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„Professor Marston & The Wonder Women“ Das Körnchen Weisheit unter dem Kostüm

Das Biopic „Professor Marston & The Wonder Women“ erzählt von den erstaunlichen Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Comic-Kunst.

Professor Marston & The Wonder Women
Dreiecksbeziehung, geglückt: Marston zwischen den Wonder Women Elizabeth Marston (l.) und Olive Byrne. Foto: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/dpa

Moderne Superhelden sind nicht unbedingt für die Ewigkeit erschaffen. Den Staub ihrer Entstehungszeit konnten auch die größten unter ihnen nie ganz abschütteln, was wiederum ihre besondere Patina erklärt: Superman, Batman, Captain America und Wonder Woman sind Zeitgenossen von Depression und Kriegszeit. Die besten der neueren Heldengeschichten spielen mit dieser Historie und lassen das „reale“ Leben der Figuren aufblitzen wie ein Körnchen Weisheit unter dem Kostüm.

Keine Figur war in ihrer Zeit moderner als Wonder Woman, die Erfindung eines Psychologie-Professors, dem man wegen seines unorthodoxen Lebensstils den Lehrauftrag entzog: William Moulton Marston (1893 – 1947), dem dieses Biopic gewidmet ist. Tatsächlich ist diese Lebensgeschichte unglaublich genug, dass man sich nicht wundern würde, wenn sich Marston irgendwann im Verlauf der Handlung in einer Telefonzelle umzöge und als Superheld durch den Himmel jagte.

Regisseurin und Autorin Angela Robinson taucht 1928 in das Leben des Harvard-Professors ein, er ist auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Luke Evans spielt einen brillanten Hochschullehrer, dem höchstens in den Augen konservativer Zeitgenossen das Etikett des „verrückten Professors“ angeheftet werden könnte: Seine Forschung kreist zu diesem Zeitpunkt um die Entwicklung einer für die Popkultur kaum minder bahnbrechenden Erfindung als Wonder Woman, dem Lügendetektor.

Weniger die kriminologische Verwendung als die psychologische Feldforschung motiviert die Entwicklung. Als Sexualforscher interessierte Marston, wie sich das tatsächliche Verhalten seiner Zeitgenossen von dem unterschied, was sie in ihrem Unbewussten wünschten. Eine Veröffentlichung aus dem selben Jahr unter dem Titel „Die Gefühle der normalen Menschen“ begann mit der provozierenden Frage: „Sind Sie normal?“

Als Verfechter feministischer Gedanken war Marston dabei von der Überlegenheit des weiblichen Geschlechts überzeugt. Zugleich entwickelte er eine Theorie zu Dominanz- und Hingabemodellen in der Sexualität, die dem sehr nahe kommt, was heute unter dem Begriff BDSM zusammengefasst wird.

Es gibt also schon in den ersten zwanzig Minuten eine Menge Erzählstoff in einem Film, der es sich in den warmen Farben eines nostalgischen Campus-Films gemütlich macht. Unaufdringlich führt Angela Robinson in die gesellschaftlichen Restriktionen der Epoche ein: Marstons von Rebecca Hall gespielter Ehefrau, ebenfalls einer strahlenden Wissenschaftlerin, verweigert man die akademischen Aufstiegsmöglichkeiten. Als beide sich schließlich in die selbe Frau verlieben, die begabte Studentin Olive Byrne (Bella Heathcote), und ein gemeinsames Leben beginnen, fliegt der Professor von der Hochschule.

Die glückliche Dreiecksbeziehung trübt es nicht. Und als Marston schließlich beginnt, seine Idee weiblicher Omnipotenz in Comic-Geschichten zu verpacken, spielt man die Phantasien gleich im Schlafzimmer nach. Der nächste berufliche Rückschlag steht freilich schon in der Tür: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Sittenwächter an der großen Anzahl von Fesselszenen in den besonders bei kleinen Jungen beliebten Heften Anstoß nehmen.

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