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Ruth Leuwerik Eine Dame aus Deutschland

Ruth Leuwerik war der Star in Filmerfolgen der Nachkriegszeit, darunter „Die Trapp-Familie“. Jetzt ist die Schauspielerin im Alter von 91 Jahren in München gestorben.

Die Schauspielerin Ruth Leuwerik ist tot. Foto: dpa

Das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit verdankte seine Entwicklung nicht zuletzt den Frauen. Die Mütter und Töchter, die oft ohne Männer für ihre Familien zu sorgen hatten, bildeten bald einen speziellen Typ heraus, den der „patenten“ Frau. Sie führte das Haus, stand oft auch noch im Berufsleben und bewahrte sich ihre Attraktivität. Im Kino der fünfziger Jahre waren vor allem die burschikose Lieselotte Pulver, die sportliche Sonja Ziemann und die damenhafte Ruth Leuwerik die Gesichter dieses Typs. Wie die wesentlich jüngere Romy Schneider wurde auch Ruth Leuwerik aber eher durch den romantischen Typ zum Leinwandstar, eroberte das Publikum als junge Monarchin, etwa in „Königliche Hoheit“ (1953), „Ludwig II.“ (1954), wo sie ebenfalls die Elisabeth von Österreich spielte. Krone und historisches Kostüm schienen bisweilen Leuweriks Erkennungszeichen zu sein.

Dabei hatte sie ihre Karriere beim Film 1949 als Ersatz und mit einer Komödie begonnen: „Dreizehn unter einem Hut“, und wie sie Eckart Schmidt in einem Filmporträt von 2009 erzählte, hielt man sie zunächst für „nicht fotografierbar“. Aber Dieter Borsche, ihr Partner bei ihrer zweiten Arbeit, verschaffte ihr auch das dritte Engagement, „Vater braucht eine Frau“ (1952), und spätestens mit dem Drama „Ein Herz spielt falsch“ an der Seite von O.W. Fischer  (1953) wurde aus der jungen Theaterschauspielerin, die schon als Schülerin Greta Garbo verehrt hatte, einer der Sterne am Himmel des Kinos der jungen Bundesrepublik.

Ruth Leuwerik, 1924 in Essen geboren, gehörte zu der Generation, die ihre Jugend unter den Bedingungen des Krieges zubringen musste; so wurde die 20-Jährige im letzten Kriegsjahr noch als Fräserin dienstverpflichtet. Vielleicht war sie sich auch deshalb sehr bewusst, welches Glück sie hatte, ihre „Passion“ leben zu können: „Es war für mich immer mehr Traum als Fabrik“, formulierte sie einmal.

Und mit ihren Filmen spiegelte sie zunächst die Sehnsucht des Publikums nach Harmonie, Eheglück und besserem Leben, etwa es als Gutsbesitzersgattin in „Geliebtes Leben“ oder als „Königin Luise“, wieder mit Dieter Borsche. Ihr „einziger Welterfolg, aber nicht meine Lieblingsrolle“, wie sie sagte, war „Die Trapp-Familie“ nach den Lebenserinnerungen der Baronin Maria Augusta von Trapp (1956). Doch für das heimische Publikum war sie noch 1962 laut einer Umfrage des Instituts Allensbach die beliebteste deutsche Schauspielerin, auch weil sie mit ihren Rollen, etwa in „Eine Frau fürs ganze Leben“, inzwischen das Bild der modernen, im Leben stehenden Frau erfüllte.

Zu dieser Zeit aber war ihre glanzvolle Karriere schon fast zuende. Denn Ruth Leuwerik tat, was nur wenige ihrer Branche (übrigens auch ihr Filmpartner O.W. Fischer) schafften: Sie zog sich zurück. „Das Faszinosum war weg“, erklärte sie in Eckart Schmidts Dokumentation, sie habe eine gewisse Müdigkeit verspürt und wollte eine Pause. Aber während sie keine Rollen mehr annahm, veränderte sich das Kino. Im Oberhausener Manifest 1962 wurde Opas Kino für tot erklärt, und Ruth Leuwerik hatte das Gefühl, der Bedarf nach Charakteren, wie sie sie verkörpert hatte, sei nicht mehr vorhanden – sicherlich ein Irrtum, wie auch ihr Glaube, sie hätte „später keinen Fuß mehr auf den Boden gekriegt.“

Denn wie viele der wichtigen Darsteller der fünfziger Jahre wurde auch Ruth Leuwerik irgendwann vom Fernsehen entdeckt und spielte in diversen Krimis wie „Der Kommissar“ und „Derrick“, aber auch in Franz Peter Wirths Neuinszenierung der „Buddenbrooks“. In den achtziger Jahren verabschiedete sie sich dann endgültig aus dem Geschäft. Jetzt ist Ruth Leuwerik im Alter von 91 Jahren in München gestorben.

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