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Neu im Kino: „Mamma Mia 2“ Intermezzo Nr. 2

„Mamma Mia 2“ ist weniger als die B-Seite des Vorgängerfilms, aber immerhin sind selten gehörte Abba-Songs darin zu entdecken.

Kinostart "Mamma Mia 2: Here we go again"
Meryl Streep ist Mutter Donna in dem Film „Mamma Mia 2“. Foto: dpa

Der erste Gedanke bei der Ankündigung von „Mamma Mia 2“ ist wohl: Jetzt kommen die B-Seiten. Für Abba-Fans ist das natürlich nichts Schlechtes. Wir lieben Abba von allen Seiten. Wer zum Beispiel „Voulez-Vous“ nicht mehr hören konnte, und, bei allem Respekt, dieser Tag kam unausweichlich, sooft wie dieses Lied 1979/80 im Radio lief, der entdeckte auf der Rückseite einen ausgesprochen mitreißenden Song namens „Angel Eyes“. Die schmissige Warnung vor einem Casanova, dem man nicht zu tief in die Augen blicken darf, sollte in keinem Mamma-Mia-Film fehlen – und in der Tat: Wenn sich die noch immer von Amanda Seyfried gespielte Sophie von den Freundinnen ihrer inzwischen verstorbenen Mutter Donna (Meryl Streep) deren Liebesleben erzählen lässt, hat das vor allem einen Zweck: Raum zu schaffen für Abbas oft so doppelbödige Liebeslieder.

Die lebensuntüchtigen Formen der Liebe

So gut es Björn und Benny in ihren perfekten Produktionen, im austarierten dynamischen Spektrum ihrer Arrangements und dem Wohlklang des Satzgesangs von Agnetha und Anna-Fried zu verbergen suchten – letztlich geht es immer um die Widersprüche des Zusammenseins. Wer Napoleons Niederlage von Waterloo als Triumph amouröser Hingabe umdeuten kann, der sieht auch im Glück den Keim der Katastrophe: „Don’t look too deep into his angel eyes …“ Nicht anders als ihr Landsmann Ingmar Bergman, nur weniger offensichtlich, gründeten die beiden Liebes- und Trennungspaare namens Abba ein ganzes Œuvre auf autobiografischen Beziehungsdramen. Das Musical „Mamma Mia“ fand für diese multiperspektivische Sicht auf die lebensuntüchtigen Formen der Liebe ein ideales Vehikel mit einer etwas anderen Viererkonstellation, bestehend aus einer Frau und drei Männern. Ganz egal, wer am Ende Sophies Vater war.

Immerhin hat ja auch jeder Abba-Song zwei Väter, die beide in diesem Film herrlich „unauffällig“ versteckte Gastauftritte haben: Björn als Dozent, Benny als Kneipenpianist: Mit derselben kindlich-genialen Einfachheit wie auf seinem Soloalbum „Piano“ variiert er da gelassen seine Welthits, als seien sie Etüden aus einer Klavierschule. Und selbst als der Rückblenden-Harry (Hugh Skinner) der von Lily James strahlend verkörperten jungen Donna ausgerechnet zu „Waterloo“ einen Antrag macht, klimpert er ungerührt weiter. Keine schlechte Idee, das Unterwerfungsversprechen dieses Songs von einem Mann singen zu lassen.

Jeder Song in einem Abba-Film ist eine sichere Bank, doch das fantasielose Skript und die indifferente Regie von Ol Parker hangeln sich von einem musikalischen Rastplatz zum nächsten. In einem guten Musical bringen die Songs die Handlung weiter, sie erklären die Figuren und ihre Absichten. Hier ist es genau umgekehrt, die Handlung ist nur dazu da, die Songs unterzubringen, von denen sie sich dann nur zu gerne aufhalten lässt. Da muss dann ein Paar, das sich gerade erst kennengelernt hat – die junge Donna und der junge Sam (James Irvine) – bei der ersten Krise gleich „Knowing Me, Knowing You“ singen – ein Lied, das in Lasse Hallströms ursprünglichem Musikvideo mit dem Ernst von Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ vorgetragen wurde.

Die Einfallslosigkeit, die Songs zu integrieren, geht so weit – und das ist dann natürlich schon wieder lustig –, dass die von Andy Garcia gespielte Figur Fernando heißen muss, nur damit jemand ihn schließlich mit dem gleichnamigen Abba-Hit ansingen kann. Immerhin ist dieser Jemand keine Geringere als Cher – die 72-Jährige spielt die Mutter der Meryl-Streep-Figur, während die 69-Jährige in einem Geisterauftritt ihren Segen dazu gibt. Hätte man doch aus diesem Trash eine Tugend gemacht und zum Beispiel John Waters die Regie übertragen. Ohne sein Hitmusical „Hairspray“ gäbe es ja wahrscheinlich den ganzen Mamma-Mia-Trubel gar nicht.

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