigentlich nur besser werden. Ein Hilferuf lässt die „Enterprise“ bald wieder auslaufen. Dabei gerät die Truppe allerdings in einen Hinterhalt: In schieren Massen auftretende, scharfkantige, keilförmige Raumgleiter in Kettensägenformation zersieben den Stolz der Sternenflotte, bis nur noch die Untertasse übrig bleibt. Es kommt zu einer der schönsten Szenen des Films, als der Bordingenieur Montgomery „Scotty“ Scott (Simon Pegg) die Reste des arg lädierten Warp-Antriebs durch das beherzte Zusammenstecken zweier Starkstromkabel aktivieren kann, so dass eine Notlandung auf dem Planeten Altamid möglich wird. Hier, mit festem Boden unter den Füßen, findet der Ausstattungsriesenaufwand von „Star Trek Beyond“ ein vorläufiges Ende. Altamid ist die Basis der außerirdischen Angreifer, ihr Lager erinnert an das pittoreske Setting aus den „Mad Max“-Filmen – mit dem ganz besonderen Low-Budget-Charme.

Scotty freundet sich mit der Alien-Kriegerin Jaylah (bezaubernd: Sofia Boutella) an, die einen teuren Schatz hütet, nämlich ein altes, gut erhaltenes Raumschiff. Damit ist der Weg der Rettung vorgezeichnet, von dem allerdings nur so viel verraten sei, dass außerdem noch der Song „Sabotage“ von den Beastie Boys eine kriegsentscheidende Rolle spielen wird. Dabei können sich die Filmausstatter mit dem Rest ihres aufgesparten Budgets – insgesamt rund 135 Millionen Euro – noch einmal richtig und teuer austoben.

Was „Star Trek Beyond“ dennoch von den meisten Science-Fiction-Blockbustern wie zum Beispiel Roland Emmerichs grausig sinnentleertem „Independence Day: Wiederkehr“ unterscheidet, ist der Verzicht auf schiere Überwältigungsästhetik. Das wirkt mitunter recht altmodisch, wie zum Beispiel die rundliche, an die Frühzeit erinnernde Phaser-Pistole, mit der Spock (Zachary Quinto) gern herumfuchtelt.

Der Retro-Appeal schafft allerdings Bezüge zu Bekanntem. Das macht noch keinen großen Film – für „Star-Trek“-Fans ist er aber ein schöner Trost.

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