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Neu im Kino: Robert Frank Er gibt uns einen Wink

„Don't Blink“: Laura Israel stiehlt dem scheuen Künstler Robert Frank wenigstens ein paar erhellende Momente.

Für Dokumentarfilmerin Laura Israel grüßt Robert Frank immerhin von fern. Foto: Grandfilm

Robert Frank, der große schweizerisch-amerikanische Fotograf, gilt nicht unbedingt als besonders einfacher Interviewpartner. Als ihn in den 80er Jahren ein Fernsehreporter fragte, ob er im filmischen Medium bessere Ausdrucksmöglichkeiten entdeckt habe als im Standbild, blaffte er zurück: „Es ist immer derselbe Refrain. Alle fragen nur dasselbe. Warum ist das überhaupt so wichtig, die Antwort darauf zu kennen?“

Tatsächlich konnte man sich in der Fotografiewelt damals wohl kaum eine so brennende Frage vorstellen, wie jene, warum der berühmteste Kamerakünstler seiner Zeit dem eigenen Erfolg, den Bildmagazinen, die ihn umwarben, plötzlich und radikal den Rücken kehrte. Noch heute gilt sein 1958 erschienener Bildband „The Americans“ vielen als das einflussreichste Fotobuch der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Was immer an sozialen Konflikten noch ausbrechen sollte, welche Wünsche noch auf Erfüllung drängten und welche Not und Ungerechtigkeit die Amerikaner bis heute von der Einlösung ihres Freiheitstraums abhält – all das steckte bereits in dieser frühen, reichen Kamera-Ausbeute.

Neun Monate, in denen Frank durch 30 Staaten gefahren und mehr als 30 000 Mal auf den Auslöser gedrückt hatte, schrieben nicht nur Fotografie-Geschichte. Auch das Road-Movie hatte Robert Frank nebenbei erfunden, ohne ihn hätte es wohl nie einen Wim-Wenders-Film gegeben. Kein Wunder, dass sich nicht nur der von Frank brüskierte Fernsehreporter fragte, warum dieser sich noch selbst unter die vielen Experimental- und Dokumentarfilmer mischen musste, die sich doch in seinen Fußstapfen auf den Weg gemacht hatten.

Nun, dreißig Jahre später, beantwortet sich die Frage plötzlich von selbst. Im Dokumentarfilm „Don’t Blink“ steht er vor der Leinwand seines eigenen Films „About Me: A Musical“ (1971) und bemerkt: „Es ist schön, wie Filme überleben nach so vielen Jahren, sie bewegen sich, sie leben. Nicht so wie ein Foto, das man in eine Schublade legt und ab und zu wieder hervorholt.“
Die Dokumentarfilmerin Laura Israel hat einen Weg zu Robert Frank gefunden, der es ihr zumindest ermöglicht, nicht gleich davongejagt zu werden. Im Gegenzug erspart sie Frank den alten Refrain von dem einen Medium gegen das andere. Der bedeutende Kameramann und Frank-Fan Ed Lachman tritt dabei nicht nur hinter dem Objektiv in Aktion. Mit kollegialem Interesse blättert er mit ihm durch fotografische Meisterwerke, die ihrem Schöpfer kaum eine Sekunde Aufmerksamkeit wert sind. Etwas tiefer schaut man in das filmische Werk hinein, und begreift auch ohne lange Erklärungen, welche zusätzliche Nähe dieses Medium für Frank bereit hielt. Sein Rolling-Stones-Cover „Exile on Mainstreet“, für das er Super-8-Filmbilder abzog, ist ein gutes Beispiel. Der von der Band bis heute geheim gehaltene Film „Cocksucker Blues“ ein anderes. Auch in der kürzlich im Steidl-Verlag erschienenen, mustergültigen 8-DVD-Werkausgabe „Film Works“ fehlt dieses Meisterwerk.

Das eigentliche Road-Movie offenbaren freilich seine späten Tagebuchfilme wie „The Present“ (1995). Ihr Ziel ist das künstlerische Weiterleben eines Mannes in der Depression, die der Tod zweier seiner Kinder hinterließ.
 
Don’t Blink – Robert Frank.
Dokumentarfilm, USA/CN/F 2015.
Regie: Laura Israel, 82 Min.

Robert Frank: Film Works.
8 DVDs und Buch in Kassette. Steidl-Verlag ,
Göttingen 2016. 150 Euro.

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