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Panorama Schwul in Bielefeld

„Detlef“ entführt den Zuschauer in die 70er Jahre - genauer in die Sturm-und-Drang-Zeit der schwulen Emanzipationsbewegung. Der Film dokumentiert das Leben und Schaffen des heute 60-jährigen Aktivisten Detlef Stoffel. Eine nachdenkliche und oft nüchtern-lakonische Filmbilanz.

14.02.2012 19:43
Elmar Kraushaar
Früher war mehr Gesang: In ihrer Dokumentation „Detlef“ blicken Stefan Westerwelle und Jan Rothstein auch zurück auf schwulen-bewegtere Tage. Foto: Berlinale

Fast schon intim genau rücken die beiden Filmemacher Stefan Westerwelle und Jan Rothstein ihrem Helden auf die Pelle: Detlef Stoffel ist gerade 60 geworden und lebt, wie schon sein ganzes Leben, in Bielefeld. Unter einem Dach mit seiner 91-jährigen Mutter. Die muss er betreuen, für die muss er da sein, weil eine Schwuchtel wie er ja nicht für die Fortpflanzung gesorgt habe, wie einer seiner Brüder meint. Stoffels Tagesablauf ist vorgegeben vom Leben seiner Mutter, das bisschen freie Zeit dazwischen geht drauf für Facebook und das schwule Datingportal Gay Romeo, für Massagen und Lichttherapie, für Sex mit einem Unbekannten, für die Angst ums Augenlicht und für die Depression. „Ich weiß partout nicht, was ich machen soll“, sagt er einmal, „hier, gefangen in Bielefeld“.

Dabei hat es 1972 für ihn so gut angefangen in der WG in der Bielefelder Gerichtstraße. Stoffel gründete, kaum schwul geworden, eine Emanzipationsgruppe und widmete sich die nächsten Jahre ganz dem Kampf der Schwulen um ein anderes, ein neues Leben. Er wurde der Boss, organisierte Aktionen und Diskussionen, drehte einen viel beachteten Film über die Kontinuität des Paragrafen 175, erlebte 1980 das Ende der radikalen Schwulenbewegung in der Bonner Beethovenhalle, und steckte schließlich all seine Macher-Energie in den Aufbau eines kleinen Imperiums für den Verkauf und Vertrieb von Bio-Lebensmitteln. Von alledem erzählen die jungen Filmemacher erstaunlich kompetent mit dem stimmig dosierten Einsatz von Dokumentarmaterial und Zeitzeugenaussagen.

„Gegengelesen mit dem Film Unter Männern“, heißt es in der Programmankündigung zu Detlef, „ergibt sich das Bild zweier Schwulenbewegungen zur selben Zeit: Westdeutschlands und der DDR“. Das stimmt nur bedingt. Detlef Stoffels Werdegang war so nur in dieser Zeit möglich in Westdeutschland, seine bittere Bilanz aber macht daraus wieder eine Geschichte, die stimmt für hüben wie drüben.

Detlef 15.2.: 22.30 Uhr, CineStar 7; 16.2.: 17.30 Uhr, Cubix 7.

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