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Nachruf Ribannas dezente Erotik

Die Älteren unter uns erinnern sich an Ribanna, Winnetous Angebetete aus den Karl-May-Filmen, oder an das Bondgirl aus „Man lebt nur zweimal“. Nun ist Schauspielerin Karin Dor im Alter von 79 Jahren gestorben.

Karin Dor ist gestorben
Sie war Bondgirl und Unschuld vom Lande: die Schauspielerin Karin Dor. Foto: dpa

Ribanna – schon der Name weckte jugendliche Sehnsuchtsgefühle. Nicht nur in der Literaturvorlage von Karl May, wo die exotische Schönheit als keusch Angebetete von Winnetou reüssierte. In den deutschen Klassikern des Indianerfilms verkörperte Karin Dor an der Seite von Lex Barker und Pierre Briece, aber auch Götz George und Klaus Kinski, dunkel verführerisch auch eine Frau, mit der man Pferde stehlen kann.

Mehr Erotik war für junge Heranwachsende zu der Zeit nicht zu haben. Dabei war sie, als Winnetou sie zu den Drehorten in die Bergwelt des damaligen Jugoslawiens rief, schon eine ganze Weile im Geschäft. Bereits 1954 hatte sie den 30 Jahre älteren österreichischen Filmregisseur Harald Reini geheiratet, ihr Geburtsjahr soll wegen der Heirat eigens von 1938 auf 1936 heruntergesetzt worden sein. Filmisch führte sie das zu Beginn ihrer Karriere an die Seite von Christine Kaufmann, die in dem Film „Rosen-Resli“ ebenfalls ihr Debüt gab.

Almenrausch und Hitchcock

Almenrausch, Edelweiß und die Klänge aus dem „weißen Rößl“ legten das junge Talent zunächst auf das Heimatfilmgenre fest, ehe ihr noch Schlimmeres widerfuhr in den Untiefen des deutschen Kriminalfilms nach Edgar Wallace und Co. Immerhin gab Karin Dor diesen Filmen ein unverwechselbares Gesicht, das internationale Flair jedenfalls, das all diese Nebelkammerspiele unbedingt anzustreben schienen, strahlte sie mühelos aus. Und als sich der deutsche Film in den späten 60er-Jahren allmählich zu befreien begann, war auch Karin Dor reif für Größeres. 1967 gab sie das Bondgirl von Sean Connery in „Man lebt nur zweimal“, und zwei Jahre später holte sie Alfred Hitchcock für seinen Agententhriller „Topas“ an den Set.

Das überlebte sie im Film zwar nicht, weil es dem Großmeister des Suspense in den Sinn gekommen war, sie derart theatralisch sterben zu lassen, als handele es sich um eine Liebesszene. Künstlerisch war das eine Promotion. Deutsche Fernsehzuschauer konnten Karin Dor in Serien wie „Al Mundy“ und „Der Chef“ begegnen, sie aber blieb in Hollywood.

Karin Dor liebte die Berge Südtirols

Nach Deutschland kehrte sie erst zurück, nachdem ihr dritter Ehemann, der Schauspieler George Robotham, bereits schwer erkrankt war. Die Heimatfilme der frühen Jahre hatten ihr nicht die Freude an der Alpenlandschaft verdorben. Ihren Urlaub verbrachte Karin Dor am liebsten in Südtirol in den Bergen von Eppan, wo sich die alte Dame des deutschen Films durchaus mit einem Schuss Selbstironie ihres langen Filmlebens erinnerte.

Ganz missen mochte sie das Scheinwerferlicht nicht. Mit Auftritten bei Thomas Gottschalks „Wetten, dass…?“ und in Gastrollen auf dem „Traumschiff“ trat sie vor ein Fernsehpublikum, das nun in dezenter Dosierung dabei zusehen konnte, wie eine Schauspielerin es verstand, in Würde zu altern. Karin Dor ist bereits am Montag im Alter von 79 Jahren in einem Münchner Pflegeheim gestorben.

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