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Neu im Kino: „A Cure for Wellness“ Umnebelt im Luxus-Hospital

Gore Verbinskis Sanatoriums-Horrorfilm „A Cure for Wellness“ anästhesiert sein Publikum. Stimmung will nicht so recht aufkommen.

Kinostart - "A Cure For Wellness"
Film mit traumwandlerischem Mädchen. Foto: dpa

„A Cure for Wellness“ erzählt die bekannte Geschichte von der Ur-Angst des Krankenhaus-Besuchers, sich unvermittelt selbst als Patient dort wiederzufinden. Gern würde man angesichts der edlen Aufmachung erwarten, Regisseur Gore Verbinski erzähle sie auf eine neue oder besonders kultivierte Weise.

Doch schon bei der Ankunft des von Dane DeHaan gespielten Wallstreet-Brokers in einem eleganten Alpen-Kurort, beim ersten Anblick des imposanten Sanatoriums im Stil eines alten Grand Hotels, zweifelt man an der Qualifikation des Chef-Arztes der Unternehmung.

Gore Verbinski verdanken wir die surrealen Seeabenteuer der „Piraten der Karibik“, aber hier soll alles aussehen wie im „Zauberberg“ oder, lieber noch, in Wes Andersons ironischer Hommage an Thomas Mann und Stefan Zweig, „Grand Budapest Hotel“. Und doch kommt nicht die richtige Stimmung auf, zumal dies zugleich ein unheimlicher Gruselthriller sein möchte. Alles soll mysteriös aussehen in diesem Menschenzoo, wo sich reiche Leute selig den dubiosesten Therapien hingeben.

Vielleicht liegt das Ausbleiben aller Anteilnahme an der Figur des jungen Bankers, dem wir von Beginn an wenig Gutes wünschen. Im Auftrag des Vorstands seines Finanzunternehmens soll er nach dem verlustig gegangenen Geschäftsführer suchen – und findet sich nach einem Autounfall bald selbst in Behandlung wieder.

Das einzig Überraschende an dem Abenteuer, das er dort erlebt, ist die Reihenfolge, in der die Versatzstücke anderer Horrorklassiker von Verbinski wie die Karten eines Memoryspiels ausgelegt werden; in der Hoffnung, sie würden schon irgendwie passen.

Erinnert die Exposition des Films noch an den Anfang von „Dracula“, die Reise des unbedarften Jonathan Harker in die Karpaten, sind wir bald schon inmitten des Plots von „Augen ohne Gesicht“, George Franjus unerreichtem Klassiker um einen bösen Chirurgen, der zum Wohle seiner entstellten Tochter unschuldige Menschen unters Messer legt. Einmal auf diese Fährte geraten, überrascht uns weder das ätherische Mädchen, das geisterhaft über die Geländer stolziert noch das geradezu vampirische Interesse eines unheimlichen Mediziners an seinem neuen Patienten.

Anders als in Verbinskis karibischen Geisterbahnfahrten läuft in diesem Zweieinhalbstundenfilm leider alles wie in Zeitlupe ab. Fast so, als liege man selbst schon halb umnebelt im Luxus-Hospital. Statt der Krankenkasse zahlte übrigens der deutsche Filmförderfonds bei dieser deutschen Koproduktion ordentlich dazu.

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