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„Paris kann warten“ Slow-Food-Wochenende in Südfrankreich

Das Spielfilmdebüt von Eleanor Coppola, „Paris kann warten“, ist eine Genusstour durch die Provence, die Appetit macht. Diane Lane und Arnaud Viard probieren sich von Restaurant zu Restaurant.

Kinostart - "Paris kann warten"
Paris kann warten: Diane Lane und Arnaud Viard lassen sich geradezu genussvoll auf den gemächlichen Rhythmus des Geschehens ein. Foto: Tobis Film

Was hätte sie wohl alles verpasst, wäre sie in Cannes in ein Flugzeug gestiegen, um nach Paris durchzustarten? Doch weil Anne, die Frau eines vielbeschäftigten Filmproduzenten, an einer Ohrenentzündung leidet, verzichtet sie lieber auf den Flug und wird von einem Geschäftspartner im Auto chauffiert. Dieser Jacques erweist sich als waschechter Franzose, also als Gourmet und Frauenheld, und so geraten die beiden auf lauter Umwege durch die besten Restaurants der Provence.

Eleanor Coppola ist die Frau von Francis Ford Coppola und die Mutter von Sofia Coppola und deren beiden Geschwistern. Sie ist mittlerweile 81 Jahre alt und verbringt ihre Tage meist auf dem familieneigenen Weingut im kalifornischen Nappa Valley. Dem kundigen Filmpublikum ist sie keine Unbekannte, auch wenn sie ihr eigenes cineastisches Schaffen stets in den Dienst der Angehörigen stellte – einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen bot etwa ihr Dokumentarfilm „Hearts of Darkness: A Filmmaker’s Apocalypse“. Zu „Marie Antoinette“, dem Historiendrama ihrer Tochter, hat sie ein Making-of erstellt.

Nun aber legt sie mit „Paris kann warten“ in vorgerücktem Alter einen Spielfilm vor, ein französisches Roadmovie obendrein, das nicht frei von biografischer Färbung zu sein scheint. Es ist ein Alterswerk in mehrfacher Hinsicht – sagenhaft gelassen, voll zärtlicher Ironie und voller Hingabe für die südfranzösische Pracht, ob diese in landschaftlichen oder kulinarischen Reizen besteht. Den erotischen Avancen ihres Reisebegleiters begegnet Anne unterdessen eher mit höflicher Distanz.

Es geschieht nicht viel in diesem Film, ja, um die Wahrheit zu sagen, kurven Anne und Laurent im Tempo eines Slow-Food-Schlemmerwochenendes von Restaurant zu Restaurant. Für ein wenig dramatische Erregung sorgt höchstens die Frage, ob sie wirklich alles zurückbekommt, was er mit ihrer Kreditkarte bezahlt – weil er, auch das typisch Franzose, kein Bargeld dabei hat. Klischees, Stereotypen, rückhaltlose Begeisterung einer Amerikanerin in Frankreich? Mit Sicherheit, doch wenn selbst Gott es dort aushält, wieso sollte es sich Eleanor Coppola nicht einmal gutgehen lassen?

Alec Baldwin ist der Alter Ego von Francis Ford Coppola

Während Alec Baldwin als leicht hektisches Alter Ego Francis Ford Coppolas schnell auf dem Weg nach Prag und damit aus dem Spiel ist, lassen sich Diane Lane und Arnaud Viard geradezu genussvoll auf den gemächlichen Rhythmus des Geschehens ein. Selbst eine Autopanne dient dem Lustgewinn, und wer sich für eine eigene Frankreichreise inspirieren lassen will, findet bei Eleanor Coppola reichlich Appetithappen in jeglicher Hinsicht. Man merkt „Paris kann warten“ an, dass sie sich mit diesem Film einen lang gehegten Wunsch erfüllt hat – und dass es ihr eine Freude war, ihn in die Tat umzusetzen. Da wäre es einfach ungezogen herumzumeckern. Wir freuen uns und genießen mit.

 

 

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