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„Reise in den Herbst“ Deutsche Stimmungen in entscheidenden Zeiten

Der Dokumentarfilm „Reise in den Herbst“ beginnt im Januar in Frankfurt im Zug. Filmemacher Martin Keßler traf Menschen, die ihm sagen: „Das System ist irgendwie kaputt.“

Rheinstrecke
Der Deutschlandreisende im Zug an der Rheinstrecke. Foto: Martin Keßler

Die Reise in den Herbst beginnt im Januar in Frankfurt hinter einem Zugfenster, und ihr vorläufiges Ziel, ihren Gipfel in so mancher Hinsicht, erreicht sie im Juli in Hamburg. Da trifft der Filmemacher Martin Keßler Menschen beim umkämpften G20-Gipfel, die ihm sagen: „Das System ist irgendwie kaputt.“ Und die folgerichtig Fragen aufwerfen: „Was wollen wir stattdessen? Was für Ziele setzen wir uns?“

Der Dokumentarfilm „Reise in den Herbst“, den der 1953 geborene Frankfurter darüber gedreht hat – auch über den Gipfel, aber noch mehr über das System und vor allem über die Menschen in diesem System – wird an zwei Premierentagen zu sehen sein und Gelegenheit zur Diskussion geben: zunächst am 19. September in Frankfurt; dann am 22. September in Berlin, wo FR-Chefredakteurin Bascha Mika mit Keßler über den Film sprechen wird.

„Nach Trumps Amtsantritt lag eine Stimmung in der Luft – der Wille, sich einzumischen“, sagt der Filmemacher. Mit seinem Langzeitprojekt „Neue Wut“ (www.neuewut.de) begleitet er seit Jahren sogenannte Rädelsführer verschiedener Protestwellen. Zu der Reise in den Herbst, die zwar 40 Jahre nach dem „Deutschen Herbst“ stattfindet, aber primär doch in diesen Herbst führen soll, den Herbst der Bundestagswahl 2017, entschließt er sich spontan: als er von Koblenz hört. Da macht er sich auf den Weg.

Der Weg ist kein leichter. Die Reise geht durchaus dahin, wo’s wehtut. Erste Station ist das Treffen der führenden europäischen Rechtspopulisten – in Koblenz, wo sich im Januar Frauke Petry von der AfD und ihre Geschwister im Geiste wie Marine Le Pen (Frankreich) und Geert Wilders (Niederlande) versammeln, flankiert von Protesten ihrer Gegner. Im Film läuft als Hintergrund Donald Trumps Stimme, „America first“, dann Marschmusik. Die Atmosphäre ist dicht und beklemmend. Zwei Tage danach begleitet Keßler die Kanzlerin zum Diözesanempfang nach Würzburg, einen Monat später ist er in Berlin am Breitscheidplatz, wo noch die Kerzen für die Opfer des Terroranschlags auf dem Weihnachtsmarkt brennen. Er interviewt den AfD-Funktionär Andre Poggenburg, der von „Gender-Wahnsinn“ spricht und sagt: „Wir haben einen ganz starken Linksdrall in der Gesellschaft.“ Und er befragt den Historiker Wolfgang Benz, der urteilt: „Der Mensch lernt nicht aus der Geschichte.“

„Ich wollte dicht heran an die Menschen“, sagt Martin Keßler. „Der Film soll die Stimmung beschreiben. Die Frage ist: Wohin treibt das?“ Der Rheinische Kapitalismus scheine nicht mehr haltbar, hat er erfahren, aber die Parteien versuchten eisern, daran festzuhalten, alles in Watte zu packen. Der Effekt: „Es rutscht nach rechts – das hat sich bei G20 in Hamburg massiv manifestiert in diesen 23.000 Polizisten.“ Zugleich solle unter den Bürgern ein Gefühl verankert werden: „Uns geht’s doch gut. Deshalb müssen wir an Angela Merkel festhalten, die sorgt für uns.“ Ein Trugschluss, wie Keßler prophezeit: „Das geht nur auf Kosten von Einschränkungen der Freiheit.“

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