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Pixar Helden im Haushalt

„Die Unglaublichen 2“: Brad Bird erzählt einen der schönsten Pixar-Filme weiter. Es ist schwer, sich von diesem Film nicht hypnotisieren zu lassen.

Kinostart - "Die Unglaublichen 2"
Auch das ist unglaublich. Foto: Pixar/Disney Pictures/dpa

Vierzehn lange Jahre sind vergangen, seit „The Incredibles“, damals der fünfte Pixar-Film, dem Superhelden-Genre mit den Mitteln eines liebevoll-chaotischen Familienfilms auf den Zahn fühlte. Eine Menge hat sich in der Zwischenzeit im Umfeld ereignet, und vielleicht wäre es eine gute Idee für einen Vorspann, die wichtigsten Geschehnisse im Zeitraffer zusammenzufassen: Disney kaufte sowohl Marvels Comichelden auf als auch das George-Lucas-Universum.

Tatsächlich scheinen die Superhelden-Blockbuster das verlässlichste Mittel, das große Kinopublikum für ein paar Stunden von den Streaming-Diensten fernzuhalten. Pixar- und Disney-Animation-Chef John Lasseter, der kreative Kopf hinter einigen der erfolgreichsten Filme dieser Zeit, wurde nach Vorwürfen sexueller Belästigung erst in eine Auszeit und dann in den Ruhestand geschickt. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie dieser stets hyperaktive Filmemacher, dessen Name groß im Vorspann von „The Incredibles“ steht, nun seine Zeit verbringt. Wird er sich fühlen wie Mr. Incredible, der zu Beginn dieses neuen Films zwanghaft versucht, mit seiner Familie ein normales Leben zu führen?

Familie Parr ist nach einem unglücklichen Versuch, die Stadt von einem anthropomorphen Maulwurf namens „Tunnelgräber“ zu befreien, zur Untätigkeit verurteilt. Die immensen Zerstörungen des Einsatzes veranlassen die Regierung, ihr „Superhero Relocation Program“ einzustellen, nun ist es auch mit der finanziellen Unterstützung vorbei. Noch dazu muss Geheimagent Rick Dicker, der sich um die heroische Familie kümmert, ins Liebesleben von Tochter Violet eingreifen. Ihr Freund Tony hat die Identität der Helden gelüftet, nun wird er „geblitzdingst“, wie das Löschen von Erinnerungen in den „Men in Black“-Filmen hieß. Was für eine Katastrophe für eine Teenie-Liebesgeschichte.

Aber es gibt auch erfreuliche Nachrichten: Ein Milliardär möchte die Familie für seine Kampagne zur Legalisierung von Superhelden einspannen und sieht vor allem Frauen-Power gefragt: Helen Parr, auch bekannt als Elastigirl, besorgt das Heldengeschäft fortan souverän allein, während sich Mr. Incredible um den Haushalt kümmert. Es geht einfach weniger kaputt bei ihr. Zugleich zeigt Baby-Söhnchen Jack-Jack erste Superhelden-Qualitäten, weshalb er einen schicken Anzug geschneidert bekommt von Edna Mode, einer der liebenswertesten Figuren des Vorgängerfilms. Gleich zwei großen weiblichen Filmschaffenden des zwanzigsten Jahrhunderts setzte Brad Bird in dieser Figur ein Denkmal: Edith Head, der bedeutendsten Kostümbildnerin des klassischen Hollywood. Und Mary Blair, der wichtigsten Farb-Designerin der klassischen Disneyfilme der 40er und 50er Jahre.

Brad Bird gehört zu den Bewunderern dieser Zeit, als Hollywoods Cartoon-Industrie plötzlich den Modernismus entdeckte. Schon sein erster Langfilm, „Der Gigant aus dem All“ nach der Vorlage von Ted Hughes, sah aus, als hätte er schon damals gemacht sein können. Ebenso wichtig wie dieses Design-Vorbild aber ist für Bird die Erinnerung an eine Zeit, als der Trickfilm dezidiert auch Erwachsenenunterhaltung war.

„Ich habe in meiner ganzen bisherigen Karriere versucht, verlorene Zuschauerschichten zu erreichen“, sagte er uns seinerzeit im FR-Gespräch. „Als wir die Simpsons machten, sagten alle: Wer sieht sich denn so was an? Eine lustige Trickfilmserie für Erwachsene. Ich sagte: Ich würde das gerne sehen, ist denn da sonst niemand? Ich wollte immer, dass Trickfilm als Bühne für die Gesamtheit des Kinos gesehen wird, nicht nur als Kinderunterhaltung.“

Diese weitsichtige Haltung gegenüber dem Medium ist in „The Incredibles“ zurück, und es ist wunderbar zu sehen, wie viel Zeit sich Bird nimmt, bis seine Heldenfamilie vorsichtig erwacht und zuerst heimlich, dann immer souveräner ihr niemals ganz perfektes Werk verrichtet.

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