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Neu im Kino: „Plötzlich Papa“ Nicht ohne meine Tochter

Der französische Star Omar Sy spielt in der ziemlich schlechten Wohlfühl-Schnulze „Plötzlich Papa“. Bleibt abzuwarten, ob das Produkt das erhoffte Publikum erreicht.

Omar Sy als Samuel in einer Szene des Films „Plötzlich Papa“. Foto: dpa

Das französische Wohlfühlkino funktioniert wie eine Maschine. Hochsubventioniert, dabei auf den kommerziellen Mainstream ausgerichtet, erinnert es an die deutsche Komödienindustrie – nur dass sich Schweighöfer, Schweiger und Co kaum exportieren lassen. Anders als Omar Sy, der sympathische „Ziemlich beste Freunde“-Star, auf den man nun einen ursprünglich mexikanischen Filmstoff zugeschnitten hat. „Plötzlich Papa“, in Deutschland glanzlos auf DVD veröffentlicht, gilt als größter internationaler Erfolg seines Herkunftslandes. Auch wenn an der Geschichte um einen Frauenhelden und Abenteurer, dem eine seiner vielen Geliebten ein gemeinsames Baby in die Hand drückt, worauf er schlagartig zum fürsorglichen Vater wird, wenig originell ist. Diese knallhart auf einen europäischen Geschmack kalkulierte Variante versucht das formelhafte Stück einem Publikum schmackhaft zu machen, das sich für mexikanische Filme nicht interessiert.

Spielort ist das szenige London bunter Hipster-Buden, wo sich Sys Filmfigur als erfolgreicher Stuntman verdingt. Seiner vergötterten Tochter hat er ein Loft-großes Kinderzimmer eingerichtet, ohne ihr gutes Herz durch die angehäuften Spielzeugberge im Mindesten zu verderben.

Es gäbe wohl niemanden, der es mit dem Strahlemädchen nicht gut meinen würde – abgesehen vom Autor des Drehbuchs, der ihm nur um des Dramas Willen eine schwere Krankheit an den Hals gewünscht hat. So wird aus der Wohlfühlkomödie eine geradezu kriminell-tränendrüsige Schnulze, die leider mangels Feingefühls jedes Wirkungspotential verspielt.

Doch dies ist nur der letzte vermeintliche Trumpf, den die Filmemacher aus den Taschen ziehen. Zunächst ist da das Märchen, die sich der liebende Papa ausdenkt, um Fragen nach dem Verbleib der Mutter – einer angeblichen Agentin – zu beantworten. Natürlich hat die Lügengeschichte noch kürzere Beine als ihre Adressatin. Und dann ist da noch die drohende Trennung des Vater-Tochter-Gespanns nach der zu erwartenden Rückkehr der Mama.

Man kann wirklich gespannt sein, ob ein derart zusammengestoppeltes Produkt das erhoffte Publikum erreicht. Anhängern „ziemlich bester Freunde“ sei es jedenfalls weniger empfohlen als denen ziemlich schlechter Filme.

Plötzlich Papa. F 2016. Regie: Hugo Géiln. 118 Min.

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