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„Logan Lucky“ Die proletarische Antwort

Seine Enttäuschung über Hollywood scheint vor allem dazu geführt zu haben, dass Steven Soderbergh mit „Logan Lucky“ wieder sehr viel bissiger als in seinen letzten Filmen agiert.

Logan Lucky
Bang ist ein guter Nachname für Panzerknacker. Auch Joe (Daniel Craig, r.) hat zwei Brüder, mit denen er sich einig ist: Fish und Sam, Jack Quaid (l.) und Brian Gleeson (M.). Foto: dpa

Wenn Steven Soderbergh seinen neuen Film „Logan Lucky“ nennt, ist das ziemlich hintersinnig, wenn nicht gar irreführend. Jimmy Logan (Channing Tatum) nämlich hat ein steifes Bein und verliert deswegen seinen Job auf einer Baustelle – nicht, weil er schlecht gearbeitet hätte, sondern weil es Ärger mit der Versicherung geben könnte. Sein Bruder Clyde (Adam Driver) hingegen hat sich zwar beim Kriegseinsatz im Irak militärische Meriten erworben, aber auch eine Hand verloren, und muss sich deswegen als Barkeeper blöde Witze anhören. Einzig Schwester Mellie (Riley Keough) lässt sich die Laune nicht verderben und wirkt als guter Geist in ihrem Schönheitssalon. Drei Figuren wie aus einem amerikanischen Arbeiterroman. Schauplatz: Boone County, West Virginia. Dort sind die Bewohner die einzigen, die an die Worte auf einer Tafel an der Landstraße glauben: „Herzlich willkommen!“

Eigentlich hatte sich Soderbergh vom Kino abgewendet. Oder richtiger, von der dahinter stehenden Industrie, die mit ihrem PR-Wahnsinn und der grassierenden Einfallslosigkeit für seine Begriffe dabei ist, den Autorenfilm zu zerstören. Dessen moderne amerikanische Ausprägung hatte er einst dezidiert mit „Sex, Lies and Videotape“ bereichert, wenn nicht gar mitbegründet, später versuchte er, Verwertungsketten zu sprengen und Filme gleichzeitig im Kino, auf DVD und im Netz herauszubringen. Dabei war er immer einer, der auch in Hollywood dazugehörte, vor allem durch seine „Ocean’s“-Filme, mit denen er sperrigere Projekte querfinanzierte.

Zurück auf der großen Bühne

Sein vermeintlich letzter Kinofilm, „Liberace“, schaffte es 2013 in den USA nur ins Fernsehen, doch nun ist Soderbergh wieder zurück auf der großen Bühne. Mit „Logan Lucky“ hat er eine Art Variation zu „Ocean’s“ gedreht, eine proletarische Antwort auf die Schnösel um George Clooney, die mindestens genauso ideenreich daherkommt, aber erdverbundener und aufgekratzter wirkt.

Im Mittelpunkt steht auch in „Logan Lucky“ der ganz große Coup. Jimmy und Clyde wollen ihrer Misere entfliehen, selbst wenn sie dabei den Pfad ehrlicher Männer verlassen müssen: lieber reich als anständig. Beistehen soll ihnen dabei unter anderen Joe Bang, seines Zeichens Tresorknacker, aber leider hinter Gittern – Daniel Craig spielt diesen Ehrenmann, der mit blondierter Bürstenfrisur und ausgewählt scheußlichen Tattoos wirkt wie ein irischer Fußballrowdy. Wie gut kann Craig sein, wenn er aus dem Gefängnis seiner James-Bond-Rolle befreit ist, wie witzig und selbstironisch als harter Typ, der allerdings einen Strampler tragen muss, wie er seine Gefängniskluft zugleich lächerlich macht.

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