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Lucas-Filmfestival in Frankfurt Wahre Geschichten, echte Auswege

Das Frankfurter Lucas-Filmfestival für junge Leute bildet schonungslos das Leben ab, macht aber auch Hoffnung.

Barbara Miguel
Barbara Miguel als Lulu in „Wan-tu-tri (1-2-3)“, Philippinen, 2016. Foto: Deutsches Filminstitut

Während des Films wird sogar stellenweise gelacht, im Saal und auf der Leinwand. Im Saal nicht viel, was bemerkenswert ist. Wer an seine eigene Schulzeit zurückdenkt, dem fallen wahrscheinlich zehn Leute ein, die von Anfang bis Ende sauber durchgelacht hätten, und sei es, um Härte zu beweisen. Man verspreche sich eine Erweiterung des Horizonts, sagt Ernst-Reuter-Lehrer Robert Weidenhausen, „einen anderen Blick“. Seit der fünften Klasse gingen diese Schüler jedes Jahr zum Lucas, sagt er, und es gebe stets positive Rückmeldungen. Themen wie Flucht, Genderproblematik: „So etwas interessiert sie.“

Noée Abita als Ava - eine Klasse für sich

„Ava“ hätte sie sicher auch interessiert, die Geschichte einer 13-jährigen Französin, die ihr Augenlicht langsam verliert, aber dieser Film ist ab 16, und man versteht, warum. Ava wird nur noch diesen Sommer sehen. Wie Noée Abita ihr vielschichtiges Desaster spielt – Pubertät, hilflose Mutter, kein Vater, wachsende Dunkelheit, „ich fühle nichts“ –, das ist eine Klasse für sich. Die Inszenierung ebenso schonungslos gekonnt, mit Schockszenen, Horror, drastischem Sex. Ein schwarzer Hund führt sinnbildlich für die zunehmenden Schatten durch die Handlung, aber je düsterer es um Ava wird, desto mehr hellt sich ihr Leben auf. 

Leider ist das Kino bei diesem Film, immerhin 2017 in Cannes gezeigt, fast leer. „Wir haben viele volle Säle in diesem Jahr, aber auch den einen oder anderen traurigen Film“, sagt Festivalleiterin Julia Fleißig. Manche Gruppen hätten abgewiesen werden müssen, weil sie eben noch nicht 16 waren. Die „Ava“-Hauptdarstellerin steht am Ende trotzdem tapfer Rede und Antwort, auch zu den Nacktszenen und überhaupt zur Arbeit als Schauspielerin. Es sei anstrengend, manchmal peinlich, sagt sie. „Und es gibt so viele verschiedene Arten, sich selbst zu sehen. Das ist sehr interessant.“ Sobald die Zielgruppe das Zielalter erreicht hat, sind ihr solche Filme sehr zu empfehlen. Das ist nämlich die große Stärke des Lucas-Festivals, auch nach all den Jahren: Man kann dort sehen, dass andere Jugendliche ebenfalls Probleme haben, und dass es immer Wege gibt, damit zurechtzukommen. 

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