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Nachruf Landau, übernehmen Sie!

Einer der größten Charakterdarsteller Hollywoods ist gestorben. Martin Landaus wechselvolle Karriere ist nun Teil der reichen Geschichte geworden, die dieses faltige Gesicht erzählte.

Martin Landau
Martin Landau 2012 in London. Foto: rtr

Selbst im Weltraum, auf der „Mondbasis Alpha 1“, wirkte Martin Landau denkbar bodenständig. Sein eckiges Gesicht, das er in späteren Jahren gern noch durch gewaltige rechteckige Brillengläser strukturierte, schien aus einem anderen Material geschnitzt, beständiger als Fleisch und Blut. Vielleicht war er deshalb auch Gene Roddenberrys erste Wahl, als der „Star Trek“-Erfinder 1966 nach dem idealen Mr. Spock Ausschau hielt. Doch Landau entschied sich für eine andere Serie, „Kobra, übernehmen Sie“ – nur um sich dort nach drei Jahren ausgerechnet vom „Vulkanier“ Leonard Nimoy ersetzen zu lassen.

Tatsächlich sah der damals etwa 40-Jährige nicht nur so aus, als hätte er einiges im Leben hinter sich gebracht. Bereits mit siebzehn hatte sich der 1928 geborene New Yorker in einem anderen Beruf einen Namen gemacht – als Karikaturist und Zeichner der lokalen „Daily News“. Seine wahre Leidenschaft aber war die Schauspielerei, und wie viele junge Talente fand er sein Glück beim jungen Live-Fernsehen. 1955 war er dann einer von zwei unter zweitausend Bewerbern, die es an die einflussreichste Schauspielschule Amerikas schafften – das Actor’s Studio. Der zweite Kandidat war Steve McQueen. Von da aus konnte es für Landau eigentlich nur nach oben gehen, wenn auch nicht unbedingt als Mädchenschwarm wie der strahlend schöne Steve McQueen.

„Der unsichtbare Dritte“ und „Cleopatra“

Wer aussah wie Martin Landau, konnte dafür schon mit 29 Jahren am Off-Broadway Tschechows „Onkel Wanja“ spielen. Alfred Hitchcock besetzte ihn höchst eindrucksvoll in „Der unsichtbare Dritte“: Auf der Spitze des Mount Rushmore hatte er die sadistische Aufgabe, auf die Fingerspitzen des verzweifelten Cary Grant zu treten, der sich dort festhielt.

Auch die Ehre, in dem einen Film zu spielen, der das Ende des alten Hollywood besiegelte, wurde Landau zuteil: An der Seite von Elizabeth Taylor lieh er sein Feldherrengesicht im sündhaft teuren Sandalenflm „Cleopatra“ der Figur des Rufio. Und während das Studio 20th Century Fox um ein Haar an dem epochalen Flop zu Grunde ging, rettete sich Landau zurück zum Fernsehen.

Ein missglückter Gagenpoker kostete ihn freilich 1969 seine Rolle in „Kobra, übernehmen Sie“, eine lange Durststrecke unattraktiver Rollen war die Folge. Auch die britische Serie „Mondbasis Alpha 1“ brachte ihn 1975 noch nicht zurück ins Hollywood-Geschäft. Erst eine Nebenrolle in Francis Ford Coppolas „Tucker – Ein Mann und sein Traum“ läutete 1988 eines der erstaunlichsten Comebacks in der Geschichte der Traumfabrik ein. Landau erhielt eine Oscar-Nominierung und gleich im Folgejahr die nächste – für Woody Allens „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“.

Mit der Aura schier unendlicher Lebenserfahrung

Den Preis gewinnen konnte er schließlich für die herzzerreißende Darstellung des Horror-Mimen Bela Lugosi in Tim Burtons Meisterwerk „Ed Wood“. Die scheinbare Maskenhaftigkeit seines Gesichts und das Statuarische am Spiel dieses Charakterdarstellers sahen unter Tim Burtons Regie plötzlich zerbrechlich und warm aus. Martin Landau wirkte im Alter wie neu geboren; lässig spielte er mit der Aura schier unendlicher Lebenserfahrung.

Viel zu erklären hatte er nicht über seine Kunst: „Unter dem Strich muss ein guter Schauspieler vieles können“, sagte er knapp. Oder: „Was ich am besten kann, immer am besten gemacht habe, ist schauspielern.“

Seine wechselvolle Hollywoodkarriere ist nun Teil der reichen Geschichte geworden, die dieses faltige Gesicht erzählte. 55 Jahre hielt er sie lebendig, am Samstag ist Martin Landau „nach unerwarteten Komplikationen“ im Alter von 89 Jahren in einem Krankenhaus in Los Angeles gestorben.

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