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Neu im Kino: Alien: Covenant Glücklose Rückkehr in die Alien-Galaxie

Alles und gerade darum doch nichts: In Ridley Scotts neuer Alien-Galaxie ist der Horror grob und laut.

Szene aus Alien: Covenant
Szene ohne Blutspritzer, dafür mit musisch interessiertem Androiden. Foto: 20th Century Fox

Nach dem Alten Testament schloss Gott einen Bund (auf Englisch: Covenant) mit Abraham. Für die Besiedlung eines neuen Landes stellte er ihm eine reiche Nachkommenschaft in Aussicht. Ridley Scotts gleichnamige Rückkehr zur Alien-Reihe beginnt auf einem Siedlerschiff mit mehr als tausend Seelen, einer fliegenden Mayflower, die ein gelobtes Land ansteuert. Doch die eigentliche Nation, die hier gegründet werden soll und auf viel Nachwuchs hofft, ist eine neue Filmreihe; ein Franchise nach kapitalistischer Religion.

Bis zu sechs Filme kann sich der bald 80 Jahre alte Regisseur vorstellen, um die Brücke von seinem Prequel „Prometheus“ (2012) bis zum Beginn seines Originalfilms von 1979 zu schließen. Was für ein Meilenstein war ihm damals gelungen in der Verbindung von elegisch-nachdenklicher Weltraumoper und jenem bohrenden psychologischen Horror. Endlos ist der Einfluss von H.  R. Gigers assoziationsreichen bildnerischen Wucherungen auf die Popkultur.

Nicht nur die feministische Filmtheorie wusste etwas mit diesen Körperfressern anzufangen, wie der beste Surrealismus appellierten sie an unbewusste Ängste, die bekanntlich wie das All unendlich sind und nach Ausdehnung streben. Wie gerne ließen wir sie wieder wachkitzeln.

Doch auch wenn dem verstorbenen Giger im Abspann eine Gedenktafel gewidmet ist und seiner Kreatur, einmal durch eine leichtsinnige Kursänderung eingefangen, eine große Bühne findet, ist der Horror diesmal grob und laut. Als wollte Scott seine Signatur im Nachhinein noch auf die so eigenständigen Alien-Fortsetzungen anderer Meister setzen, übt er sich in brachialer Action, die James Cameron im zweiten Film so messerscharf platzierte, und führt auf einen Höhlenplaneten, der an Jean-Pierre Jeunets Version erinnert. Manchmal lässt sich auch an David Finchers klaustrophobische Bildräume denken, doch gerade deshalb ist Scotts Film alles und doch nichts.

Mit dem Unfall zu Beginn verliert der Film in der Rolle des Kapitäns zunächst einen namhaften Statisten (James Franco). Leider ist sein Nachfolger Oram (Billy Crudup), ein gläubiger Mann, zugleich ein Kind des Leichtsinns. Hat man schon einmal gehört, dass es eine gute Idee sein könnte, eine zehn Jahre vorbereitete Expedition dadurch abzukürzen, dass man lieber auf einem anderen Planeten landet, den vorher niemand auf dem Schirm hatte?

Immerhin gibt es auch Besatzungsmitglieder, die Tapferkeit nicht mit Unvorsicht verwechseln. Michael Fassbender ist als Android David, Altlast aus „Prometheus“, mit an Bord, und stiehlt den Film bald darauf mit einer Doppelrolle. Ein weiterer, größenwahnsinniger Androide, Walter, hat sich zum egomanen Superschurken aufgeschwungen, wie ihn vielleicht gewöhnliche Sommer-Blockbuster für unverzichtbar halten.

In der schönsten Szene bringt er seinem Double das Flötenspielen bei. Sind es nicht, mehr als alle Blutspritzer, solche Miniaturen, die über den Kultstatus eines Films entscheiden? Ridley Scott, der Alien-Prometheus hatte es fast vergessen.
 
Alien: Covenant. USA 2017. Regie: Ridley Scott. 122 Minuten.

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