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Neu im Kino: „Monsieur Pierre geht online“ Alles klar, Jungs?

„Monsieur Pierre geht online“: eine matte Komödie mit Pierre Richard, in der die Gags regelrecht zerquasselt werden.

„Monsieur Pierre geht Online“
Schau mir in die Augen: Monsieur Pierre hält Floras Händchen. Foto: dpa

Ein trauriger alter Mann und ein Jungschriftsteller, der den Kopf hängen lässt wie ein geprügelter Hund, das ist das wenig glamouröse Gespann, dem Regisseur Stéphane Robelin ein unverhofftes digitales Abenteuer verschafft. Denn der verschlafene Alex gibt dem Witwer Pierre Nachhilfe in Sachen Internet, natürlich auf Wunsch der Tochter Sylvie, die sich um den greisen Vater in seiner vernachlässigten Pariser Wohnung sorgt. Der betritt die unbekannte Onlinewelt im Stechschritt, als er die ersten Datingseiten entdeckt: Mit Alex’ Profilbild geht er auf Brautschau, und auch ganz analog nutzt er den Jüngeren als Avatar, um sich an die schöne Belgierin Flora heranzumachen.

Rentner und Internet, diese Kombination gibt immer mal wieder Anlass zu Komödien, die sich mal mehr, mal weniger gelungen über die Kopflosigkeit der Alten im auch nicht mehr ganz so neuen Medium lustig machen. In „Monsieur Pierre geht online“ ist es allerdings gar nicht der Titelheld, der sich als Digitalidiot entpuppt, sondern das schlappe 50 Jahre jüngere Objekt seiner Begierde: Der Herr mit dem Pseudonym „Pierrot“ kann ja so einfühlsam schreiben – was macht es da, dass er seine Mobilnummer nicht herausrückt und auch sonst im Gegensatz zu Flora knausrig mit Daten verfährt?

Komödiantischen Schwung entfalten die Klischeeweibchen nicht

Aber auch die übrigen Damen in Robelins Film sind ziemlich daneben. Alex’ Freundin Juliette etwa – sie ist Sylvies Tochter und damit Pierres Enkelin – ist ein blondes Dummchen, das dem schriftstellernden Liebhaber, man kann es gut verstehen, auf die Nerven geht. Sylvie selbst agiert in Umkehrung der Rollenverhältnisse als Helikoptertochter, die ihren alten Herrn mit Mäkeleien an seinen betagten Pullovern gängelt. Komödiantischen Schwung entfalten diese Klischeeweibchen allesamt nicht – das soll dem Männerbund aus Pierre und Alex vorbehalten bleiben, was manchmal sogar gelingt.

Und was nicht unbedingt daran liegt, dass Alex unter einem Fenster ein Windows-Bildschirmfeld und Pierre ein altmodisches Ding zum Hinausschauen versteht. Nein, die anrührenden Szenen werden allesamt von Frankreichs Altstar Pierre Richard geprägt, der sich einst als großer Blonder durch Pariser Lustspiele kalauerte und nun als Onlinenovize im stattlichen Alter von 83 Jahren Wehmut mit bauernschlauem Witz zu verbinden versteht. Richard interpretiert den Chat als Genre neu, nämlich als Konversation im digitalen Salon, in dem ein wenig gepflegte Geschwollenheit nicht schaden kann. Dumm nur, dass sich Robelin dafür kein geeigneteres Gegenüber als die verführungsbereite, nur allzu überwältigungsfrohe Flora denken kann.

Dass „Monsieur Pierre“ zur Komödie das rechte Timing fehlt, dass manche Gags regelrecht zerquasselt werden, das sind fast schon lässliche Sünden. Belügt die Frauen, wo ihr könnt, online oder offline, sie verzeihen ja doch – diese Botschaft schleppt der Film mit. Alles klar, Jungs?

Monsieur Pierre geht online. F/D/B 2017. Regie: Stéphane Robelin. 101 Min.

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