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"Planet der Affen: Revolution" Alter Affe Angst

Auf dem „Planet der Affen“ hat Regisseur Matt Reeves einen haarigen Western gedreht. Die Affendarstellungen sind an Realismus kaum zu übertreffen. Es wäre jedoch absurd, die Erzählung für ihren technischen Fortschritt zu loben.

Mich reitet der Affe, wird sich vielleicht das Pferd denken. Oben: Andy Serkis als Ceasar. Foto: 20th Century Fox/dpa

Von Zeit zu Zeit sieht man die Affen gern. Welche andere Filmserie hat es schon im ersten Anlauf auf fünf Teile gebracht, mitunter gar grammatikalisch so ungelenk betitelt wie „Die Eroberung vom Planet der Affen“ – und dabei doch niemanden enttäuscht? Uns Kinder der späten Siebziger nicht, die in den Jugendvorstellungen der Vorortkinos die Teile in wöchentlichem Wechsel verfolgen konnten – und dabei mit einer gewissen Schadenfreude den geknechteten Menschen zusahen: Immerhin handelte es sich um geknechtete Erwachsene! Und später, als die Filme dann im Fernsehen liefen, schien das Modewort „affengeil“ geradezu für sie erfunden.

Der nach Tim Burtons glücklosem Remake von 2001 bereits dritte neuere Affenfilm führt, man mag es fast bedauern, nur noch im Original die Tradition der ungelenken Titel fort: „Rise of the Planet of the Apes“ heißt bei uns recht rätselhaft „Planet der Affen: Revolution“. Das kann man nur mit der Absicht erklären, dem noch merkwürdigeren Titel des Vorgängerfilms, „Prevolution“, nachträglich Sinn einzuhauchen.

Von einer Revolution, vergleichbar jenem Aufstand, mit dem sich im vorigen Teil die Affen über die Menschen erhoben, kann jedenfalls in der Geschichte keine Rede sein. Abgesehen vielleicht von einer kleinen Palastrevolution unter den Schimpansen selbst.

Deren Anführer Caesar hatte im vorigen Film als Versuchstier ein im Labor gezüchtetes Anti-Demenz-Virus verabreicht bekommen, war dadurch an Intelligenz gereift und hatte es daraufhin großzügig mit seinen Leidensgenossen geteilt. Zehn Jahre später nun hadert sein Artgenosse Koba mit Caesars Macht – zumal er die tolerante Haltung seines Anführers gegenüber den Menschen, die ihn im Labor gequält haben, missbilligt. Viele dieser nackten Zweibeiner gibt es ohnehin nicht mehr: Eine durch das Heilmittel ausgelöste Masseninfektion haben nur wenige Tausend überlebt – und sich in einem ruinösen San Francisco angesiedelt.

Auf der Suche nach einer Energiequelle macht sich eine Abordnung über eine romantisch bewachsene Golden Gate Bridge zu einem desolaten Wasserkraftwerk auf, wo sie auf die sprechenden Affen stößt. Was nun geschieht, folgt den Formeln zahlreicher Pionier- und Kavalleriewestern: Für den von Gary Oldman gespielten Wortführer der Menschen (ob er demokratisch legitimiert ist, bleibt ähnlich unklar wie Caesars Führerrolle bei den Affen) sind Primaten, selbst wenn sie sprechen können, keine Verhandlungspartner. Und für die radikalisierten Affen bleiben die Menschen Diktatoren und Folterknechte, die für ihre Verbrechen an den Tieren längst noch nicht genug gebüßt haben. Wer im Tierreich, so er es denn könnte, würde ihnen widersprechen? Für Alfred Hitchcock reichte jedenfalls zur Organisation dieser „Revolution“ bereits die Schwarmintelligenz der „Vögel“ aus – die Spatzen pfiffen in seinem gleichnamigen Klassiker das Lied vom Ende der menschlichen Überheblichkeit buchstäblich von den Dächern.

Wie armselig und hilflos blicken unsere überlebenden Artgenossen nun auf diese Affen, die es in kurzer Zeit zu einer beachtlichen Zivilisation gebracht haben. Die sich ökologischen und formschönen Wohnraum errichten. Und die auf jene für Menschen so existenziell gewordene Hochtechnologie derart gut und gern verzichten können, dass man sie auch nicht mit einer Glasperlen-App verführen könnte. Doch wenn die menschliche Art gegenüber den Affen schon sonst keine Vorzüge mehr in die Waagschale werfen kann – immerhin ein Waffenarsenal ist den Ruinenbewohnern von San Francisco geblieben. So ist der Kampf mit der behaarten Übermacht wohl unvermeidlich. Der menschliche Oberaffe jedenfalls hält an seinem überkommenen Weltbild fest.

Auch im intelligenzbegabten Primaten sieht er bestenfalls den Untermenschen. So wandelt sich ein schwelender Konflikt zum brutalen Krieg, bei dem man sich kaum zum Helden aufschwingen kann, dafür aber leicht zum Affen machen.

Noch immer klagt der amerikanische Kino-Mainstream über seine Blockbuster-Krise, was vielleicht die Euphorie erklärt, mit der das Gros der dortigen Filmkritik „Cloverfield“-Regisseur Matt Reeves für seinen Affenfilm feiert, als habe er gerade das Genrekino neu erfunden. Und wieder einmal wird dabei die technische Entwicklung gefeiert. Keine Frage, die durch „motion capturing“ generierten Affendarstellungen sind an Realismus kaum zu übertreffen, und Andy Serkis’ digital veredelte Verkörperung des Caesar ist beachtlich. Andererseits lag ja gerade die besondere Poesie des alten „Planet der Affen“ darin, eine Schauspielerin wie Kim Hunter ihre vielleicht beste Filmrolle mit Affenmaske spielen zu sehen.

Natürlich kann man in der einfachen Erzählung von Reeves’ Film eine Wiedergeburt Shakespeare’scher Königsdramen sehen. Aber dann wäre etwas Theaterzauber ja besonders angemessen. Nein, ganz im Gegenteil: Es ist geradezu absurd, diese durchaus anrührende Erzählung von der Relativität menschlichen Fortschrittsglaubens gerade für ihren technischen Fortschritt zu loben. Man fühlt sich an Greta Garbos Kritik an Jean Cocteaus Film „Es war einmal“ erinnert, dieser ultimativen Annäherungsgeschichte zwischen Mensch und Tier. Verliebt in das schwere Make-up des Schauspielers Jean Marais wollte sie ihn gar nicht mehr als Menschen sehen. „Monsieur Cocteau, geben Sie mir mein Biest zurück!“

Planet der Affen: Revolution. USA 2014. Regie: Matt Reeves. 130 Min.

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