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"Lars und die Frauen" Segensreiche Sexpuppe

Herzergreifender Film von Craig Gillespie: Wie die Lust am Gutsein bizarre Triumphe feiert.

13.03.2008 00:03
HEIKE KÜHN
Lars und die Frauen
Eigentlich glücklich: Lars (Ryan Gosling) hilft seiner neuen, aufblasbaren Freundin Bianca (re.) Foto: Central Film

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es: Craig Gillespies umwerfend komischer Film "Lars und die Frauen" widerlegt die These, dass nur das Böse im Film eine Entwicklung von Mensch und Plot garantiert. Das Kino macht uns gerne glauben, dass diese Welt ein Jammertal ist und wir der Errettung durch Superhelden bedürfen. Oder der Erlösung von uns selbst, wie es etwa David Finchers Filme vorschlagen, deren Protagonisten das unbewusste Böse ihrer gespaltenen Persönlichkeit nicht in den Griff bekommen.

Was aber, wenn das Gute überall ist und nur einen kleinen Anstoß braucht, um sich zu entwickeln? Craig Gillespies unscheinbarer Held, der ebenso schüchterne wie einsame Lars, könnte die kleine kanadische Gemeinde, in der er lebt, zu Todsünden herausfordern. Stattdessen feiert die Lust am Gutsein bizarre Triumphe.

Bianca ist ein echtes "real girl"

Als Bianca, eine verführerische Brasilianerin, bei Lars einzieht, trägt sie das Outfit einer Prostituierten. Doch Kleider machen bekanntlich Leute: Seine hochschwangere Schwägerin Karin leiht Bianca ein paar Sachen, und schon sieht Bianca aus wie das Mädchen von nebenan. Bleibt nur noch das Problem, dass Bianca eine Sexpuppe aus dem Sortiment der Pornoindustrie ist.

Als "real girl" angepriesen, löst Lars' Silikon-Freundin zunächst Krisen aus. Sein Bruder Gus grübelt, ob es fair war, den kleinen Bruder mit dem launischen Vater allein gelassen zu haben, nachdem die Mutter der beiden bei Lars' Geburt gestorben ist. Karin bringt Lars und Bianca zu einer psychologisch versierten Ärztin. Die lebenskluge Frau erfindet eine Krankheit, die Bianca zu schaffen und regelmäßige Untersuchungen nötig macht, um mit Lars ins Gespräch zu kommen. "Was würde Jesus dazu sagen?", fragt ein Kirchenvorstand, dem Karin das Anliegen unterbreitet, die Puppe als Gemeindemitglied aufzunehmen.

Die ebenso komischen wie herzergreifenden Antworten, die die Menschen der kleinen Stadt finden, eröffnen dem Film eine philosophische Dimension. Tolerant zu sein, heißt nur, in der eigenen Welt eine Abweichung zu akzeptieren. Das "real girl" in den Kirchenvorstand zu wählen oder als Vorleserin einzusetzen, bedeutet ein unbekanntes Universum neben der eigenen Vorstellungswelt zuzulassen.

Ganz nebenbei wirkt die fabelhafte Zuhörerin Bianca als Katalysator und bringt die komplexen Schuldgefühle der Familie zum Tanzen. Sogar die reizend gehemmte Margo, die in Lars verliebt ist, versteht Biancas Vorzüge. Bianca kann alles sein, was man in ihr sieht. Will Lars wirklich eine Freundin, die als Geheimnisträger einer ganzen Stadt unterwegs ist? Die Lösung liegt im Loslassen der Phantasie und dem Zulassen einer Trauer, die alle teilen. Das Gute ist weder unentwegt heiter noch ist sein Pathos ein Witz. Im Lachen ist bei Gillespies ein Weinen verborgen. Das rettet nicht die ganze Welt, aber den Film vor der gängigen Sünde eines leicht verkäuflichen Zynismus.

Lars und die Frauen, Regie: Craig Gillespie, USA 2007, 106 Minuten.

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