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„Nach einer wahren Geschichte“ Die Grenzen einer Frau

Roman Polanski vertraut in seiner Verfilmung von Delphine de Vigans Roman „Nach einer wahren Geschichte“ nicht der Magie des Kinos.

„Nach einer wahren Geschichte“
Eine elegante Erscheinung, die grob agiert: Eva Green als Elle. Foto: epd

Delphine de Vigan schreibt in ihrem 2015 im französischen Original erschienenen Roman „Nach einer wahren Geschichte“: „L. trat in mein Leben und löste darin langsam, sicher und heimtückisch eine tiefgreifende Erschütterung aus.“ Die Erzählerin ist Schriftstellerin. Sie ist es gewohnt, genau wahrzunehmen, was um sie herum passiert, sie ist darauf eingestellt und trainiert, Menschen zu beobachten, ihr Handeln einzuschätzen. Sie schreibt weiter: „L. trat in mein Leben wie mitten in der Vorstellung auf eine Bühne, als hätte ein Regisseur dafür gesorgt, dass sich ringsum alles zurücknimmt, um ihr Platz zu lassen.“

Nun hat sich tatsächlich ein Regisseur mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Roman Polanski verfilmt dieses Buch aus der Perspektive einer Schriftstellerin, der eine fremde Frau zur Freundin wird, die schließlich regelrecht von ihr Besitz ergreift. Ein Psychothriller soll das sein, Polanski beherrscht das Genre seit „Rosemary’s Baby“ (1968), dem „Mieter“ (1976), zuletzt mit dem „Ghostwriter“ (2010). Und er ist ein Meister des Kammerspiels („Der Gott des Gemetzels“, 2011), wie es für diesen Stoff auch passt. 

Es steckt einige Brisanz in der Vorlage. Der Name der Figur, die in das Leben der Schriftstellerin tritt, ist doppeldeutig: Elle heißt sie im Film wie Elisabeth, recht eigentlich jedoch wie elle, das französische weibliche Personalpronomen. Für das Drehbuch holte Polanski sich Olivier Assayas als Co-Autor, der 2014 „Die Wolken von Sils Maria“ gestaltete, auch eine besondere, zwischen Anziehung und Abstoßung, bis zur Abhängigkeit reichende Frauenbeziehung. In den Hauptrollen spielten damals Juliette Binoche und Kristen Stewart. 

Wenn sich in „Nach einer wahren Geschichte“ die Blicke Delphines (Emmanuelle Seigner) und Elles (Eva Green) zum ersten Mal begegnen, ist es ein besonderer Moment. Delphine hat an dem Tag schon zu viele Leute gesehen, etliche Bücher signiert, doch Elle weckt ihr Interesse. Die stellt es im Folgenden so an, dass die Schriftstellerin den Kontakt zu ihr sucht, dass diese nicht merkt, wie sie gelenkt wird. 

Grenzen der Identität 

Delphine wird gerade von dem Erfolg, den sie mit ihrem jüngsten Buch erlebt hat, eingeholt. Es handelte von ihrer Mutter, viele Leser können sich in dem komplizierten Verhältnis erkennen, andere werfen ihr Voyeurismus vor, die heftigen Reaktionen führen bei Delphine zu einer Schreibblockade. Elle äußert Verständnis, ist sie doch selbst eine Autorin. Allerdings arbeitet sie als Ghostwriter: Elle schreibt im Namen anderer.

Der Film könnte also Fragen nach dem Verhältnis des Schriftstellers zu seinem Werk stellen, drängt doch Elle hier Delphine, mehr aus ihrem Leben zu erzählen. Er könnte auch die Grenzen der Identität erforschen, denn die Frauen nähern sich so einander an, dass sie sich immer ähnlicher zu werden scheinen, man sieht Elle bald in Kleidung von Delphine. Unter der Vorgabe, die erschöpfte Schriftstellerin zu unterstützen und zu beschützen, beantwortet die Freundin bald in deren Namen E-Mails. Diese Sorte Post kommt ja ohne persönliche Unterschrift aus. Sie bietet ihr auch an, Termine für sie wahrzunehmen.

Leider verspielt Polanski schnell den Zauber des Anfangs, zu bald kann man sich   die nächsten Schritte der Protagonisten immer etwas früher ausmalen, als sie geschehen. Einen gröberen Fehler kann man aber bei der Inszenierung eines Thrillers nicht begehen. Emmanuelle Seigners Delphine gibt sich der anderen mit einer Vertrauensseligkeit hin, die im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts geradezu lächerlich wirkt: Sie verrät Passwörter, gibt ihren Wohnungsschlüssel aus der Hand, lässt ihr Smartphone ohne Sicherung herumliegen. 

Daneben agiert Eva Greens Elle ihrer eleganten Erscheinung zum Trotz geradezu grob. Zunächst liegt in ihren Blicken zu viel von einem „Wart’s nur ab“, als würde neben ihrem Namen im Drehbuch stets gestanden haben: schau geheimnisvoll. Bald ändert sich auch die Sprache vom interessierten zum dominanten Ton. 

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