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Neu im Kino: „Meine schöne innere Sonne“ Katalog glückloser Verführungskünste

Die große Filmkünstlerin Claire Denis überrascht mit einer hinreißenden romantischen Komödie: „Meine schöne innere Sonne“.

Der Film "Meine schoene innere Sonne" kommt in die Kinos
Isabelle mit einem ihrer zahlreichen Liebhaber – dem, der Schauspieler ist. Foto: epd

Denis zeigt Körper als das, was sie sind, Verpackungen von Seele, die nur selten gleich den Blick auf das Innere erlauben. Die meisten Filmemacher machen es sich leicht, indem sie vorsichtshalber erst einmal auf schöne Darsteller setzen. Denis setzt in der Besetzung der Liebhaber auf eine fast schon irritierende Vielfalt. Vom in jeder Hinsicht abstoßenden Banker (Xavier Beauvois) über einen attraktiven, aber krisengeschüttelten Schauspieler (Nicolas Duvauchelle) bis zu dem hübschen Proletarier (Paul Blain).

Gérard Depardieu neben Juliette Binoche

Geeicht auf romantische Filmenden können wir nicht anders, als uns für die Protagonisten das perfekte „Match“ zu wünschen. Der einfühlsame Künstler (Alex Descas) sollte es doch wohl gewesen sein? Aber die Einzigartigkeit dieses Films liegt eben auch in seiner Verweigerung gegenüber jener besseren Vernunft, von der wir doch wissen sollten, dass sie in der Liebe oft keine Rolle spielt.

Wie die erste Szene gehört auch die letzte einem objektiv wenig attraktiven Mann, der neben Juliette Binoche eigentlich nur verlieren kann. Kein geringerer als Gérard Depardieu darf ihn verkörpern, aber nicht als weiteren Liebhaber. Als letzten Akt ihrer Odyssee hat es Isabelle, die Protagonistin, zu einem Hellseher geführt. Mit seinen samtenen Metaphern ist er auf eine asexuelle Art vielleicht der größte Verführer in diesem Film.

Es ist eine großartige Performance, die man wie einen Kurzfilm allein schauen könnte und die buchstäblich kein Ende findet. Nach mehr als zehn Minuten hat er noch immer nicht genug gesagt, so dass seine Worte bis über den Abspann weiterlaufen. Das passt gut zum Casanova des Anfangs, der einfach nicht kommen wollte.

Was für einen Katalog glückloser männlicher Verführungskunst hat uns Claire Denis hier präsentiert und dabei ihre weibliche Protagonistin immer souveräner wirken lassen. Was gibt es am Ende Schöneres als wirkliche Unabhängigkeit?

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