Lade Inhalte...

„Mr. Gay Syria“ „Mutter, bleib stolz auf mich“

Der Dokumentarfilm „Mr. Gay Syria“ der Regisseurin Ayse Toprak erzählt vom Kampf homosexueller Syrer um Anerkennung. Ein Treffen mit dem Protagonisten und Wettbewerbs-Initiator Mahmoud Hassino.

Mahmoud Hassino im Dokumentarfilm „Mr Gay Syria“
Mahmoud Hassino im Dokumentarfilm „Mr Gay Syria“. Foto: dpa

Hussein als syrischer Flüchtling bekommt dann kein Visum für Malta. Es ist Hassino, der zum Mr-Gay-World-Wettbewerb dort fährt. Nur als Stellvertreter, wie er immer wieder erklärt. Wirklich zu interessieren scheint das keinen. Und auch dieses Desinteresse ist Teil der Geschichte.

Für Hassino ist sein Lebensthema zu seinem Beruf geworden. Seit drei Jahren arbeitet er bei der Schwulenberatung Berlin. Er wäre gern in Istanbul geblieben, hat sich dort wohlgefühlt. „Das Problem war Erdogan.“ Berlin ist für ihn wie eine Insel in der Welt, in der es für Homosexuelle, syrische Homosexuelle immer enger wird. In der Türkei ist die Homophobie auf dem Vormarsch, in Syrien ist ein Ende des Assad-Regimes nicht abzusehen. „Und Europa wäre die Flüchtlinge am liebsten los.“

Besondere Schutzbedürftigkeit von LSBTI-Flüchtlingen 

Berlin sei ein Beispiel dafür, wie es richtig laufen könne. Als erstes Bundesland hat es die besondere Schutzbedürftigkeit von LSBTI-Flüchtlingen anerkannt. Die sperrige Abkürzung steht für Schwule, Lesben, Trans- und Intersexuelle.

Vom Café gehen wir in Hassinos Büro. Es liegt an der Wilhelmstraße in Kreuzberg. Man geht über einen Hof, an dessen Ende ein schöner Altbau mit hohen Rundbogenfenstern steht. Im Parterre steht Hassinos Schreibtisch. Zwei Kollegen sind schon da, springen auf, schütteln Hände. Hassino ist der einzige hier, der Arabisch spricht, der einzige, der selbst Flüchtling war. Oft geht es bei seiner Arbeit darum, Menschen, die sich um eine Anerkennung als Flüchtling bemühen, auf ihr Interview vorzubereiten. „Sie wissen ja gar nicht, wie sie über ihre Sexualität sprechen sollen.“ 
Gibt es überhaupt ein arabisches Wort für schwul? Ein umgangssprachliches, eines, das nicht herabwürdigend ist? „Nein“, sagt Hassino. Es gebe nur den wissenschaftlichen Begriff, der dem deutschen Wort für homosexuell entspricht. Und abwertende Bezeichnungen. „Da gibt es ganz viele.“ In der Öffentlichkeit werde überhaupt nicht über Sexualität gesprochen, fügt er hinzu. Vor ein, zwei Generationen war das in Deutschland nicht anders.

Und Hussein? Er ist vor ein paar Wochen in Marseille angekommen, weiß Hassino zu berichten. Das UN-Flüchtlingshilfswerk hat ihn unterstützt. Seine Frau ist mit der Tochter in ihr syrisches Dorf zurückgekehrt, als Husseins Homosexualität ans Licht kam. Ein weiteres Schicksal.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen