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Neu im Kino: „Der Dunkle Turm“ Die unendliche Geschichte als kurzweilige Zeitreise

Der Blockbuster „Der Dunkle Turm“ löst sich angenehm von Stephen Kings Buch-Vorlage. Für einen Fantasy-Blockbuster ist der Film überraschend kurzweilig.

Szene aus "Der dunkle Turm"
Wer blinzelt zuerst: Der Revolvermann, Idris Elba, und der Mann in Schwarz, Matthew McConaughey. Foto: Sony Pictures Releasing GmbH/dpa

Im reichhaltigen Werk von Stephen King gibt es noch manchen Schatz für die Leinwand zu heben. Während der Pressevorführung von „Der Dunkle Turm“ tat der Verleih etwas sehr Mutiges. Er verschenkte das Buch. Als wäre der Vergleich mit der Vorlage nicht stets die schwerste Hürde, die eine Literaturverfilmung nehmen kann.

Lassen wir uns also von Kings eigenen Worten in den Schauplatz dieses angefangenen Epos führen, von dem wir noch nicht ganz wissen, ob es überhaupt noch weitererzählt werden wird. Denn Blockbuster-Mehrteiler sind wie Fernsehserien: Manchmal werden sie nach der ersten Lieferung auch schon wieder abgesetzt.

„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm. Die Wüste war der Inbegriff aller Wüsten, sie war riesig und schien sich Ewigkeiten in alle Richtungen bis zum Himmel zu erstrecken.“ Matthew McConaughey spielt diesen Mann in Schwarz, Idris Elba ist ihm auf den Fersen. 

Reizvollerweise erscheinen die beiden zunächst in den Träumen eines Jungen mit Zeichentalent, der sie zum Unverständnis seines New Yorker Kinderpsychologen aufs Papier bringt und für wirklich hält. Als man seine Mutter in der Psychiatrie einweist, erlebt er indes ein Déjà-vu: In einem Arzt erkennt er einen der Helfer der Bösen aus den Träumen. Gottseidank erträumt dieser Junge namens Jake auch den zentralen Bahnhof in die Parallelwelt, aus der diese Figuren stammen, eine alte Villa, die er zur Identifikation ins Internet stellt.

Dieses Medium hat sogar  der visionäre Stephen King Mitte der siebziger Jahre, als er „The Gunslinger“, die erste vieler Erzählungen mit diesen Figuren schrieb, kaum erträumen können. So erlauben wir also dem in der Gegenwart angesiedelten Film, ganz Film zu sein. Und lassen die acht Bände lieber mal beiseite. Immerhin nannte King sein Werk selbst „unfertig“ und erklärte sogar, eigentlich müsste alles neu geschrieben werden.

Die erste Rückmeldung auf den Internet-Post des Jungen ist typisch für den freundlich ironischen Ton des Films des dänischen Regisseurs Nikolaj Arcel und seines Co-Autors Tomas Jensen: „Universal Studios?“ Könnte sein, so gruselig wie die Villa aussieht. Ein weiterer Hinweis lässt ihn das imposante Gebäude dagegen in New York aufspüren – und seine unverständige Umwelt gegen eine Parallelwelt tauschen, die zumindest handfeste Gefahren und Abenteuer bietet. Finstere Mächte drohen, wie er vom Revolvermann erfährt, jenen Dunklen Turm zu Fall zu bringen, der über allen Welten stehe. 

Das wollen die Bösen mit Kindergedanken erreichen, was ein wenig an den Pixar-Film „Die Monster AG“ denken lässt. Tatsächlich besitzt Jake aber die stärksten Geistesgaben, mit ihnen alleine könnte man den Turm zu Fall bringen. Das macht ihn für den bösen „Magier“ so begehrt, der ihnen längst auf den Fersen ist. 

Eine archaische Westernwelt

Stephen King wusste, warum er eine öde Wüstenwelt zum zentralen Schauplatz seiner Geschichte machte. Schon für die Surrealisten waren die leeren Weiten von besonderer Suggestionskraft. Für Filmemacher sind sie vor allem preiswert und verlangen keinen Effektzauber. Hier führen sie aber auch in ein Genre innerhalb des Genres, in eine archaische Westernwelt, die aus der Welten- auch eine Zeitreise macht.

Idris Elba reiht sich in seiner Darstellung des „Gunslinger“ ein in die afro-amerikanischen Outlaw-Helden Tarantinos. Und wenn er schließlich den Jungen ins gegenwärtige New York begleitet, gibt dies Gelegenheit zu hübschen Zeitreise-Anachronismen. 

Eine Fernsehwerbung mit kalauernden Tieren etwa lässt ihn fragen: „Sprechen in eurer Welt die Tiere etwa noch?“ Worauf der Junge zurückfragt: „Noch?“ Gerne würden wir mehr über diese interessante Wendung in der Evolutionstheorie erfahren, aber dies ist ja vielleicht auch nicht der letzte Teil der Saga. 

Auch wenn vielleicht nicht allzu viel Stephen King darin enthalten ist, verstehen die Filmemacher den filmbegeisterten Autor in einem Punkt goldrichtig: Es ist eine spielerische Reise durch die Genres, offen für alles. Bis hin zum für eine angefangene Filmserie selbstredend unbestimmten Ende. Für einen Fantasy-Blockbuster ist dieser „Dunkle Turm“ nicht nur überraschend kurzweilig. Mit 95 Minuten ist er auch angenehm kurz. 

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