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#Metoo Sexuelle Belästigung ist kein Benimm-Problem

Auf einem Podium der Berlinale wird über sexuelle Gewalt und Machtstrukturen in der Filmbranche diskutiert.

Berlinale 2018
Auf dem Filmfestival wird auch über Sexismus diskutiert. Foto: dpa

In einem Punkt herrschte auf dem Podium Einigkeit: Sexuelle Belästigung, sexuelle Gewalt – beide haben etwas mit Machtstrukturen zu tun. Und in der Filmbranche liegt wie in vielen anderen Branchen die Macht vor allem in den Händen der Männer. Uneinigkeit herrschte aber hinsichtlich der Frage, wie man das ändern kann. Nicht alle sind für die Quote, wie Barbara Rohm, im Vorstand von Pro Quote Film, sie propagiert. Nicht mal alle Frauen. Heike Hempel, die stellvertretende Programmdirektorin des ZDF, sagte, man müsse das Bewusstsein schärfen und wies auf das Frauen-Förderprogramm hin, das ihr Sender nun plane.

 „Kultur will Wandel“ war die Diskussionsrunde überschrieben

Bereits jetzt kämen 20 Prozent der Filme von Regisseurinnen, so Hempel: höhnisches Gelächter aus dem mindestens zu zwei Dritteln aus Frauen bestehenden Publikum. Dabei ist das leider tatsächlich gar nicht so schlecht. Auf die gesamte Branche gerechnet, führen Männer zu 85 Prozent Regie. Und bei Produzenten und Autoren sowie in allen Gewerken ist es nicht anders.
 „Kultur will Wandel“ war die Diskussionsrunde im Tipi-Zelt überschrieben. Eingeladen hatten der Bundesverband Schauspiel, das Bündnis Pro Quote Film und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Kurz unterbrochen wurde das Gespräch auf dem Podium von einer Gruppe junger Frauen, die auf der Bühne mit einem Transparent gegen Gewalt aufgrund von „unkontrollierter Masseneinwanderung“ protestierten. Das Publikum reagierte mit „Nazis raus“-Rufen.

Noch ist vieles nicht klar, das machte diese Runde deutlich, ist der Weg zum Wandel noch in der Diskussion. Die Debatte steht ja erst am Anfang. Die Einrichtung einer Beschwerdestelle wird begrüßt. Aber ein Regelwerk am Set einer Filmproduktion, wie manche es fordern, ist umstritten. So etwas schränke die kreativen, künstlerischen

Prozesse ein, fürchtet etwa die Schauspielerin Natalia Wörner. „Unter dem Deckmantel der künstlerischen Freiheit wird Missbrauch betrieben“, wandte Jasmin Tabatabai dagegen ein. Thomas Kleist, der Intendant des Saarländischen Rundfunks, sprach zur Empörung des Publikums von einer „Sexdebatte“, er brachte dann in Zusammenhang mit dem Regelkodex auch noch den Knigge ins Spiel, so als handele es sich bei sexueller Belästigung um ein Benimm-Problem.

Obwohl nicht einmal Einigkeit über eine Quote in den Gewerken besteht, wurde dann auch noch über eine Quotierung von Inhalten gesprochen, die fragwürdige Darstellung von Frauen, die sich in vielen Rollen nur über Männer definierten, als deren Ehefrauen oder Sekretärinnen. „Oder als Betrogene“, rief es aus dem Publikum.

Jasmin Tabatabai erzählte, wie sie sich schon öfter dagegen gewehrt habe, als der weibliche Teil des Ermittlerteams in „Die letzte Spur“ hinter ihrem Kollegen zu stehen und „sich Sorgen zu machen“. „Ich würde mir mehr Autorinnen wünschen, die erzählen anders“, fügte Natalia Wörner an. „Und es geht darum, dass Frauen ab 35 überhaupt vorkommen“, sagte Jasmin Tabatabai. Ab 50 Jahren kämen auf eine Frauenrolle drei Rollen für Männer, ab 60 seien es dann sechs Männerrollen. „Das ist eine Schieflage, ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit.“ Von der Gender Pay Gap, der Lohnlücke bei den Gagen ganz zu schweigen. Zählen lohnt sich, gerade jetzt.

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