Lade Inhalte...

Neu im Kino: „Die Reste meines Lebens“ Zwischen Liebe und Tod

Bei Jens Wischnewskis ambitioniertem Debüt darf der Zuschauer nicht zu ungeduldig sein.

Bär und Letkowski
Glück mit Jella: Karoline Bär und Christoph Letkowski in „Die Reste meines Lebens“. Foto: Camino Film

Es sind oft junge Regisseure, die sich in ihren Filmen mit dem Sterben beschäftigen. Juvenile Sterbefilme bilden inzwischen schon so etwas wie ein eigenes Genre. Das ist nicht so paradox, wie man zunächst denken könnte, ist doch die erste Begegnung mit dem Tod für jeden von uns mindestens so prägend wie die erste Liebe. Jens Wischnewski, Jahrgang 1981, versucht in seinem Debüt „Die Reste meines Lebens“, Liebe und Tod auf eine höchst ambitionierte erzählerische Weise zu verbinden, und am Ende geht seine romantische Trauerkomödie dann sogar auf. Man darf als Zuschauer nur nicht zu ungeduldig sein. Dieser Film hat eine Art Pointe, wenn man das so sagen darf, mit der sich das seltsame Verhalten der Hauptfigur erklärt. Etwa wenn Schimon (Christoph Letkowski) kurz nach dem Tod seiner schwangeren Frau auf einmal mit seiner neuen Freundin Milena (Luise Heyer) lustig zu Swingmusik durchs Zimmer hüpft. Und sie dann bald darauf heiratet. Sieht so angemessene Trauer aus?

Was kann überhaupt angemessen sein, wenn man mit Mitte Zwanzig durch eine bizarre Verkettung unglücklicher Umstände seine Frau und sein ungeborenes Kind verliert? Jella (Karoline Bär) verschluckt sich vor Schreck und droht zu ersticken, als sie beim Abendessen mit den Schwiegereltern erfährt, dass der Container mit ihrem persönlichen Hab und Gut beim Umzug von San Francisco nach Karlsruhe untergegangen ist. Eigentlich hatte sie auf dem gesunkenen Frachtschiff mitfahren wollen. Das Schicksal meinte es gut mit ihr, aber der Film ist mit dem Schicksalspielen längst noch nicht fertig, denn dann verunglückt der Rettungswagen mit ihr auf dem Weg zum Krankenhaus. Schimon verliert seine Frau, lernt aber noch in der Nacht seines Verlustes Milena kennen, die als Clown krebskranke Kinder betreut. „Es kommt alles so, wie’s kommen soll“, hatte der Opa (Christian Grashof) dem damals sechsjährigen Schimon mit auf den Lebensweg gegeben, als er selbst im Sterben lag. Die mit Sinnsprüchen gespickten Rückblenden auf die Begegnung zwischen dem sterbenden Großvater und dem Kind bilden den dramaturgischen Rahmen für die achronisch erzählte Geschichte.

Alles, was passiert ist und was noch passieren wird, erschließt sich in dem Film peu à peu – und zum Teil auch gar nicht. Die Schauplätze wechseln wie die Zeitebenen und die Gemütszustände. Begleitet von einem munteren Off-Kommentar und einem Soundtrack zwischen Pink-Floyd-artiger Musik und französischen Liedern besitzt der Film eine Leichtigkeit, wie sie im deutschen Film nicht oft zu erleben ist. Schon gar nicht, wenn es ums Sterben geht. Wischnewski und seine Mitautorin Julia C. Kaiser widmen sich dieser komplexen Dreiecksbeziehung zwischen Schimon, Milena und Jella – also zwischen Trauer, Liebe und Tod – voller Wärme, Witz und Zugewandtheit, was mitunter naiv und kitschig wirkt, dann doch auch wieder sehr berührt.

So diffus die Reaktionen auf den Tod eines geliebten Menschen sein können, so unbestimmt in Tonlage und Stil ist auch dieser Film. Aber alles, was man einwenden könnte, machen die wunderbaren Darsteller wett.

Die Reste meines Lebens. Deutschland 2016. Regie: Jens Wischnewski. 108 Minuten.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum