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Neu im Kino: „Die Wunderübung“ Jede Therapie ist zwecklos

Theaterfilme sind selten besser als die Stücke: „Die Wunderübung“ nach Daniel Glattauer bildet da keine Ausnahme.

Szene aus die „Wunderübung“
Devid Striesow und Aglaia Szyszkowitz im Boulevardtheater. Foto: dpa

Es kommt nicht oft vor, dass man im Vorspann eines Films die Formulierung liest „nach dem Erfolgsstück von“. Vielleicht verliere ich diese Wette, aber ich möchte annehmen, seit großen Tagen des Boulevards in den fünfziger Jahren hat man nicht mehr so vollmundig einem Bühnenautor am Anfang eines Films Tribut gezollt wie nun Daniel Glattauer.

Aber das deutschsprachige Kino befindet sich ja auch wieder auf Stand vor Einführung der Filmförderung in den frühen sechziger Jahren. Nur dass inzwischen die meisten der geförderten Filme so aussehen, wie „Papas Kino“ von damals. Also das, wogegen sich die Pioniere der Förderungen wandten. Nur eine Frage der Zeit, bis die Stadttheater vom Boulevard überrannt werden.

Aber ganz so schlimm ist es ja auch nicht. „Die Wunderübung“ beginnt mit sehr visuellen fünf Minuten, bevor das erste Wort gesprochen wird. Devid Striesow und Aglaia Szyszkowitz spielen Fahrgäste in einer U-Bahn. Sie sitzen nebeneinander und nichts deutet auf eine Verbindung zwischen ihnen hin. Als sie aussteigen folgt der Mann der Frau in geringem Abstand wie ein dreister Stalker. Merkwürdig, denn in der Bahn schweiften seine Blicke noch in alle Richtungen. Dann bleibt die Frau vor einem Haus stehen, und er drückt, während sie noch danach sucht, die richtige Klingel. Sie gehört zur Praxis eines Paartherapeuten. 

Nun beginnt etwas Merkwürdiges. Obwohl noch immer kein Dialogwort gefallen ist, hebt sich ein unsichtbarer Vorhang und wir sind im Boulevardtheater. 

Der von Erwin Steinhauer gespielte Paartherapeut namens Harald räuspert sich und räuspert sich, wirkt schrecklich verkrampft und neurotisch als sei er selbst gerade einer Therapie entkommen. Das soll wohl lustig sein. Der Gegenschuss zeigt das verkrachte Paar, dass sich nur zu gern an dieser Verkrampftheit ein Beispiel nimmt. 

Ein Couchtisch trennt die beiden und gibt im Hintergrund den Blick frei auf ein abstraktes Gemälde, das eine Art Camouflage-Muster zeigt und aussieht, als hätte ein Warhol-Fälscher einen schlechten Tag gehabt. Mit Schrecken ahnen wir, dass diese langweilig-symmetrische Kameraeinstellung die prägende der kommenden neunzig Minuten sein könnte.

Nicht, dass man aus diesen Vorgaben keine guten Filme machen könnte. Sicher wurde im Förderantrag auf Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ nach dem Stück von Yasmina Reza verwiesen. Der Unterschied ist nur: Das war ein gutes Stück. 

Regisseur Michael Kreihsl kennt den Text sehr gut, er hat ihn mit Aglaia Szyszkowitz an den Wiener Kammerspielen inszeniert. Zu Beginn hat man allerdings den Eindruck, dass Szyszkowitz die gewaltsam pointierten Sätze inzwischen zu gut kennt, um ihnen Leben einzuhauchen. Sie spielt Theater mit ihnen, verfremdet sie, durchaus reizvoll, aber eben fremdelnd. Ganz anders Devid Striesow, der sich in sie stürzt, wie er es mit einem mittelmäßigen Tatort-Drehbuch machen würde. 

Es schon faszinierend, wie das Kino schonungslos seziert, was sich im Theater so wunderbar in Raum, Staub und Aura verflüchtigt. Und wie gnadenlos es alles Unechte besonders in den Dialogen bloßlegen kann.

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