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Neu im Kino: „The Comedian“ De Niro kann humorlose Komödie nicht retten

Bedauernswert: Robert De Niro und andere Altstars sorgen bestenfalls für halblustige Momente in Taylor Hackfords Komödie „The Comedian“.

Szene aus "The Comedian"
Nur traurig: Robert De Niro (li.) als Jackie und Danny DeVito als Jimmy Berkowitz in einer Szene des Films „The Comedian“. Foto: Alison Cohen Rosa (Warner)

Lange vor allen Debatten über die sogenannte „politische Korrektheit“ war die Impertinenz eine Säule der amerikanischen Komik. W.C. Fields, der große Komiker der 20er und 30er Jahre, setzte sich genüsslich über den Konsens der Anständigen hinweg, indem er sich etwa als Hasser von Kindern und Hunden bezeichnete.

Andere wie der populäre Radiomoderator Howard Stern reizten die Schamgrenzen später noch weiter aus. Doch die Humanität  blieb wenigstens für die Großen dieses Fachs selbst dann unantastbar, wenn sie sich auf das Glatteis wagten.

Stand-Up-Komiker mit schlechten Witzen

In „The Comedian“ spielt Robert De Niro einen solchen, auf schlechten Geschmack spezialisierten Stand-Up-Komiker, der mehr schlecht als recht vom Ruhm vergangener Zeiten lebt. Die Sitcom, die ihn berühmt machte, ist seit langem abgesetzt, nun tritt der Mann für ein Butterbrot in billigen Clubs auf, wo man seine Witze nicht versteht. Nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit einem Youtuber wird er zu einem Monat Knast und anschließenden Sozialstunden verurteilt. Wundern wir uns nicht: Die Delinquenten und sozial Ausgegrenzten, denen er dort begegnet, können wesentlich besser über jene Witze lachen, in denen sie selbst vorkommen. Nur den Scheinheiligen ist der Comedian weiterhin ein Dorn im Auge.

Wirklichen Seelentrost findet er überraschenderweise bei einer attraktiven Frau (Leslie Mann), die ebenfalls Sozialstunden leistet. Was diese Beziehung allerdings emotional und inhaltlich auszeichnet und dabei einen Altersunterschied von drei Jahrzehnten überbrücken lässt, bleibt unerklärt. Bevor es die beiden Figuren selbst ergründen könnten, unterwirft sie das Drehbuch einer – wenn auch nur vorübergehenden – Trennungsphase. Der Grund dafür, im letzten Akt nachgeliefert, kann noch weniger überzeugen, alle Fragen bleiben offen. Aber die romantische Seite scheint Altmeister Taylor Hackford wenig zu interessieren, vielleicht weil er seinen größten Erfolg einmal mit einer Romanze hatte („Ein Offizier und Gentlemen“).

Film floppte in den US-Kinos

Das verbindet ihn mit seiner Filmfigur, die von vergangenem TV-Ruhm auch nichts mehr wissen will – und schließlich mit dem viralen Ruhm der digitalen Jugend überschüttet wird. Fast hat man das Gefühl, dieser Film, an dem fünf Autoren werkelten, habe einige wüste Veränderungen durchgemacht, bevor er 2016 in den USA an den Kassen floppte.

Es ist eine klare Linie, die Altmeister Taylor Hackford zwischen den Humorvollen und den Humorlosen zieht, und es wäre einfacher, ihm dabei zu folgen, wenn die Witze etwas besser wären. Die größte Gruppe davon ist fäkaler Natur, vorzugsweise erprobt an Insassen von Altenheimen oder einer greisen Kollegin, die einen Ehrenpreis nicht mehr bekommt, weil sie vor Lachen stirbt.

Das können wir von uns nicht behaupten. Die amerikanische Kritik bedauerte Robert De Niro für diesen zweiten Missgriff nach „Dirty Grandpa“. Wirkliches Mitgefühl aber weckt eine ganze Riege von Altstars in unwürdigen Nebenrollen, darunter Danny DeVito (72), Lois Smith (86) und Cloris Leachman (91). Nichtlachen ist manchmal doch die humorvollere Entscheidung.

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