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Oscar-Vorschau Das Schwarze bleibt im Schrank

Am Sonntag wird Hollywood die Oscars verleihen und dabei nicht nur über #MeToo reden wollen. Eine Voraussage.

Frances McDormand
Frances McDormand bei der „Billboards“-Premiere. Foto: afp

Kein Zweifel, auch die Oscar-Verleihung wird im Zeichen der #MeToo-Debatte stehen, aber es sähe der Akademie nicht ähnlich, ihrer einzigen Konkurrenz, den Ausrichtern der Golden Globes, irgendetwas nachzumachen: Dort trugen die meisten Gäste schwarz, wie es sich die Time’s-Up-Bewegung gewünscht hatte. Beerdigungs-Garderobe passt jedoch nicht zu dieser spektakulären Modenschau, die die Oscars ja nun einmal auch sind. Und erst recht nicht zu einem 90. Geburtstag. 

Man wird also einen anderen Weg finden müssen, die Quadratur des Kreises zu vollziehen, die da heißt: Aus der Anerkennung des Leids der Opfer heraus mit einem Hollywoodlächeln in die Zukunft zu blicken. Einige der Oscar-Präsentatorinnen, die auch bei Time’s Up aktiv sind, werden schon passende Worte dafür finden: Nicole Kidman, Ashley Judd oder Laura Dern. Der größte Schurke scheint ja nun endgültig zu Fall gebracht: Vor wenigen Tagen kündigte die Weinstein Company ihren Konkurs an, nachdem ein geplanter Verkauf gescheitert war. Offenbar glaubt niemand in der amerikanischen Filmwirtschaft noch an ein Comeback des Produzenten-Scheusals, dessen Filme in der Vergangenheit so viele Oscars eingefahren haben. Eine Verbindung, die diesen Geburtstag trüben dürfte.

Die schönste Antwort auf #MeToo und Time’s Up wäre wohl, Frauen und Angehörige von Minderheiten unter den Kandidaten für ihre erstklassige Arbeit zu ehren, allen voran Greta Gerwigs weibliche Selbstfindungsgeschichte „Lady Bird“ und den Rassismus-kritischen Horrorfilm „Get Out“. Wer wollte, könnte mit Rachel Morrison auch zum ersten Mal eine weibliche Kamerafrau auszeichnen (für „Mudbound“) oder – nach dem Ehrenoscar im letzten Jahr – der Grande Dame der Nouvelle Vague, Agnès Varda, den Dokumentarfilmpreis bescheren (für den hinreißenden Reise- und Kunstfilm „Facing Places“). Den hätte die große Regisseurin mehr als verdient. 

Doch wahrscheinlich ist das alles nicht. Dafür sind die Favoriten in den jeweiligen Kategorien zu mächtig, allen voran Guillermo del Toros „The Shape of Water“ als „bester Film“. Ein Sieg für Gerwigs „Lady Bird“ wäre eine schöne Überraschung. Doch wie selten haben in der Vergangenheit kleine Independentproduktionen den Oscar für den „besten Film“ gewonnen? Und dann wäre da ja auch noch Christopher Nolans anspruchsvoller Kriegsfilm „Dunkirk“, der aber möglicherweise allenfalls für seinen Ton prämiert werden wird. Der Deutsche Hans Zimmer schrieb eine erstklassige Filmmusik, wird aber wohl gegen seinen französischen Kollegen Alexandre Desplat das Nachsehen haben, der etliche der Tränen hervorgekitzelt haben dürfte, die für „Shape of Water“ geflossen sind.

Neben diesem Monster-Melodram dürfte „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ mehrere Preise gewinnen: Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin gilt als gesetzt, ihr Filmpartner Sam Rockwell hat ebenfalls sehr gute Chancen (wenn er denn den liebenswerten Willem Dafoe ausstechen kann, der im Außenseiterfilm „The Florida Project“ einen Hausmeister verkörpert). 

Nicht nur Patrioten werden zwischendurch den deutschen Animatoren Jakob Schuh und Jan Lachauer die Daumen drücken. Zu Silvester wunderten wir uns an dieser Stelle, dass das ZDF ihre meisterhafte Lyrik-Adaption „Es war einmal… nach Roald Dahl“ auf dem Kinderkanal versteckte. Jetzt ist sie für einen Oscar nominiert, fast wie im Märchen. 

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