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Oscar-Verleihung Politisches Pathos aus Hollywood

Kämpferisch, pathetisch und im Zeichen von #metoo. Die Gala zu den 90. Oscars gibt sich politischer als die meisten nominierten Filme.

Academy Awards
Sam Rockwell (bester Nebendarsteller), Frances McDormand (beste Darstellerin), Allison Janney (beste Nebendarstellerin), Gary Oldman (bester Darsteller, v. l. n. r.). Foto: afp

Vergangene Woche überraschte eine wissenschaftliche Studie mit dem Ergebnis, attraktive Menschen neigten eher zu einer konservativen Gesinnung. In Hollywood, einem Fleckchen Erde, das nicht unbedingt für Komplexe in Bezug aufs Äußere bekannt ist, mag man darüber noch herzlicher gelacht haben als anderswo. Nahezu jede Moderation und jede Preisrede bei der 90. Oscar-Verleihung ging auf Distanz zur Rechten und verteidigte Werte, die im Gegensatz zur Trump-Administration stehen. Mehrere Gewinner outeten sich als „Dreamer“, in den USA geborene Kinder von Einwanderern, eine Bevölkerungsgruppe, deren Bleiberecht der Präsident mit dem Bau eines Grenzzauns zu Mexiko verknüpfen will. 

Der strahlende Sieger des Abends, der aus Mexiko stammende „Shape-of-Water“-Regisseur Guillermo del Toro, beschrieb seine künstlerische Identität ohne jeden Patriotismus. „In den letzten 25 Jahren lebe ich in einem Land, das überall ist. Denn das Großartigste, das unsere Industrie erreicht, ist, die Linien im Sand auszuradieren.“

Das brennendste Thema das Abends war freilich die #MeToo-Debatte. Niemand hatte erwartet, dass noch einmal wie bei den Golden Globes ein Statement über die Farbe der Kleidung gesetzt werden würde. Im Gegenteil waren manche der Roben geradezu exzentrisch, allen voran Nicole Kidmans mit einer riesigen Schleife verziertes, blaues Armani-Kleid. 

Zum Small-Talk mit Journalisten aber war den wenigsten der Stars am roten Teppich zumute, offensichtlich wollten sie die ausgeklügelte politische Dramaturgie des Abends nicht durcheinander bringen.

Jimmy Kimmel lobt die geschlechtslose Oscar-Statue

In seiner Eröffnungsmoderation, traditionell ein Stand-up-Comedy-Act, lobte Moderator Jimmy Kimmel die Oscar-Statue als den perfekten Geschlechtsgenossen. „Er behält seine Hände, wo man sie sehen kann, sagt nichts Anstößiges und vor allem: Er hat keinen Penis.“ Kein Wunder, fügte Kimmel mit Blick auf den Favoriten „Shape of Water“ hinzu, dass sich Frauen heutzutage lieber mit Fischen verabredeten. 

Der vorsichtige Tabubruch, über ein so ernstes Thema Witze zu machen, gipfelte in der Erwartung, dass es mit dem sexuellen Missbrauch in der Filmbranche nun bald vorbei sei. „Frauen werden es nur noch überall sonst damit zu tun bekommen, wohin sie auch gehen.“ Da blieb einem dann doch das Lachen im Halse stecken. 

Erst im letzten Drittel der Show kehrte das Thema in angemessener Eindringlichkeit zurück. Neben einem Einspielfilm zur #Time’s-up-Protestbewegung traten die Weinstein-Anklägerinnen Ashley Judd, Annabella Sciorra und Salma Hayek auf die Bühne. Über Hollywoods Zukunft erklärte Judd optimistisch: „Wir werden sicherstellen, dass die nächsten 90 Jahre im Zeichen der unbegrenzten Möglichkeiten von Gleichberechtigung, Vielfalt, Inklusion und Intersektionalität stehen werden.“ 

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