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Musiker-Dokumentation Lob der Mandarine

Margarete Kreuzers intensive und inspirierte Künstler-Hommage „Revolution of Sound. Tangerine Dream“.

Der Krautrock war im Himmel angekommen. „This is rotten religious music!“, rief Salvador Dalí, als er die Sphärenklänge von Edgar Froese und seinen Mitstreitern hörte. Auf Dalís Gartenpartys waren die Musiker aus Deutschland gern gesehene Gäste, und nicht nur das: Tangerine Dream stiegen vor allem im Laufe der 70er zu internationalen Stars auf, Protagonisten einer Musik, die sich dem herkömmlichen Pop-Schema verweigerte, sich auf das Experiment mit neuartigen Instrumenten wie Moog und Synthesizer stürzte und dem Space Age seinen Soundtrack verlieh. Allenfalls Kraftwerk überstrahlte den Ruhm der Formation, die sich rund um Froese im Laufe der Jahrzehnte immer wieder veränderte.

1967 gründete Froese Tangerine Dream, und am Anfang schrammelte man Rock’n’Roll. Über eine Free-Jazz-Phase fand die Formation zu jener elektronischen Musik, für die sie weltweit gefeiert wurde. Stockhausen und Eno, kosmische Symphonik und Ambient Music – Margarete Kreuzers Film „Revolution of Sound“ stellt Tangerine Dream nun in einen illustren avantgardistischen Zusammenhang, der sich oftmals zum Zeitbild weitet.

Dabei ist die Autorin nahezu unermüdlich, was das Kaleidoskop ihrer Interviewpartner betrifft. Natürlich kommen die Bandmitglieder bis hin zum Sohn des 2015 gestorbenen Froese zu Wort, denn mit Jerome Froese an Gitarre und diversen Tasteninstrumenten vererbte sich Tangerine Dream in den 90er Jahren sozusagen selbst an die kommende Generation. Aber auch Musikerkollegen wie Jean-Michel Jarre und Filmregisseure wie Michael Mann und Paul Brickman geben Auskunft über gemeinsame Projekte: Die Band war ein gefragter Lieferant ungewöhnlicher Filmmusiken – Brickman hat sie 1983 für „Risky Business“ engagiert, vier Jahre später komponierten die Musiker für Kathryn Bigelows „Near Dark“. Vor allem für Michael Mann sorgte die Zusammenarbeit – etwa bei „Thief“ (1981) – für bleibende Erinnerungen: Viele Zeitgenossen, mit denen man zusammen Filme gedreht habe, vergesse man, sagt er in Kreuzers Dokumentation – nicht so Edgar Froese, der sich stets außerordentlich intensiv mit den Bildern auseinandergesetzt habe.

Das allerdings gilt auch für Margarete Kreuzers Dokumentarfilm selbst. Inspiriert fängt sie die Stimmung des TD-Sounds ein, akustisch mit zahlreichen Einspielungen von Platten wie „Phaedra“, „Force Majeure“ oder dem Spätwerk „Mala Kunia“, aber eben auch optisch in jener Spannung zwischen Technikbegeisterung und Esoterik, die kongenial zu Froeses ästhetischem Repertoire passt: Bilder von Raketen und Raumstationen, von Sternen und kosmischen Nebeln – Kreuzer startet mit den Space Cowboys ins All und landet wieder im Berlin der 80er, wo ein einsamer David Bowie umherstreift und sich den Drogenentzug mithilfe von Tangerine Dream ein wenig in Watte packt.

Kein nüchternes Bandporträt ist dieser Film, sondern eine passionierte Hommage. Wer zu jung ist, um Tangerine Dream erlebt zu haben, lernt sie hier kennen.

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