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Neu im Kino: „Erinnerungen an Marnie“ Das Ende einer Ära

Vielleicht der letzte lange Animationsfilm, den wir aus dem Studio Ghibli bewundern dürfen: Die großartige Produktion „Erinnerungen an Marnie“, die in Japan erfolgreich war, aber vermutlich nicht erfolgreich genug.

"Erinnerungen an Marnie": Ungleiche Freundinnen in unvergleichlichen Bildern. Foto: Universum Film

Die Filme des Studio Ghibli kommen zu uns wie die letzten Meisterwerke eines vergangenen Zeitalters. Selbst im Lande des Anime ist der handgezeichnete Animationsfilm eine aussterbende Kunst, und die Produktionsstätte von Ghibli wohl bald nur noch ein Museum.

Als „Erinnerungen an Marnie“ im Juli 2014 in Japan zwar ein Erfolg, aber doch nicht der erhoffte Sensationserfolg wurde, galt das Ende des Studios als besiegelt. Und von Disney wissen wir: Wo einmal die Computer eingezogen sind, kommen die Bleistifte nicht mehr zurück.

Doch nicht nur in seiner vollendeten Ästhetik ist dieser Film ein Geschenk aus der Vergangenheit. Auch die Geschichte einer ungleichen Freundschaft zwischen einem kränklichen Mädchen und einer bewunderten Altersgenossin in einem mysteriösen Anwesen erinnert an Hollywoods metaphysische Melodramen der dreißiger und vierziger Jahre. Damals führten überwirkliche Liebesgeschichten wie „Peter Ibbetson“ oder „Jennie – Das Porträt einer Liebe“ an die Schnittstelle zwischen Leben und Tod, Traum und Realität.

Romantische Sogkraft

Auch Alfred Hitchcocks „Rebecca“ kommt einem in den Sinn, auch wenn dieser Familienfilm nichts von seiner Düsternis, jedoch viel von seiner romantischen Sogkraft hat. Welches Trauma verbindet diese ungleichen Freundinnen, die schüchterne Besucherin mit dem modernen, dunklen Haarschopf und die Tochter aus feudalem Hause mit den altmodischen europäischen Kleidern und den langen blonden Haaren? Und welches Geheimnis hütet die Malerin an der Küste, die so viele Ansichten von diesem Haus malt wie der Impressionist Claude Monet von seinen Heuhaufen?

Nur im Studio Ghibli konnte man auf die Idee kommen, in der epischen Romanvorlage von Joan G. Robinson den Stoff für einen Zeichentrickfilm zu finden. Aber genau das ist ja das Geheimnis des von 1985 von Regisseur Hayao Miyazaki und seinem Kollegen Isao Takahata gegründeten Studios: Westliche und asiatische Einflüsse zu modernen Märchen zu verweben, die Generationen verbinden und Zeiten überbrücken. Und die man, als Boten einer vergangenen Ära, noch in hundert Jahren bewundern wird. Aber lieber doch schon heute.

Erinnerungen an Marnie. Animationsfilm, Japan 2014. Regie: Hiromasa Yonebayashi. 103 Min.

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