Lade Inhalte...

Nachruf Bud Spencer Sie nannten ihn Mücke

Zum Tod von Bud Spencer, dem gewaltigen Kino-Idol einer ganzen Generation. Er selbst stand seinem Star-Ruhm ebenso skeptisch gegenüber wie jenen Wichtigtuern, die er in den Filmen versohlte.

Bud Spencer (r.), der mit seinem Partner Terence Hill stets vierhändig agierte. Foto: dpa

Es gibt Darsteller, es gibt Filmstars, und es gibt Ikonen. Bud Spencer hat nicht viel von seiner Schauspielkunst gehalten, und seinem Starruhm stand er fast so skeptisch gegenüber wie jenen Wichtigtuern, denen er in seinen Filmen so oft eine Abreibung erteilte. Dabei war er mehr als ein Star, er war eine Ikone. Das merkte man spätestens, als lange nach dem Ende seiner erfolgreichen Filmserie hier und da sein bärtiger Kopf auf irgendeiner Hauswand auftauchte. Bud Spencers Antlitz eignete sich so gut dazu, in Schablonen geritzt oder in harten Kontrasten auf T-Shirts gedruckt zu werden wie vor ihm die Konterfeis von Marx oder Che Guevara. Und irgendwie stand es ja auch für den gleichen Klassenkampf. In seiner Autobiografie formulierte er: „Ich war der Starke, der den arroganten Bösewichtern Ohrfeigen verpasste und so die Schwachen rächt.“

Immer wieder wurden Carlo Pedersoli und Mario Girotti, wie Bud Spencer und Terence Hill eigentlich hießen, mit Dick und Doof verglichen, die ja auch im wirklichen Leben andere Namen trugen. Mehr noch war es Charlie Chaplin, den Bud Spencer als lebenslanges Vorbild nannte. Auch wenn deutsche Synchron-Autoren ihnen vier Kalauer für jedes Halleluja in den Mund legten, waren sie vielleicht die letzten echten Stummfilmstars. Ihre Ausstrahlung war reine Physis und ihr Kino eines der handfesten Sensationen.

Wenn man ihre Filme für eine Mark fünfzig in der Jugendvorstellung eines deutschen Vorstadtkinos sah, übertrug sich das sofort ins Publikum. Nicht, dass wir uns geprügelt hätten außer vielleicht ein bisschen. Aber für kleine Jungs, die es nicht lange auf einem Stuhl hielt, waren die beiden Idole. Sie waren wie Asterix und Obelix aus Fleisch und Blut.

Tatsächlich erinnert auch die Entdeckungsgeschichte des ehemaligen Olympioniken und italienischen Meisters im Freistil für die Leinwand an die Spontaneität der Stummfilmzeit. Er brauchte einfach Geld, und so bot er sich an für die Rolle des Raubeins Hutch Bessy im Italo-Western „Gott vergibt… Django nie!“ Nur seinen guten Namen wollte Pedersoli nicht hergeben, so hielt er es wie viele italienische Filmschaffende, die sich für ihre Western und Sandalenfilme englische Namen zugelegt hatten.

Tatsächlich hatte Pedersoli bereits ein Jahrzehnt zuvor kleine Filmrollen gespielt, darunter auch – neben Girotti – im Sandalenepos „Hannibal“ (1959). Doch was waren schon Hannibals Alpen gegen dieses Bergmassiv von einem Mann? Es brauchte schon die Weiten des wilden Westens und die Enge eines Saloons, um Bud Spencer voll zur Geltung zu bringen. Gleichwohl gab sein stoischer Humor dem Genre bald eine neue Richtung.

Der so genannte Spaghetti-Western (der seinen Namen übrigens nicht den Fressorgien vieler Bud-Spencer-Filme verdankte) war in seinen Anfangsjahren für schonungslose Gewaltdarstellungen bekannt. Doch schon „Hügel der blutigen Stiefel“ (1969), die Fortsetzung von „Gott vergibt… Django nie!“, zeigte einen Sinn für Humor, der besonders gut in Deutschland ankam. Schließlich wurde sogar der Vorgänger umsynchronisiert und – bereinigt um etliche Gewaltszenen – als „Zwei vom Affen gebissen“ neu herausgebracht. Seit „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1970) wurde Spencer von Wolfgang Hess synchronisiert, insgesamt 43 mal. Als Hess am 27. April starb, erinnerte Spencer an ihn mit einem Gruß auf seiner Facebookseite.

Hemmungslos veränderten deutsche Verleiher damals die italienische Importware – und schufen zugleich eine neue Unterhaltungsform. Bud Spencer hat diesen Aneignungsprozess, der ihn zu einem der beliebtesten Filmstars der Deutschen machte, mit großem Wohlwollen betrachtet. Wie wohl fast alles im Leben.

Spencer, der sich nebenberuflich als Erfinder praktischer Gegenstände wie einer mit Zahnpasta befüllten Zahnbürste betätigte, hatte seine Kunstfigur nach der eigenen Mentalität geformt. Den Vornamen wählte er dabei nach der bevorzugten Biermarke, der Nachnahme war eine Verbeugung vor der in sich ruhenden Männlichkeit des Hollywoodstars Spencer Tracy.

Es war wohl kein Zufall, dass er sich seinerzeit in den Studios von Cinecittá als der Mann der Stunde anpries. Der FR sagte er einmal „Ein Schauspieler hat viele Persönlichkeiten – ich habe nur eine. Und die kann niemand besser spielen als ich.“ So gab es nur einen Bud Spencer auf der Welt – bis Montag: Am 27. Juni starb er plötzlich im Alter von 86 Jahren.

„Ich habe meinen besten Freund verloren“, kommentierte Terence Hill die Nachricht im „Corriere della Sera“. Bis ins hohe Alter trafen sich die beiden gern zum Mittagessen. Dass man sich nie gestritten habe, erklärte Spencer mit der ihm eigenen Bescheidenheit: „Weil er ein Schauspieler war und ich nicht.“ Einen Schritt ist uns Bud Spencer nun voraus, um festzustellen, ob einer der deutschen Filmtitel vielleicht doch der Wahrheit entspricht: „Auch die Engel essen Bohnen“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen